Rezepturretax: Nichtverwendung von Rabattarzneimitteln

Aus einer Apotheke erreichte uns eine Anfrage zu folgendem Abgabeproblem:

Retaxfrage

HIV-Kapseln für ein 6-jähriges Kind:
Abgabedatum: 23.07.2014
Krankenkasse: Techniker Krankenkasse (IK 9577507)
Verordnung: 1 x Epivir® 150 mg FTA (60 St.) daraus Kapseln à 85 mg herstellen

Zur Herstellung der Rezeptur haben wir das verordnete Original-Produkt Epivir® 150 mg FTA verwendet und bekamen anschließend eine Retaxation mit der Begründung „Nichtverwendung eines rabattbegünstigten Arzneimittels, keine wirtschaftliche Abgabe“.
Zudem nannte die Retaxstelle die Verordnung „Lamivudin 85 mg 120 Kps.“ und verlangte die Herstellung der Rezeptur mit dem rabattierten „Lamivudin Aurobindo“.

Wir möchten nun Einspruch einlegen, da wir der Meinung sind, dass wir nicht gegen ein günstigeres Rabattprodukt tauschen müssen, da der Arzt ausdrücklich das Original verordnet hat.
Wie sehen Sie den Fall?

Antwort

Ein Blick in die Lauer-Taxe zeigt, dass zum Zeitpunkt der Herstellung/Abgabe (23.07.2014) das generische Produkt „Lamivudin Aurobindo“ rabattiert war [rotes Rabattsymbol %]:

Es liegen jedoch keine gesetzlichen Verpflichtungen zum Austausch eines ärztlich verordneten Fertigarzneimittels zur Herstellung einer Rezeptur vor – weder in der Arzneimittelpreisverordnung, noch in § 129 SGB V oder in den Arzneimittellieferverträgen ist eine Substitution gegen ein wirtschaftlicheres Produkt vorgeschrieben. Auch in der zwischen dem Spitzenverband der GKV-Kassen und dem der Apotheker vereinbarten Hilfstaxe findet sich eine solche Vorschrift nicht wieder.

Daher gibt es keinen Grund, von der „Abgabe wie verordnet“ abzuweichen (ApBetrO § 17 (5)):

„Die abgegebenen Arzneimittel müssen den Verschreibungen und den damit verbundenen Vorschriften des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Arzneimittelversorgung entsprechen.“

Die Retaxstelle geht bei Ihrer Begründung auch nicht vom „Wortlaut des Arztes“ aus, sondern von „Lamivudin 85 mg 120 Kps.“, was einer reinen Wirkstoffverordnung gleichkäme. In dem Fall hätte die Entscheidung tatsächlich bei der Apotheke gelegen, welches Fertigarzneimittel verwendet werden sollte. Dies war jedoch hier nicht der Fall!

Fazit

Da es keine gesetzliche Verpflichtung zum Austausch eines vom Arzt verordneten Fertigarzneimittels zur Herstellung einer Rezeptur gibt, ist diese Retaxation unberechtigt und sollte in diesem Fall zurückgenommen werden.

Anmerkung: Wie wir in der Zwischenzeit von der betroffenen Apotheke erfahren haben, wurde der Einspruch allerdings abgelehnt. Deshalb können wir z. Z. bei solchen Rezeptverordnungen nur retaxvorbeugend empfehlen, den Arzt darauf aufmerksam zu machen, dass er seine Original-Verordnung durch ein Aut-idem-Kreuz zumindest vor dem Austausch gegen Generika schützen soll/kann.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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