Freitagnachmittag: Wirkstoffverordnung zur Substitutionsausschlussliste

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Retaxfrage

Eine Kundin kam an einem Freitagnachmittag mit einem Rezept über eine Wirkstoffverordnung „L-Thyroxin 50 µg N2“ zulasten der AOK Bayern zu uns in die Apotheke. L-Thyroxin steht auf der Substitutionsausschlussliste, wie können wir hier vorgehen? Den Arzt haben wir nicht mehr erreicht.  

Die Substitutionsausschlussliste des G-BA ist seit dem 10.12.2014 gültig, die letzte Ergänzung um acht Wirkstoffe trat zum 1. August 2016 in Kraft. In der Substitutionsausschlussliste finden sich bestimmte Wirkstoffe mit zugehörigen Darreichungsformen, für die in der Apotheke kein Austausch auf ein wirkstoffgleiches Arzneimittel vorgenommen werden darf. Ziel dieser Regelung ist es, die Arzneimitteltherapie zu sichern, z. B. bei Wirkstoffen mit geringer therapeutischer Breite, bei denen ein „unkontrollierter“ Präparate-Austausch zu Therapieproblemen führen kann.

Zur Zeit stehen folgende Wirkstoffe auf der Liste:

Wirkstoff
Darreichungsformen
BetaacetyldigoxinTabletten
Ciclosporin Weichkapseln/ Lösung zum Einnehmen
DigitoxinTabletten
DigoxinTabletten
Levothyroxin-NaTabletten
Levothyroxin-Na + Kaliumiodid Tabletten
PhenytoinTabletten
TacrolimusHartkapseln
PhenprocoumonTabletten
BuprenorphinPflaster
OxycodonRetardtabletten
HydromorphonRetardtabletten, soweit sie eine unterschiedliche Applikationshöchstdauer bzw. -häufigkeit aufweisen
PhenobarbitalTabletten
PrimidonTabletten

Bevor L-Thyroxin auf die „Non-Aut-Idem-Liste“ gesetzt wurde, hätten Sie die Wirkstoffverordnung gemäß Rahmenvertrag § 4 mit einem Rabattartikel beliefern können oder – sofern kein Rabattvertrag vorgelegen hätte – mit einem der drei preisgünstigsten Präparate.

Nun muss jedoch die Substitutionsausschlussliste beachtet werden, denn hierbei handelt es sich um ein generelles Austauschverbot. Unabhängig davon, ob ein Arzt ein bestimmtes Arzneimittel mit Aut-idem-Kreuz verordnet oder ob es dazu Rabattarzneimittel gibt.

Bei der vorliegenden Verordnung handelt es sich um eine reine Wirkstoffverordnung. Diese ist unter Berücksichtigung der Substitutionsausschluss-Liste als unklare Verordnung anzusehen, da die aufgelisteten Stoffe mit dazugehörigem Handelspräparat eindeutig verordnet werden müssen. Insofern ist vor der Belieferung eine Rücksprache mit dem Arzt, mit entsprechender Rezeptänderung, unerlässlich. An einem Freitagnachmittag gestaltet sich dies in der Regel schwierig. Daher empfiehlt es sich, den Patienten an den notdiensthabenden Arzt zu verweisen, damit die Therapie fortgesetzt werden und die Apotheke Retaxationen bezüglich der Substitutionsausschlussliste verhindern kann.

Ähnliche Probleme können entstehen, falls ein verordnetes Präparat nicht lieferbar ist oder außer Handel, ebenso wenn ein Rezept im Notdienst vorgelegt wird und das verordnete Präparat nicht vorrätig ist.

Fazit

Die Substitutionsausschlussliste dient zur Absicherung der Arzneimitteltherapie. Unklare Verordnungen oder reine Wirkstoffverordnungen können allerdings zu Problemen führen. Daher ist eine Rücksprache mit dem Arzt samt Rezeptänderung auf eindeutige Verordnungen erforderlich, um eine Retaxation zu vermeiden. Die Patienten, die entsprechende Arzneimittel erhalten, sollten darauf hingewiesen werden, sich rechtzeitig um ein neues Rezept zu kümmern, damit eine lückenlose Arzneimittelversorgung gewährleistet werden kann.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

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