Retaxation wegen „Doppelverordnung“?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Ein Patient von uns reichte zwei Rezepte zulasten der IKK classic ein, bei denen Datum und Verordnung identisch war. Wir belieferten die Rezepte am gleichen Tag und rechneten diese auch sofort ab. Die IKK classic retaxierte uns beide Rezepte mit der Begründung „Rezept wurde doppelt abgerechnet“. Zum Zeitpunkt der Ausstellung dieser zwei identischen Verordnungen bestanden Lieferschwierigkeiten sowohl für das Original „Antra Mups 20 mg 60 Stück“, als auch für das Generikum. Da unser Patient ein sondengängiges Präparat benötigt, würde hier nur das verordnete Präparat oder das Generikum Omeprazol Hexal MUT in Frage kommen, allerdings hat der Arzt durch das Setzen des Aut-idem-Kreuzes den Austausch unterbunden.

Ist diese Retaxation gerechtfertigt?

Mehrfachverordnungen sind häufig ein Problem bei der täglichen Arbeit in der Apotheke. Die Einhaltung des § 6 des Rahmenvertrags (Abgabe wirtschaftlicher Einzelmengen) wird dabei einer optimalen Therapie nicht immer gerecht. Zum Zeitpunkt der Ausstellung dieser zwei identischen Verordnungen bestanden Lieferschwierigkeiten sowohl für das Original „Antra Mups 20 mg 60 Stück“, als auch für das Generikum. Demnach hat der Arzt richtig gehandelt und absichtlich zwei Rezepte über je 30 Tabletten Antra Mups ausgestellt, da die verordnete Gesamtmenge von 60 Stück einem definierten Normbereich entspricht und eine entsprechende Packungsgröße im Handel ist (Rahmenvertrag § 6 Absatz 2). 

Fazit

Um den Vorgaben des Rahmenvertrages § 6 gerecht zu werden, war nur eine Verordnung auf zwei Rezepten möglich, da eine Normgrößenverordnung über 2 x N1 ebenfalls mit einer 60er-N2-Packung hätte beliefert werden müssen. Eine Retaxation ist unverständlich, da keines der Rezepte als „Duplikat“ gekennzeichnet ist und es zudem kein Verbot für Apotheker oder Ärzte gibt, „Mehrfachverordnungen“ gleichen Ausstellungsdatums zu beliefern, bzw. auszustellen. In der Apotheke sollte es nicht relevant sein, ob es sich um ein Duplikat, eine Kopie oder eine bürokratisch bedingte Mehrfachverordnung handelt. Nur die ärztlich begründete Menge sollte von Bedeutung sein. 

Anmerkung: Die IKK classic hat den Einspruch der Apotheke anerkannt.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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