Als PTA im Ausland arbeiten

Kann ich als PTA eigentlich auch im Ausland arbeiten? Das fragen sich manche PTA, die aufgrund persönlicher Veränderungen ins Ausland ziehen möchten. Wie Sie den Wechsel in Ihr Traumland schaffen können und was im Vorfeld alles zu beachten ist, erfahren Sie von Angelika Gregor, die als Expertin beim Bundesverband PTA (BVpta) in Sachen Auslandsangelegenheiten zu diesem Thema berät.

Mit der Ausbildung fertig – und jetzt arbeiten, wo andere Urlaub machen? Um seine Träume nach einer Tätigkeit im Ausland zu verwirklichen, sollte man wissen, dass die PTA-Ausbildung in anderen Ländern nicht automatisch anerkannt wird. Daher gilt: Möchte eine PTA in einem anderen europäischen Land arbeiten, muss der Beruf von den Behörden des Wunschlandes als gleichwertig anerkannt werden oder bereits als gleichwertig anerkannt sein. Dies betrifft sowohl deutsche PTA, die in Europa arbeiten möchten, als auch PTA aus der EU, die nach Deutschland kommen

Ausländische PTA in Deutschland

Der PTA-Beruf gehört zu den sogenannten reglementierten Berufen und bedarf zur Ausübung einer staatlichen Erlaubnis. Reglementierte Berufe sind Berufe mit einer besonderen Verantwortung, welches im Besonderen für alle Gesundheitsfachberufe gilt. Grundlage dafür ist eine EU-Richtlinie (2005/36 EG), die auch für den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet. Hierauf basiert in Deutschland das „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ (Anerkennungsgesetz). Die Richtlinie wurde bereits mehrfach ergänzt. Die wichtigste Ergänzung ist die Richtlinie 2013/55EU, die in diesem Jahr in deutsches Recht umgesetzt wurde. Angeglichen wurden in Deutschland auch die sogenannten Drittstaaten, also nicht EU und Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR), die nach der gleichen Richtlinie eingestuft werden. Diese Richtlinie stellt die Gleichwertigkeit der Berufsausbildung sicher, da die PTA-Ausbildung europa- und weltweit nach wie vor sehr unterschiedlich geregelt ist.

Gleichwertigkeit muss nachgewiesen werden

Die Bewerber können zum Nachweis der Gleichwertigkeit zwischen einem Anpassungslehrgang oder einer Kenntnisprüfung wählen. Sind Defizite erkennbar, so müssen diese immer nachgeschult werden. Berufsangehörige, de­ren Berufsqualifikation bereits aner­kannt wird, müssen auch über Sprachkenntnisse verfügen, die für die Ausübung ihrer Berufstätigkeit im Auf­nahmemitgliedstaat, in diesem Fall Deutschland, erforderlich sind. Denn die besten Noten nutzen nichts, wenn man sich in der Apotheke nicht verstän­digen kann. Nach Erteilung der Berufs­erlaubnis dürfen die PTA in deutschen Apotheken arbeiten.

Arbeiten in der EU

Die gleiche Richtlinie gilt natürlich auch für deutsche PTA, die im europäischen Ausland arbeiten möchten. Auch hier erfolgt eine Überprüfung der Gleich­wertigkeit im Rahmen eines Anerken­nungsverfahrens. Das bedeutet für den PTA-Beruf, dass es nicht möglich ist, ohne dieses Anerkennungsverfahren in einer Apotheke in Europa zu arbeiten.

Wenn sich eine deutsche PTA um eine Stelle im Ausland bemüht, sollte sie sich über verschiedene Dinge Gedanken ge­macht haben. Denn es ist ein Unter­schied, ob man eine befristete Stelle bzw. einen Praktikumsplatz sucht oder ob man sich dauerhaft eine neue Hei­mat und Zukunft schaffen will. Bei dau­erhafter Übersiedlung muss man sich auch auf Nachschulungen und Prüfun­gen durch die örtlichen Behörden ein­stellen, denn Gesundheitsberufe sind nicht nur in Deutschland streng regle­mentiert. Bei einem kürzeren Prakti­kum von einigen Wochen ist meistens keine Anerkennung erforderlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ausländische PTA können in Deutschland arbeiten, wenn sie die Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung sowie   Sprachkenntnisse nachweisen. 
  • Deutsche PTA können im Ausland arbeiten, wenn die dortigen Anerkennungsverfahren erfüllt sind.
  • Nicht in allen Ländern gibt es einen vergleichbaren PTA-Beruf. 
  • Für das Anerkennungsverfahren sind übersetzte Dokumente und finanzielle Mittel notwendig. 
  • Erste Anlaufstelle sind Behörden, Gewerkschaften und Berufsverbände.

Sprachbarriere überwinden

Allgemein sollte man sich natürlich mit der Sprachbarriere auseinandersetzen. Im medizinischen Umfeld gibt es viele Begriffe, die nicht gerade Teil der All­tagssprache sind. Anbieter, die sich auf Fremdsprachenkurse für PTA speziali­siert haben, gibt es meistens nicht. Al­lerdings gibt es in vielen Ländern Sprachkurse örtlicher Anbieter, die spe­ziell auf Heilberufe zugeschnitten sind.

