Retax trotz nicht übereinstimmender Indikation?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir haben eine Retaxierung erhalten, die wir jedoch nicht nachvollziehen können. Verordnet war Formoterol Hexal Startkit 1DA + Schutzhülle. Da kein Rabattvertrag zu beachten war, wurde anstelle von Formoterol Hexal ein Artikel aus der Gruppe der „drei Preisgünstigsten“ abgegeben: Formatris Novolizer der Firma Meda Pharma GmbH.

Position 1 der Verordnung wurde jedoch mit der Begründung, es sei kein Rabattartikel abgegeben worden, auf Null gekürzt.

Kann das stimmen?

Antwort

Die zum Abgabezeitpunkt rabattierten wirkstoffgleichen Artikel stimmen mit dem verordneten Artikel in keiner Indikation überein:

Abb.: Lauer-Taxe Online, Stand 15.08.2015

% = Rabattartikel; A = Ausgangsartikel Spalte; IÜ = Indikationsübereinstimmung

Der abgegebene Artikel Formatris Novolizer von Medapharm gehört zu den drei preisgünstigsten Alternativprodukten und stimmt in allen für den Austausch relevanten Punkten mit dem verordneten Artikel überein:

  1. gleicher Wirkstoff
  2. identische Wirkstärke
  3. identische Packungsgröße
  4. gleiche oder austauschbare Darreichungsform
  5. Zulassung für ein gleiches Anwendungsgebiet
  6. keine einer Ersetzung des verordneten Arzneimittels entgegenstehenden betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften

Alle Abgabemöglichkeiten sind in der obigen Abbildung mit einem Haus gekennzeichnet: Der Ausgangsartikel sowie die drei Preisgünstigsten, die auch alle anderen Voraussetzungen zur Substitution, wie z. B. ein gleiches Anwendungsgebiet, erfüllen.

§ 4 Abs. 4 Rahmenvertrag

„Kommt eine vorrangige Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel nach Absatz 2 nicht zustande, stehen unter den Voraussetzungen nach Absatz 1 die drei preisgünstigsten Arzneimittel und im Falle der aut idem – Ersetzung zusätzlich das namentlich verordnete Arzneimittel, soweit in den ergänzenden Verträgen nach § 129 Absatz 5 Satz 1 nichts anderes vereinbart ist, oder ein importiertes Arzneimittel nach Maßgabe des § 5 zur Auswahl; zählt das verordnete Arzneimittel zu den drei preisgünstigsten Arzneimitteln, darf das ersetzende Arzneimittel nicht teurer als das namentlich verordnete sein.“ 

Fazit

Da ein Rabattartikel nur dann vorrangig abzugeben ist, wenn auch die Kriterien zur Substituion erfüllt sind, ist diese Retaxierung zurückzunehmen.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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