Welches Datum gilt: Abgabe- oder Vorlagedatum?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Folgendes Rezept reichten wir zur Abrechnung ein:

Krankenkasse: DAK Gesundheit (IK 108367998)

Verordnung: Xgeva 120 mg ILO 3 Stück N3 (Amgen GmbH)

Datum: 02.04.2015

Abgabedatum: aufgedruckt 05.05.2015

Da das Medikament zur Zeit der Vorlage nicht lieferbar war, haben wir das Rezept erst bedruckt, als wir das Arzneimittel wirklich erhalten und abgegeben haben. Das Belieferungsdatum war demnach außerhalb der Frist.

Die DAK retaxierte uns das Rezept mit der Begründung „Überschreitung der Belieferungsfrist“ und berief sich auf § 4 Absatz 6 des vdek-Arzneiversorgungsvertrags (AVV):
„Die Mittel dürfen nur abgegeben werden, wenn die Verordnung innerhalb von einem Monat nach Ausstellung der Verordnung in der Apotheke vorgelegt wird.“

Vorgelegt war das Rezept fristgemäß. Was gilt nun wirklich? Das Datum, an dem das Rezept vorgelegt wurde oder wann es beliefert wurde?

Welches Datum gilt: Abgabe- oder Vorlagedatum? Bild: © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Der von der DAK genannte Paragraf bezieht sich auf eine fristgerechte Vorlage des Rezeptes in der Apotheke und nicht auf die Abgabe des verordneten Arzneimittels. Dies ist durchaus sinnvoll, denn häufig gibt es Situationen, die eine Abgabe des Arzneimittels verzögern.

Mögliche Gründe können sein:

  • Lieferungsbedingte Verzögerung (s. o.)

  • Fachgerechte Lagerung in der Apotheke bis zur Anwendung

  • Bereitstellung und Lagerung bis der Patient das Medikament entgegennehmen kann

Praxisgerecht ist die Unterscheidung zwischen fristgerechter Vorlage und Abgabe zum benötigten Zeitpunkt. Dies sollte in regionale Lieferverträge aufgenommen werden.
Der Rahmenvertrag § 3 Absatz 1 spricht von einer „Belieferung innerhalb der Monatsfrist“, lässt nähere Regelungen in den ergänzenden Verträgen jedoch ausdrücklich zu.

Rahmenvertrag § 3 Zahlungs- und Lieferanspruch
(1) […] Vertragsärztliche Verordnungen dürfen ab Ausstellung längstens einen Monat zu Lasten der Krankenkasse beliefert werden, sofern eine entsprechende Regelung in den Richtlinien nach § 92 Absatz 1 Satz 2 Nr. 6 SGB V getroffen ist. Das Nähere kann in den ergänzenden Verträgen geregelt werden.“

In § 4 Absatz 6 des vdek-Vertrages für die Ersatzkassen liegen solche Regelungen vor.

Dies führt zu einem unlösbaren Konflikt in der Apotheke: Einerseits darf das Rezept nicht vor der Belieferung bedruckt werden, andererseits müsste bei Verordnung zulasten einer Ersatzkasse das Datum der Vorlage aufgebracht werden, um nicht wegen verspäteter Abgabe retaxiert zu werden, wie oben beschrieben.

Fazit

Eine unbürokratische und vertragskonforme Einigung im Interesse aller Beteiligten ist hier dringend geboten. Bis dies geschieht, ist den Apotheken zu raten, einen retaxvorbeugenden Vermerk, wie z. B. „Vorlage am XX.XX.XXXX“ auf dem Rezept aufzubringen.

Nach aktueller Vertragslage ist die Retaxation der DAK aufgrund verspäteter Abgabe nicht zulässig, da der Apotheke seitens der Krankenkasse verwehrt wird, die fristgerechte Vorlage des Rezeptes zu belegen.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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