Retaxation von Sprechstundenbedarf - ist das rechtens?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Unsere Apotheke erhielt ein SSB-Rezept zulasten der AOK Bayern (IK 108310400) mit folgender Verordnung:

Wir belieferten „FSME 3 x 10 St. Fertigspritzen für Erwachsene (PZN 10259503)“, da wir vorher Rücksprache mit der Praxis gehalten haben. Die Prüfstelle retaxierte uns das Rezept auf das günstigere „FSME 0,25 ml Junior (PZN 10259526)“:

Es wurde demnach der Differenzbetrag zwischen FSME Erwachsene und FSME Junior abgezogen. Zudem erhielten wir eine Vertragsstrafe von 50 Euro, da die Angabe der Arztnummer (LANR) fehlte. Die Vertragsstrafe können wir nachvollziehen, aber wie sieht es mit der Retaxation bezüglich FSME aus?


In der Apotheke kommt es häufig vor, dass Sprechstundenbedarfsverordnungen nach vorheriger Absprache beliefert und die Verordnungen, sobald diese vorliegen, nicht mehr genau überprüft werden. So entstehen Retaxationen, die vermeidbar wären.

Auf dem Rezept fehlt die Angabe der Wirkstärke, weshalb es sich für die Prüfstelle um eine unklare Verordnung handelt, die ohne eine Rücksprache mit dem Arzt und dessen schriftliche Bestätigung nicht hätte beliefert werden dürfen (§ 17 (5) ApBetrO). Bei einer fehlenden LANR erlaubt der Arzneiliefervertrag Bayern eine Vertragsstrafe:

§ 6 (4) „Werden Verordnungsblätter ohne Beachtung der Bestimmungen dieses Absatzes abgerechnet, sind die Krankenkassen berechtigt, den Gesamtbruttobetrag dieser Verordnungsblätter (ggf. bereinigt um Taxkorrekturen) um 5 Euro je Packung zu kürzen, jedoch höchstens um 50 Euro je Verordnungsblatt.“

Fazit

Laut den Vorgaben der ApBetrO und des Liefervertrags ist die Rezeptprüfstelle der AOK im Recht. Zwar besteht bei der Belieferung von SSB-Verordnungen eine doppelte fachliche Kontrolle, wodurch weder dem Patienten ein Schaden entsteht, noch ein wirtschaftlicher Nachteil für die Krankenkasse – es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Verordnung nicht korrekt ausgestellt und dennoch beliefert wurde.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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