Erforderliche Nachweise für das Arbeiten in der EU, z. B. in Dänemark

Wer als deutsche PTA beispielsweise in Dänemark arbeiten möchte, sollte vorher folgende Nachweise und Informationen einholen:

  • Nachweis über die Berufserlaubnis als PTA (kann z.B. beim Gesundheitsamt der Heimatstadt eingeholt werden).
  • Nachweis über die Anzahl der Unterrichtsstunden, hier insbesondere die exakte Anzahl der unterrichteten Stunden in den einzelnen Fächern und deren Inhalte (kann z.B. bei der ehemaligen PTA-Lehranstalt- / Schule angefragt werden)
  • aktuelles polizeiliches Führungszeugnis
  • Sprachnachweis (nach Level des europäischen Referenzrahmens)
  • aktuelles Gesundheitszeugnis
  • tabellarischer Lebenslauf
  • Nachweis über die Berufserfahrung (Zeugnisse etc.)
  • Übersetzung aller Unterlagen von einem anerkannten Dolmetscher (bei der dänischen Botschaft zu erfragen)

Die zuständige Behörde für die Anerkennung ist in Dänemark die „Dänische Arzneimittelbehörde“ in Kopenhagen. Der Verband für dänische PTA (Farmakonomen) ist ebenfalls in Kopenhagen (Adressen erhältlich bei der Verfasserin).

Tätigkeitsfelder überprüfen

Eine weitere Überlegung betrifft die Einsatzfelder für PTA: Neben der Apo­theke sind Krankenhäuser, Pflegeein­richtungen und die Industrie auch im internationalen Rahmen mögliche Ar­beitgeber. Eine Anstellung in der Indus­trie setzt auch nicht zwingend eine Nachprüfung bzw. Anerkennung des deutschen Abschlusses voraus, wie sie bei der Arbeit in einer öffentlichen Apo­theke Voraussetzung ist. Arbeitet man z. B. dort unter der Berufsbezeichnung „Project Manager“, ist z. B. keine Aner­kennung erforderlich. Für Prüfungen, Zulassungen und die Übersetzung der in Deutschland erhaltenen Unterlagen (soweit dies verlangt wird) können er­hebliche Kosten anfallen, die man bei seiner Entscheidung ebenfalls mit be­rücksichtigen sollte.

Arbeiten im nicht europäischen Ausland

Der PTA-Beruf ist längst nicht in allen Ländern der Welt genauso wie in Deutschland etabliert. Während es in vielen englischsprachigen Ländern bei­spielsweise den vergleichbaren Beruf des „Pharmacy Technician“ gibt, wird in anderen Ländern lediglich zwischen Apothekern und Hilfspersonal unter­schieden. Den PTA-Beruf dazwischen gibt es häufig nicht. In diesen Fällen hat man als apothekenerfahrene Fachkraft sicher keine schlechten Aussichten auf eine Anstellung. Man sollte jedoch dar­auf gefasst sein, dass man dort dann in erster Linie Hilfsarbeiten ausführen darf. Voraussetzung für eine PTA-ähnli­che Tätigkeit im Ausland ist also zu­nächst einmal, dass es dort einen ent­sprechenden Beruf gibt.Weltweit ist der PTA-Beruf sehr unter­schiedlich aufgestellt und die Anforde­rungen unterscheiden sich nicht selten komplett von denjenigen hier in Deutschland. Vielfach gibt es keine ein­heitliche Ausbildung und PTA sind teil­weise noch nicht einmal registriert. Dies erschwert häufig noch die Suche nach einer Arbeitsstelle. Wie in Europa gibt es auch auf anderen Kontinenten für die Ausbildung meist keine Min­deststandards. Es gibt allerdings in vie­len Ländern Bemühungen um eine Ver­einheitlichung.

Beratung muss sein

Der BVpta hält viele wertvolle Informationen und Tipps für Interessenten an einer Auslandstätigkeit bereit. Um eine entsprechende Stelle muss sich jedoch jede PTA selbst bemühen. Eine Stellenvermittlung wie in anderen Berufen gibt es derzeit nicht. Wer tiefergehende Informationen sucht und sich bereits für ein Ziel entschieden hat, kann sich zunächst an die zuständigen Behörden des jeweiligen Landes wenden. Weitere Ansprechpartner sind die dortigen Gewerkschaften und Berufsverbände.

Eigeninitiative gefragt!

Um als PTA im Ausland zu arbeiten, bedarf es also einiger Eigeninitiative, Recherchefähigkeiten und Durchhaltevermögen. Dann jedoch steht dem Erfolg nichts im Weg. Man sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, dass sich die Arbeit im Ausland sehr von der Arbeit in einer deutschen Apotheke unterscheiden kann. Auch kann es sein, dass der Weg dorthin vielleicht nicht ohne Hindernisse verlaufen wird. Zusätzlich wird das Anerkennungsverfahren auch mit finanziellen Aufwendungen verbunden sein. Trotz aller Hürden: Diese Herausforderungen sollten Sie nicht abschrecken, sondern auch motivieren. Für die meisten ist das Arbeiten im Ausland eine Erfahrung, die sich positiv auf das gesamte Leben auswirkt!

Zurück nach Deutschland?

Wer nach einer Zeit im Ausland nach Deutschland zurückkehrt und hier wieder als PTA arbeiten möchte, kann dies ebenfalls ohne weitere Hindernisse tun. Allerdings kann es sinnvoll sein, je nach Länge der Abwesenheit und Art der im Ausland ausgeübten Tätigkeit, seine beruflichen Kenntnisse wieder aufzufrischen, z. B. in Form von Kursen und anderen Fortbildungsangeboten.

Angelika Gregor
PTA, BVpta-Vorstandsmitglied, Saarbrücken
onlineredaktion@ptaheute.de