Retaxation, obwohl ungleich deklarierte Darreichungsformen nicht angezeigt werden?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Wir erhielten ein Rezept zulasten der BARMER GEK mit folgender Verordnung:

  • „Copaxone 20 mg/ml ILO FER AXICO 28 St. N2”.

Die Verordnung wurde von uns mit dem verordneten Import beliefert. Nun bekamen wir eine Retaxation mit der Begründung, wir hätten kein rabattbegünstigtes Arzneimittel abgegeben. Zum Zeitpunkt der Abgabe hat unsere Apotheken-EDV bei der Durchführung einer Aut-idem-Suche keinen Austausch gegen die Rabattarznei der Krankenkasse angezeigt, vermutlich da der verordnete Import als „ILO“ in der Artikeldatei bezeichnet, die Rabattarznei der Firma TEVA hingegen als „FER“ gekennzeichnet war. Erst wenn wir eine manuelle Original-/Importsuche durchführen, zeigt die EDV für den damaligen Abgabezeitpunkt die Rabattarznei an, trotz abweichender Darreichungsform.

Wir erhoben Einspruch, denn unsere Apotheken-EDV zeigte uns fälschlicherweise den Rabattartikel von TEVA nicht an. Der Einspruch wurde abgelehnt. Was sagen sie zu dem Fall?

Ist eine Retax aufgrund eines Fehlers in der Apotheken-EDV gerechtfertigt? | Bild: © Kaesler Media - Fotolia.com

Die Frage bezüglich der unterschiedlich deklarierten, austauschbaren Darreichungsformen bei Originalen und Importen taucht immer wieder auf. Auch der neue Paragraph 3 des Rahmenvertrags gibt darauf leider keine konkrete Antwort.

Bisher gibt es keine eindeutige rahmenvertragliche Regelung zum Austausch von abweichend deklarierten Darreichungsformen von Originalen und Importen. Die BARMER GEK beruft sich bei ihrem Einspruch auf § 5 Abs. 2 des Rahmenvertrages, der allerdings bezüglich der Austauschbarkeit von Import und Original lediglich von einer „therapeutisch vergleichbaren“ Darreichungsform spricht. Die gesetzliche Vorgabe und die für den allgemeinen Austausch wirkstoffgleicher Arzneimittel festgelegte Rahmenvertragsregelung in § 4 Abs. 1 (Listung in der Anlage VII der Arzneimittel-Richtlinie) ist nach Auskunft der Krankenkasse hier unerheblich: „Die engere Auslegung zu gleichen oder austauschbaren Darreichungsformen für wirkstoffgleiche Arzneimittel gemäß § 4 Abs. 1 Rahmenvertrag ist für den zu beurteilenden Sachverhalt unerheblich. Es handelt sich in diesem Fall nicht um eine „Ersetzung“ eines wirkstoffgleichen Arzneimittels gemäß § 4 Rahmenvertrag, sondern um die Abgabe eines arzneirechtlich „gleichen“ Arzneimittels gemäß § 5 Rahmenvertrag.“

Bleibt zu hoffen, dass die Krankenkasse hier angesichts der unverschuldeten Nichtabgabe ihrer Rabattarznei ein Einsehen hat und den Sachverhalt angesichts des neuen Rahmenvertrags nochmals prüft und die Retaxation ganz oder zumindest teilweise zurücknimmt.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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