Retax wegen fehlendem Arztstempel

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir haben ein Rezept beliefert, auf dem der Arzt unterschrieben hatte, aber der Arztstempel fehlte. Das Rezept ist dann mit in die Abrechnung gerutscht und wurde uns auf Null retaxiert. Finden Sie es rechtens, dass wir direkt auf Null retaxiert wurden? Gibt es keine „Heilungschancen“?

Im Apothekenalltag kommt es häufig vor, dass eine Arztunterschrift oder der Arztstempel in der Praxis vergessen werden. Für die Apotheke ist dies kein Grund, die Versorgung zu verweigern, wenn der Arzt bekannt oder leicht zu identifizieren ist:

  • aufgrund der vorhandenen Unterschrift
  • aufgrund der auf der Verordnung angegebenen Betriebstätten-Nummer der Praxis
  • aufgrund der ebenfalls angegebenen lebenslangen Arzt-Nummer (LANR)

Der Gesetzgeber gibt den Apotheken in § 4 (1) Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) in dringenden Fällen die Möglichkeit, die Patienten ohne Verzögerung zu versorgen:

„(1) Erlaubt die Anwendung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels keinen Aufschub, kann die verschreibende Person den Apotheker in geeigneter Weise, insbesondere fernmündlich, über die Verschreibung und deren Inhalt unterrichten. Der Apotheker hat sich über die Identität der verschreibenden Person Gewissheit zu verschaffen. Die verschreibende Person hat dem Apotheker die Verschreibung in schriftlicher oder elektronischer Form unverzüglich nachzureichen.“

Nach Rücksprache mit dem Arzt ist es möglich, die Verordnung mit den fehlenden Angaben gesondert einzubehalten und gegen den Austausch einer korrigierten Verordnung an den Arzt zurückzugeben oder zu vernichten. Es ist natürlich problematisch, wenn die fehlerhafte Verordnung irrtümlich in die nächste Rezeptabrechnung gelangt. In den meisten Fällen wird diese zwar retaxiert, aber nach Bestätigung des Arztes schließlich anerkannt.

Fazit

Es sollte ein Einspruch eingelegt werden, in dem man die Identität des verordnenden Arztes bestätigt. Eine Retaxation des kompletten Rezeptbetrags ist nicht rechtens. Zwar ist die DAK gem. vdek-Vertrag zur Zurückweisung der Verordnung bei der Abrechnung berechtigt und der fehlende Arztstempel darf nicht durch die Apotheke geheilt werden, allerdings wird dadurch nicht ausgeschlossen, dass der Arzt das Rezept „heilen“ darf.

Sinn dieses Vertrages ist es, die Krankenkassen vor Zahlungsansprüchen zu schützen, wenn eine Verordnung durch einen Vertragsarzt fehlt. Daher hat die Kasse das Recht, die Abrechnung der Verordnung zurückzuweisen, bis dies nachgewiesen ist. Es wäre eine ungerechtfertigte finanzielle Belastung der versorgenden Apotheke, die Verordnung endgültig zurückzuweisen, obwohl eine Bestätigung erbracht wurde.

Die DAK hat keine der nachträglich vorgenommenen Einspruchserklärungen anerkannt, obwohl die betroffene Apotheke und der Apothekerverband sich mit der Kasse in Verbindung setzten, um eine kulante Lösung zu finden. Die Krankenkasse verwies auf den vdek-Vertrag § 4 (1) und (2):

“ (1) Die Abgabe erfolgt aufgrund einer ordnungsgemäß ausgestellten vertragsärztlichen oder vertragszahnärztlichen Verordnung zu Lasten der angegebenen Ersatzkassen[…]

(2) Die Angaben gemäß Absatz 1 werden vom Arzt auf das Verordnungsblatt übertragen; ein Fehlen einzelner Angaben nach Buchstaben a. oder b., c. und d., e., f. und h. bis m. berechtigt nicht zur Zurückweisung des Verordnungsblattes bei der Abrechnung. Fehlende oder fehlerhafte Angaben nach den in Satz 1 genannten Buchstaben können im Einzelfall vom Apotheker geheilt werden und sind in diesem Fall von ihm abzuzeichnen.“

Da der Buchstabe „o“ (Vertragsarztstempel oder entsprechender Aufdruck) in der Auflistung nicht genannt wird, führte das Fehlen dieser Angabe zur Zurückweisung des Verordnungsblattes bei der Abrechnung.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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