Zusatzvermerk bei Pharmazeutischen Bedenken wiederholt angeben?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Frage:

Muss man bei wiederholten Pharmazeutischen Bedenken immer wieder eine genaue Begründung angeben?

Retaxfrage

Uns lag folgendes Rezept zulasten der DAK (IK 103467998) vor:

Ondansetron 4 lingual 1A Pharma 6 St. Schmelztabletten (PZN 04945387)

Wir belieferten das Rezept wie verordnet und machten Pharmazeutische Bedenken geltend, da es zum Abgabezeitpunkt eine rabattierte Alternative gab. Der Grund: Die Patientin leidet unter Schluckbeschwerden. Dies hätte der Krankenkasse aus früheren Fällen auch bekannt sein müssen. Daher haben wir die Sonder-PZN samt Faktor 6 auf das Rezept gedruckt, aber keinen weiteren Zusatzvermerk aufgebracht. Das Rezept wurde retaxiert mit der Begründung „Keine Ersetzung durch rabattbegünstigtes Arzneimittel […]/ Angabe „pharmazeutische Bedenken“ keine ausreichende Begründung gemäß Rahmenvertrag § 4 Abs. 3.“

Ist es wirklich nötig, zusätzlich zu der Sonder-PZN und dem erklärenden Faktor 6 für Pharmazeutische Bedenken jedes Mal einen Zusatzvermerk  anzugeben?

Nachdem bekannt geworden war, dass die DAK zahlreiche Apotheker aufgrund der nicht aussagekräftigen handschriftlichen Begründungen „Pharmazeutische Bedenken“ retaxierte, war im Dezember 2015 in der Fachpresse zu lesen, dass die DAK diesbezüglich keine Retaxationen mehr aussprechen wolle. Dies darf allerdings nicht so verstanden werden, dass keinerlei Begründung mehr notwendig sei. Laut Rahmenvertrag § 4 (3) ist neben der Sonder-PZN (inkl. Faktor 6) ebenso ein handschriftlicher Vermerk anzubringen.

Tipps bei Pharmazeutischen Bedenken

  • Seit Dezember 2015 wird lediglich der davor noch zu beanstandende handschriftliche Zusatzvermerk „Pharmazeutische Bedenken“ nicht mehr retaxiert.
  • Die DAK verlangt weiterhin neben einem handschriftlichen Vermerk die Sonder-PZN und den Faktor 6 für Pharmazeutische Bedenken. Eine nachträgliche Heilung der Pharmazeutischen Bedenken wird von der Krankenkasse nicht akzeptiert.
  • Auch bei begründeter Nichtabgabe, darf nicht jedes beliebige Arzneimittel abgegeben werden, vielmehr müssen die Regelungen des Rahmenvertrags § 4 (4) bei der Abgabe beachtet werden. 

Fazit

Die Nichtabgabe eines Rabattarzneimittels wegen Pharmazeutischer Bedenken sollte von der Apotheke immer und idealerweise auch patientenbezogen (individuell) auf dem Rezept begründet werden. Auch dann, wenn der Krankenkasse die Gründe für die Pharmazeutischen Bedenken bereits bekannt sein müssten. Die Retaxation ist rechtens.

Nadine Graf
PTA, DeutschesApothekenPortal (DAP)
graf@dapgruppe.de

Das DAP

Das DeutscheApothekenPortal (DAP) gibt Hilfestellungen bei allen Fragen rund um die Arzneimittelabgabe und ist damit ein wichtiger Service-Partner der Apotheken. DAP unterstützt Apotheker und Apothekerinnen sowie PTA bei der richtigen Rezeptbelieferung und stellt eine Vielzahl von Arbeitshilfen, Postern, Fortbildungen und anderen kostenlosen Servicematerialien zu den verschiedenen in der Apotheke anfallenden Aufgaben zur Verfügung.

Die Online-Services des DeutschenApothekenPortals finden Sie Hier

Falls Sie die DAP-Medien noch nicht beziehen oder eine Frage an das DAP haben, schreiben Sie einfach eine Mail an info@deutschesapothekenportal.de

Retaxfrage?

Gerne unterstützen wir Sie in unserer Rubrik "Retax-Fragen" in Zusammenarbeit mit dem DeutschenApothekenPortal bei der Lösung von Problemen bei der Arzneimittelabgabe und bei der Vermeidung von Retaxationen. Haben Sie eine Frage zur Rezeptbelieferung? Dann schicken Sie Ihren Fall gerne an per Mail an uns. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe geben können.

Hier einsenden