Retaxgrund „Pharmazeutische Bedenken“?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Es wurde nicht nur dieses Rezept auf Null retaxiert, sondern gleich mehrere mit einer Gesamtsumme im 5-stelligen Bereich. Die DAK-Gesundheit begründete die Retaxation damit, dass wir keine Pharmazeutischen Bedenken aufgebracht haben und stützte sich auf § 4 (3) des Rahmenvertrages:

„3) 1 Ist ein rabattbegünstigtes Arzneimittel in der Apotheke nicht verfügbar und macht ein dringender Fall die unverzügliche Abgabe eines Arzneimittels erforderlich (Akutversorgung, Notdienst), hat die Apotheke dies auf der Verschreibung zu vermerken, das vereinbarte Sonderkennzeichen aufzutragen und ein Arzneimittel nach den Vorgaben des Absatzes 4 abzugeben; das Nähere zu dem vereinbarten Sonderkennzeichen ist in der Arzneimittelabrechnungsvereinbarung nach § 300 SGB V (Technische Anlagen 1 und 3) geregelt. 2 Gleiches gilt in Fällen des § 17 Absatz 5 Apothekenbetriebsordnung.

Unser Team ist der Meinung, dass wir den Patienten korrekt versorgt haben, da dieser das Original bereits in der Klinik erhalten hatte und schon lange bekannt war, dass die Substitution des Wirkstoffes (Tacrolimus) als besonders kritisch betrachtet wird. Zwar war die Substitutionsausschlussliste damals noch nicht in Kraft, aber dennoch war uns die Gefahr eines Austausches zu groß. Hätten wir einen handschriftlichen Vermerk aufbringen müssen, obwohl schon bekannt war, dass dieser Wirkstoff demnächst auf der Substitutionsausschlussliste stehen wird?

Die Krankenkassen dürfen seit einem Urteil des BSG vom 02.07.2013 B 1 KR 5/13 R bei Missachtung der Rabattverträge eine Nullretaxation aussprechen. Viele Apotheken werden jedoch immer häufiger aufgrund kleiner und umstrittener Formfehler auf Null retaxiert.

Hier wird eine Apotheke finanziell für Ihre gewissenhafte Versorgung des Kunden bestraft, weil das bevorstehende Austauschverbot für Tacrolimus-Präparate ohne zusätzlichen Vermerk vorab berücksichtigt wurde. Dieser Vermerk ist seit dem 10.12.2014 offiziell ohnehin überflüssig. Es war sowohl die Sonder-PZN 02567024 für „Pharmazeutische Bedenken“ aufgedruckt, als auch der jeweilige begründete Faktorschlüssel (hier „166“). Somit sollte auch die retaxierende Krankenkasse nachvollziehen können, weshalb kein Austausch stattgefunden hat und der zusätzliche handschriftliche Vermerk überflüssig ist. Aus pharmazeutischer Sicht hat die Apotheke korrekt gehandelt – sowohl im Sinne der Therapie als auch im Sinne des Patienten.

Fazit

Bei Pharmazeutischen Bedenken ist die vollständige Dokumentation auf dem Rezept unerlässlich, da hauptsächlich Formfehler der Grund für Retaxationen sind. Zur vollständigen Dokumentation gehört:

  • Sonder-PZN
  • Faktorschlüssel
  • patientenindividuelle Begründung
  • Kürzel
  • Datum 

Zunächst lehnte die Kasse alle Einsprüche ab mit der Begründung, dass neben der Sonder-PZN und dem Faktor-Schlüssel dennoch die Pharmazeutischen Bedenken „stichwortartig und aussagekräftig zu vermerken“ seien. Nachträgliche Belege werden nicht anerkannt, dies würde zu einer „mit den Erfordernissen einer Massenverwaltung nicht zu vereinbarenden Erschwerung des Abrechnungsverfahrens führen“. Inzwischen hat die DAK mit dem DAV vereinbart, dass aus Datenschutzgründen kein ausführlicher Vermerk anzubringen ist. Ein kurzer handschriftlicher Vermerk, neben der Sonder-PZN (inkl. Schlüsselfaktor, Datum und Unterschrift), reicht aus, lediglich „Pharm. Bedenken“ soll manuell ergänzt werden. Alle mit der Begründung von „nicht nachvollziehbarer Vermerk“ retaxierten Rezepte sollen zurückgenommen werden, sofern sie den Apothekenverbänden gemeldet wurden.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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