Retax einer OTX-Packungsgröße ohne N-Bezeichnung rechtens?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir hatten neulich einen Kunden, der folgende Verordnung zulasten der Techniker Krankenkasse vorlegte:

„6 x Isotonische NaCl 0,9 % Eif INF 100 ml N1.“

Wir gaben daraufhin „1 x 100 ml“ und „5 x 100 ml“ nach Rücksprache mit dem Arzt ab und dokumentierten die Rücksprache auch auf dem Rezept. Nun kam die Retax über die 5er-Packung NaCl mit der Begründung: „Arzneimittel ohne Normgröße“ und dies sei keine Leistung der GKV. Die Prüfstelle stützte sich zudem auf § 2 Abs. 4 der Packungsgrößenverordnung:

„(4) Packungen, deren Inhalte die jeweils größte der auf Grund dieser Verordnung bezeichneten Packungsgröße übersteigen, dürfen nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgegeben werden.“

Ist diese Retaxation rechtens?

Bei einer 5er-Packung handelt es sich weder um eine Jumbo-, noch um eine Klinikpackung. Ein Blick in die Datenbank bestätigt dies. Zwar besitzt die Packung mit 5 x 100 ml keine N-Bezeichnung, jedoch übersteigt sie nicht die in der Packungsgrößenverordnung festgelegte größte Messzahl (Nmax).

Isotonische Kochsalzlösung en werden nach Angaben des Herstellers in die Arzneimittelgruppe „Trägerlösungen/Elektrolytlösungen/Volumenersatzlösungen“ nach Stück in folgende Normbereiche eingeordnet:

N1: 1 – 1 N2: 9 – 11 N3: 19 – 20

Mit 5 Stück liegt die Packung zwischen den Normbereichen (N1 und N2) und trägt deshalb kein Normkennzeichen. Demnach handelt es sich nicht um eine Packungsgröße, die § 2 Abs. 4 der Packungsgrößenverordnung widersprechen würde.

Da es sich um ein apothekenpflichtiges Arzneimittel handelt und im vdek-Vertrag entsprechende Regelungen fehlen, greift hier § 6 Abs. 2 des Rahmenvertrags:

„Entspricht die nach Stückzahl verordnete Menge, die keinem N-Bereich nach der geltenden Packungsgrößenverordnung zugeordnet werden kann, keiner im Handel befindlichen Packungsgröße, so sind, nach wirtschaftlicher Auswahl aus den zulässigen Packungsgrößen, verschreibungspflichtige Arzneimittel bis zur verordneten Menge abzugeben.“

Demnach hätte die Apotheke auch die nächstliegende 10er-Packung N2 abgeben dürfen.

Fazit

Die Retaxierung der 5er-Packung mit der unzutreffenden Begründung, dass diese Packungsgröße wegen der fehlenden N-Bezeichnung keine Leistung der GKV sei, ist zurückzunehmen.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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