Retax-Gefahr bei Abgabe von kurzwirksamen Insulinanaloga

Ein verordnetes Importarzneimittel muss trotz „aut idem“ gegen ein rabattiertes Original ausgetauscht werden – dies gilt auch für kurzwirksame Insulinanaloga. Ein solches Verfahren ist nicht nur in den Regionalverträgen festgelegt, sondern auch der Verband der Ersatzkassen hat dies in seinem Arzneimittelversorgungsvertrag klargestellt (§ 4 Abs. 12).

Bei der Substitution von Arzneimitteln müssen nicht nur die Vorgaben der jeweiligen Lieferverträge und der Rahmenverträge beachtet werden, sondern auch, ob das Arzneimittel zulasten der GKV verordnet werden darf. Vertraglich ist die Prüfpflicht des Apothekers jedoch nicht vereinbart.

Ist eine Null-Retax gerechtfertigt?

Eine Apotheke beliefert folgendes Rezept zulasten der AOK Hessen:

Dieses wird der Apotheke von der Krankenkasse auf Null retaxiert, mit der Begründung „Kurzwirksame Insulinanaloga – Vertragsarzneimittel haben Vorrang vor Importarzneimitteln“. Rabattiert ist bei der AOK Hessen nicht die verordneten Packungsgröße, sondern Apidra des Originalherstellers Sanofi mit den Packungsgrößen 5 x 3 ml N1, sowie 10 x 3 ml N2.

Nach Packungsgrößenverordnung gelten
für Apidra-Solostar folgende N-Bereiche:

Demnach trägt das verordnete Arzneimittel entsprechend der Einteilung der Packungsgrößenverordnung keine Normkennzeichnung. Die N2-Kennzeichnung auf der Verordnung ist also falsch. Da die N2-Kennzeichnung nicht zur angegebenen Menge passt, ist die Stückzahl für die Belieferung entscheidend(3 x 3 ml).

Rahmenvertrag § 4 Absatz 1c „Werden Arzneimittel unter Angabe einer N-Bezeichnung und der Menge, z. B. der Stückzahl, verordnet, und ist diese Menge nicht der angegebenen N-Bezeichnung zuzuordnen, ist die verordnete Menge für die Auswahl maßgeblich.“

Daher ist der Austausch nicht erlaubt. Die Apotheke hat das Rezept korrekt beliefert.

Einspruch abgelehnt

Der Einspruch der Apotheke wurde von der Krankenkasse abgelehnt, da nicht die Austauschbarkeit das Problem darstellt, sondern der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dass „kurzwirksame Insulinanaloga nur noch dann verordnungsfähig sind, wenn diese nicht mit Mehrkosten im Vergleich zu schnellwirkendem Humaninsulin verbunden sind“ (siehe Anlage III Nr. 33 der Arzneimittelrichtlinie). Laut AOK sei dies nur für ihre Rabattarzneimittel sichergestellt. Der retaxierenden Krankenkasse zufolge ist eine Belieferung mit kurzwirksamen Insulinanaloga durch Importprodukte zulasten der GKV daher nicht zulässig.

Keine Prüfpflicht für die Apotheke

Für die Apotheke besteht in Bezug auf die Verordnungseinschränkung kurzwirksamer Insulinanaloga gemäß Anlage III Nr. 33 zur Arzneimittelrichtlinie keine Prüfpflicht, zumal für den Arzt weiterhin eine Verordnungsmöglichkeit in Ausnahmefällen besteht. Die Apotheke kann und darf diese nicht überprüfen.

Der Apotheker muss die Verordnungsfähigkeit zulasten der GKV laut Liefervertrag nicht prüfen. In möglichen Ausnahmefällen ist die Verordnung vom Arzt zu begründen und zu dokumentieren, so dass die Apotheke bei Vorlage eines entsprechenden Rezeptes davon ausgehen kann, dass die Verordnungsvoraussetzungen ärztlicherseits erfüllt worden sind. Die Abgabe des Rabattarzneimittels (5 x 3 ml) wäre bei einer Verordnung über 3 x 3 ml ohne Rezeptänderung nicht zulässig. Die Retaxation ist deshalb zurückzunehmen.

Bilder / Abbildungen: DAP;Alexander Raths (Fotolia.com)

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
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