Retax trotz vorheriger Genehmigung

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir versorgten eine nach Kleinhirninfarkt inkontinente Seniorin, die vorübergehend in einem Pflegeheim betreut wurde, mit folgender Verordnung über „Saugende Inkontinenzeinlagen für circa fünf Wochen Kurzzeitpflege“ zulasten der Barmer GEK.

Wir hatten keinen Versorgungsvertrag bei der Barmer GEK und haben deshalb telefonisch nachgefragt, ob eine Kurzzeitversorgung trotzdem möglich ist. Nach telefonischer Zusage ließen wir uns die Genehmigung der Kostenzusage schriftlich zukommen: „Kostenübernahme zu Festbeträgen während der Kurzzeitpflege“ mit Stempel, Datum und Unterschrift der Sachbearbeiterin. Wir rechneten die Versorgung ab und vermerkten das Datum, den Namen der Sachbearbeiterin, sowie die Geschäftsstelle der BEK auf der Verordnung (siehe Abbildung). Die Genehmigung der Kostenübernahme lag der Verordnung bei. Nach 12 Monaten kam die Null-Retaxation des Rezeptes mit der Begründung: „Die Abrechnung ist nur noch durch Barmer-Vertragspartner gem. § 127 SGB V n. F. möglich“. Wir haben nun Einspruch eingelegt. Können wir nicht einmal mehr schriftlichen Genehmigungen vertrauen?

Apotheken haben die Möglichkeit, die kurzzeitige Versorgung von Patienten zu übernehmen, auch wenn sie keinen Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse haben. Voraussetzung ist hier, dass eine schriftliche Vorabgenehmigung der Krankenkasse vorliegt. Wird jedoch nach Monaten das Rezept retaxiert, obwohl man eine schriftliche Genehmigung der Kostenübernahme vorliegen hat, ist dies besonders ärgerlich. Es wirft tatsächlich die Frage auf, inwieweit sich die Apotheken noch auf eine schriftliche Aussage der Krankenkassen verlassen können.

Fazit

Sollte dem Einspruch nicht stattgegeben werden1, so können sich Apotheken in der Tat nicht mehr auf schriftliche Kostenzusagen verlassen können und sollten eine rechtliche Prüfung der Angelegenheit erwägen, da es für strittige Vertragsprobleme mit vdek-Kassen keine Schiedsstelle gibt. Leidtragende werden in solchen Fällen immer die Versicherten der Krankenkasse sein, da es eine Versorgung in Ausnahmesituationen ohne Versorgungsvertrag zunehmend nur noch gegen Barzahlung geben wird.

1Anmerkung der Redaktion: Die Versorgung wurde nach erfolgtem Einspruch mittlerweile genehmigt!

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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