Übergangs-N-Größe

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Ein Kunde kam mit einem Rezept mit folgender Verordnung zu uns:

Der Arzt hat die ursprünglich verordnete Stückzahl gestrichen und durch eine reine Normgrößenverordnung „N3“ ersetzt. Diese Verordnung hat er mit Datum versehen und signiert.

Wir belieferten das Rezept mit dem Original der Firma Boehringer mit 100 Stück, da keine N3-Packungsgröße im Handel war und der Import nicht lieferbar war. Zudem beträgt der Preisabstand zu einem Import weniger als 3 € und es gab keinen vorrangigen Rabattvertrag zu beachten.
Die Krankenkasse retaxierte uns das Rezept auf die nächste kleinere Normpackungsgröße N2.
Dabei berief sich die Krankenkasse auf den Rahmenvertrag § 6 (1):

„§ 6 Abgabe wirtschaftlicher Einzelmengen (1) Ist bei einer Verordnung unter Angabe der N-Bezeichnung keine Packung, die dem verordneten N-Bereich entspricht, im Handel, ist eine Packung aus dem nächst kleineren N-Bereich abzugeben; falls eine solche Packung nicht im Handel ist, ist die kleinste im Handel befindliche Packung abzugeben. In Zweifelsfällen entscheidet der Vertragsarzt durch Änderung der Verordnung.“

Ist diese Retaxation gerechtfertig?

 

Der Gesetzgeber legt im Sozialgesetzbuch sowie in der Packungsgrößenverordnung fest, welche Packungsgrößen zulasten der gesetzlichen Krankenkasse abgegeben werden dürfen.

Durch Änderung in der Packungsgrößenverordnung hat die 100er-Packung das N3-Kennzeichen zum 01.07.2013 verloren, das scheint die Retaxstelle übersehen zu haben.

Es gilt: Packungen, die ihr Normkennzeichen aufgrund einer Normbereichsänderung verloren haben, dürfen für weitere 18 Monate mit dem ungültig gewordenen Normkennzeichen in Verkehr gebracht werden.

§2 (5) Packungsgrößenverordnung

„Nach Änderungen oder Aufhebungen von Messzahlen für Packungsgrößenkennzeichen oder sonstigen Änderungen der Zuordnung von Packungsgrößenkennzeichen können pharmazeutische Unternehmer Packungen mit ungültig gewordenen Packungsgrößenkennzeichen auf der äußeren Umhüllung spätestens bis zum Ablauf von 18 Monaten nach Bekanntmachung der jeweiligen Änderung gemäß § 5 in Verkehr bringen.“

Fazit

Packungsgrößen, die zwischen den definierten Normbereichen liegen, dürfen zulasten der GKV abgegeben werden, wenn deren Stückzahl in der Verordnung angegeben ist. Der Rahmenvertrag erlaubt die Abgabe einer Packung mit N-Kennzeichnung nach einer früher geltenden Fassung der PackungsV. Daher sollte die Retaxation zurückgenommen werden.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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