Retax wegen fehlender N-Kennzeichnung

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir hatten neulich ein Rezept über Erkältungstropfen Heel 100 ml (PZN 10193075) für ein 8-jähriges Kind, zulasten der BKK Werra Meissner (IK 105530126). Wir gaben die Tropfen ab, da die Apotheken-EDV zunächst keinen Hinweis auf zu erwartende Erstattungsprobleme aufzeigte. Wir erhielten eine Retaxation mit folgender Begründung: „Der abgegebene Artikel besitzt keine therapiegerechte Packungsgröße gem. Packungsgrößenverordnung und ist folglich nicht Bestandteil der Leistung der GKV.“

Wie bewerten Sie die Retaxation?

Antwort:

Das N-Kennzeichen ergibt sich aus der Größe des Inhalts und aus der Einteilung des Arzneimittels in die Packungsgrößenverordnung. Ein fehlendes N-Kennzeichen führt immer wieder zu Fragen bezüglich der Erstattungsfähigkeit durch die GKV.

Nicht normierte Packungen (Beispiele)
- abgabefähige Packungsgrößen zwischen zwei definierten Normbereichen
- Klinikpackungen
- nicht abgabefähige Jumbopackungen, deren Inhalt über der größten Messzahl liegt
- nicht bezeichnete Packungsgrößen 


Paragraph 5 der PackungsV gibt dem DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) die Möglichkeit, eine Behandlungsdauer für ein Medikament festzulegen, wenn keine Zuordnung zu den Normbereichen als geeignet erscheint. Allerdings weicht diese von den Vorgaben in § 1 Absatz 1 der PackungsV ab und kann zu widersprüchlichen N-Bezeichnungen führen.

Eine N-Kennzeichnung ist für die Erstattungsfähigkeit nicht zwingend notwendig. Bis auf Jumbopackungen, deren Inhalt größer als die größte Messzahl laut PackungsV ist, sind die meisten Arzneimittelpackungen ohne N-Kennzeichen zulasten der GKV verordnungs- und abgabefähig.

Die Erkältungstropfen Heel lassen keine genaue Zuordnung in die Normbereiche zu. Die 100-ml-Flasche trägt keine N2-Kennzeichnung und die Einteilung in die PackungsV (Tab. 1) trifft ebenfalls nicht zu:


Bei einem Blick in die simulierte Rezeptabgabe in der Apotheken-EDV (z. B. ADG-System) wird deutlich, dass eine Abgabe zulasten der GKV nicht möglich ist:

Fazit

Besitzt ein Arzneimittel keine N-Bezeichnung, bedeutet dies nicht automatisch, dass es nicht zulasten der GKV abgegeben werden darf. Ein fehlendes N-Kennzeichen sollte immer kritisch betrachtet werden und vor der Abgabe ist die Erstattungsfähigkeit genaustens zu kontrollieren. In diesem Fall gibt es keine Erstattungsmöglichkeit für das verordnete Präparat, daher ist die Retaxation rechtens.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

Das DAP

Das DeutscheApothekenPortal (DAP) gibt Hilfestellungen bei allen Fragen rund um die Arzneimittelabgabe und ist damit ein wichtiger Service-Partner der Apotheken. DAP unterstützt Apotheker und Apothekerinnen sowie PTA bei der richtigen Rezeptbelieferung und stellt eine Vielzahl von Arbeitshilfen, Postern, Fortbildungen und anderen kostenlosen Servicematerialien zu den verschiedenen in der Apotheke anfallenden Aufgaben zur Verfügung.

Die Online-Services des DeutschenApothekenPortals finden Sie Hier

Falls Sie die DAP-Medien noch nicht beziehen oder eine Frage an das DAP haben, schreiben Sie einfach eine Mail an info@deutschesapothekenportal.de

Retaxfrage?

Gerne unterstützen wir Sie in unserer Rubrik "Retax-Fragen" in Zusammenarbeit mit dem DeutschenApothekenPortal bei der Lösung von Problemen bei der Arzneimittelabgabe und bei der Vermeidung von Retaxationen. Haben Sie eine Frage zur Rezeptbelieferung? Dann schicken Sie Ihren Fall gerne an per Mail an uns. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe geben können.

Hier einsenden