Retax aufgrund verspäteter Daten?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Ein Patient reichte ein Rezept zulasten der R+V BKK (IK 105823040) über „Accu Chek Mobile Plasma II Testkasette 50 Stück 10 Pack.“ ein. Wir belieferten das Rezept mit dem Nachfolgeprodukt von Roche Diagnostics (PZN 10270545).

Daraufhin folgte eine Retaxation der kompletten Summe mit der Begründung „nicht verordnungsfähiges Medizinprodukt“.
Ist die Retax gerechfertigt? Es handelt sich doch um das Nachfolgeprodukt!

Bei Blutzuckerteststreifen handelt es sich um eine spezielle Produktgruppe, für die besondere Regelungen gelten. Sie zählen zu den „Geltungs-Arzneimitteln“, sind jedoch als Medizinprodukte gekennzeichnet.
Laut SGB V § 31 Abs. 1 sind Blutzuckerteststreifen grundsätzlich verordnungsfähig:

„Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln, soweit die Arzneimittel nicht nach § 34 oder durch Richtlinien nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 ausgeschlossen sind, und auf Versorgung mit Verbandmitteln, Harn- und Blutteststreifen.“

Die Abrechnung erfolgt nach vertraglich mit den Krankenkassen geregelten Preisen, die je nach Krankenkasse variieren.
Die Anlage V der Arzneimittelrichtlinie (AM-RL) gilt nur für arzneimittelähnliche Medizinprodukte, Harn- und Blutzuckerteststreifen benötigen keine Nennung in der Anlage V.

Es ist unwahrscheinlich, dass diese Retaxation aufgrund der Verordnungseinschränkung laut Anlage III der AM-RL erfolgt ist, welche besagt, dass Blutzuckerteststreifen für nicht insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker nur in Ausnahmefällen verordnet werden dürfen:

„Harn- und Blutzuckerteststreifen bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die nicht mit Insulin behandelt werden; ausgenommen bei instabiler Stoffwechsellage. Diese kann gegeben sein bei interkurrenten Erkrankungen, Ersteinstellung auf oder Therapieumstellung bei oralen Antidiabetika mit hohem Hypoglykämierisiko (grundsätzlich je Behandlungssituation bis zu 50 Teststreifen).“

Die Apotheke kann und hat nicht die Pflicht, diese Ausnahme zu prüfen.

Es wäre eher zu verstehen, wenn diese Retaxation aufgrund der Einführung des Nachfolgeproduktes zustande gekommen wäre, da das Nachfolgeprodukt zwar zum Zeitpunkt der Abgabe (29.05.2015) bereits in der Taxe gelistet war, der mit der Krankenkasse vereinbarte Preis jedoch erst später (01.06.2015). Für die vollständige Erstattung ist dieser Preis erforderlich.

Fazit

Die R+V BKK wäre lediglich dazu berechtigt gewesen, den taxierten Preis entsprechend zu reduzieren, falls ein abweichender Vertragspreis am Tag der Neuaufnahme des Folgeproduktes in der Taxe gültig gewesen wäre und die Retax auf zu spät gelieferten Daten beruht hätte. So ist die Retax aber nicht gerechtfertigt und sollte zurückgenommen werden.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

Das DAP

Das DeutscheApothekenPortal (DAP) gibt Hilfestellungen bei allen Fragen rund um die Arzneimittelabgabe und ist damit ein wichtiger Service-Partner der Apotheken. DAP unterstützt Apotheker und Apothekerinnen sowie PTA bei der richtigen Rezeptbelieferung und stellt eine Vielzahl von Arbeitshilfen, Postern, Fortbildungen und anderen kostenlosen Servicematerialien zu den verschiedenen in der Apotheke anfallenden Aufgaben zur Verfügung.

Die Online-Services des DeutschenApothekenPortals finden Sie Hier

Falls Sie die DAP-Medien noch nicht beziehen oder eine Frage an das DAP haben, schreiben Sie einfach eine Mail an info@deutschesapothekenportal.de

Retaxfrage?

Gerne unterstützen wir Sie in unserer Rubrik "Retax-Fragen" in Zusammenarbeit mit dem DeutschenApothekenPortal bei der Lösung von Problemen bei der Arzneimittelabgabe und bei der Vermeidung von Retaxationen. Haben Sie eine Frage zur Rezeptbelieferung? Dann schicken Sie Ihren Fall gerne an per Mail an uns. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe geben können.

Hier einsenden