Rabattiertes Generikum hat nicht immer Vorrang!

Aus einer Apotheke erreichte uns eine Anfrage zu folgendem Abgabeproblem:

Retaxfrage

Eine Patientin hat eine Verordnung über Bonviva 3 mg ILO (Ibandronsäure) mit gesetztem Aut-idem-Kreuz vom Arzt bekommen. Es war weder ein Importeur noch eine PZN vermerkt, daher gingen wir von dem Originalpräparat der Firma Roche Pharma aus und belieferten mit der Importfirma Kohl zulasten der Techniker Krankenkasse (TK). Die TK retaxierte uns das Rezept mit der Begründung eines angeblichen „Rabattverstoßes“. Ist diese Retaxation gerechtfertigt?

Die Apotheke muss bei der Belieferung eines Rezeptes Rabattverträge und zu erfüllende Importquoten vorrangig beachten. Ist für das verordnete Präparat kein Rabattvertrag vorhanden, so muss dennoch nach gesetzlichen Vorschriften gehandelt werden. Möglichkeiten zum korrekten Handeln bei einem nicht-rabattierten Arzneimittel zeigt der Rahmenvertrag (§ 4 Absatz 4) auf:

„Kommt eine vorrangige Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel nach Absatz 2 nicht zustande, stehen unter den Voraussetzungen nach Absatz 1 die drei preisgünstigsten Arzneimittel und im Falle der aut idem – Ersetzung zusätzlich das namentlich verordnete Arzneimittel, soweit in den ergänzenden Verträgen nach § 129 Absatz 5 Satz 1 nichts anderes vereinbart ist, oder ein importiertes Arzneimittel nach Maßgabe des § 5 zur Auswahl;“

Zum Zeitpunkt der Belieferung war kein wirkstoffidentisches Original- oder Importpräparat rabattiert, sondern das wirkstoffgleiche Generikum „Ibandronsäure Actavis ILO 1 St. PZN 09340246“. Der Arzt hat den Austausch gegen ein Generikum durch das Setzen des Aut-idem-Kreuzes untersagt, jedoch nicht gegen ein wirkstoffidentisches Importpräparat! Die Apotheke war allerdings auch nicht rechtlich dazu verpflichtet, einen Import abzugeben, da es zum Abgabezeitpunkt kein rabattiertes Importarzneimittel und auch kein „wirtschaftliches“ Importprodukt (15/15-Regel) gab.

Bild: © diego cervo - Fotolia.com

Retaxation nicht gerechtfertigt!

Die Retaxation war nicht berechtigt, da zum Zeitpunkt der Belieferung kein Import- oder Originalpräparat rabattiert war und der Arzt mit dem Setzen des Aut-idem-Kreuzes die Abgabe eines Generikums unterbunden hat. Die Apotheke hat unter Berücksichtigung des Rahmenvertrages § 4 (4) korrekt gehandelt. Daher sollte die Retaxation zurückgenommen werden.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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