Unterricht von der "anderen Seite"

Arbeiten als Lehr-PTA an der PTA-Schule

An PTA-Schulen werden Pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten ausgebildet – aber nicht nur das. Die Ausbildungsstätte kann auch Arbeitsplatz für PTA sein. Als sogenannte Lehr-PTA können sie dort Lehrkraft für den fachpraktischen Unterricht in chemisch-pharmazeutischen Übungen, galenischen Übungen und Drogenkunde – aber auch in allgemeinbildenden Fächern sein. Eine solche Lehr-PTA ist Bettina Hönig aus dem baden-württembergischen Kuppenheim bei Rastatt. Einen Tag lang durften wir Sie durch den theoretischen und praktischen Unterricht begleiten und bekamen einen Einblick in ihren spannenden und abwechslungsreichen Arbeitsalltag an der PTA-Schule.

Nach der PTA-Schule ist vor der PTA-Schule? Für manch frisch gebackene/n PTA mag das nicht gerade verlockend klingen. Die meisten freuen sich, endlich alle Prüfungen geschafft zu haben, und sind neugierig auf den Alltag in der Apotheke. So ging es auch der PTA Bettina Hönig, nachdem sie ihre Ausbildung am Naturwissenschaftlichen Technikum Dr. Künkele in Landau abgeschlossen hatte. Sie hatte aber von Anfang an den Wunsch, möglichst viele Bereiche, in denen eine PTA arbeiten kann, kennenzulernen.

Eine Lehrtätigkeit an einer PTA-Schule steht grundsätzlich jeder PTA offen. Gerade private Schulen sind oft auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Fach-Praktika und den zugehörigen Unterricht. Die meisten Lehr-PTA arbeiten hauptberuflich in der Apotheke und unterrichten an ein bis zwei Tagen pro Woche in der PTA-Schule. Deutschlandweit gibt es 97 staatliche und private PTA-Schulen, an denen circa 150 bis 200 lehrende PTA beschäftigt sind. Das Bildungssystem in Deutschland ist Ländersache – und damit auch die PTA-Schulen. Deshalb gibt es keine einheitlichen Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Lehr-PTA. Manchmal werden zwei Jahre Berufserfahrung in einer öffentlichen Apotheke oder einer Krankenhausapotheke gefordert, manchmal eine fünfjährige Berufserfahrung und eine pädagogische Zusatzausbildung.

Vor der Praxis im Galenik-Labor bespricht Bettina Hönig im Unterricht alle Rezepturen.

Welche Aufgaben übernehmen Lehr-PTA an der PTA-Schule?

Grundsätzlich hängt es von der jeweiligen Schule ab, welche Fächer von der PTA betreut werden. In den meisten Fällen arbeiten PTA als Lehrkraft für den fachpraktischen Unterricht in Chemisch-pharmazeutischen Übungen, Galenischen Übungen und Drogenkunde. An einigen Schulen aber auch in den allgemeinbildenden Fächern wie z.B. Deutsch, Englisch oder Wirtschafts- und Sozialkunde.

In den Praktika übernehmen Lehr-PTA die theoretische Vorbesprechung der praktischen Versuchsabläufe, geben Anleitung und Hilfestellung während der Praktika, demonstrieren und erklären die Herstellung verschiedener Darreichungsformen (z.B. Kapseln füllen, Zäpfchen gießen, Drogenauszüge, Titrationen) und bewerten letztendlich die durch die Schülerinnen und Schüler hergestellten Präparate und Versuchsprotokolle. Auch die Vorbereitung der Praktika gehört zu den Aufgaben einer/eines Lehr-PTA. Sie/er muss die Versuche bzw. herzustellenden Rezepturen auswählen und Aufgaben zusammenstellen, Arbeitsanleitungen bzw. Herstellungsvorschriften vorbereiten.

Bettina Hönig ist seit 2006 als Lehr-PTA an der Bernd-Blindow-Schule in Baden-Baden tätig. Zuvor hat sie viele Jahre in der öffentlichen Apotheke und in der pharmazeutischen Industrie gearbeitet. Bei einem großen deutschen Komplementärmedizin-Hersteller war sie in der Herstellung von Ansatzlösungen für Ampullen tätig und hat dort unter anderem die Inprozesskontrolle durchgeführt. Galenik war also schon immer ihr Steckenpferd! Sie arbeitet auch heute noch 25 Stunden pro Woche in der Apotheke, wo sie viele verschiedene Aufgaben übernimmt. Den Rest der Zeit verbringt sie in der PTA-Schule bzw. mit der Unterrichtsvorbereitung. Das parallele Arbeiten in Apotheke und PTA-Schule empfindet Bettina Hönig als sehr abwechslungsreich, da es sehr unterschiedliche Arbeitsbereiche sind. Das Einbringen von den Erfahrungen aus der Herstellung von Rezepturen und Defekturen und die Anwendung von neuen gesetzlichen Bestimmungen im Unterricht und in der Apotheke profitieren voneinander.

Am Ende eines Labortages müssen Ergebnisse abgeliefert werden, die Bettina Hönig dann genau prüft.

Muss man eine spezielle Weiterbildung machen, um Lehr-PTA zu werden?

Eine besondere Ausbildung als Lehr-PTA hat sie nicht gemacht. Die PTA-Schule bietet aber jedes Jahr die Möglichkeit an, an einer internen pädagogischen Fortbildung teilzunehmen. Jeder Dozent sollte mindestens einmal eine dreitägige Intensivschulung mit anschließender Hospitanz besuchen, damit die Anforderungen der staatlichen Behörden erfüllt werden. Weitere Teilnahmen sind freiwillig. In der Hospitanz wird dann die Durchführung einer Unterrichtseinheit bewertet. An diesen Schulungen nimmt Bettina Hönig regelmäßig teil. Hier werden pädagogische Grundkenntnisse vermittelt und man lernt, wie man Unterricht didaktisch sinnvoll aufbauen kann und welche Neuerungen es gibt. Ansonsten informiert sich die Lehr-PTA durch die Teilnahme an LAV-Fortbildungen, bei den pharmazeutischen Zeitschriften - DAZ, PTAheute und PZ, deren Internet-Beiträgen, durch pharmazeutische Fachliteratur und den Mitteilungen über Gesetzesänderungen.

Ein ganz normaler Schultag ...

Bettina Hönig startet ihren Laborunterricht immer mit einer theoretischen Einführung ins Thema. Hier werden die einzelnen Arzneiformen bezogen auf das Galenische Praktikum und die herzustellenden Rezepturen vorab besprochen. Auch Isotonisierungsberechnungen, die Berechnung von Verdrängungsfaktoren und die richtige Etikettierung und Kennzeichnung wird im Unterricht besprochen und geübt. Danach geht es mit den angehenden PTA ins Galenik-Labor. Dort wird die Herstellung sämtlicher Arzneiformen unter Realbedingungen geübt. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler stellen Arzneimittel her, wie sie auch jederzeit auf einem Rezept vom Arzt verordnet werden könnten. Auch die Dokumentation müssen die angehenden pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten wie in der Apotheke machen. Am Ende eines Labortages werden die Rezepturen etikettiert und zusammen mit den Protokollen bei Frau Hönig abgegeben. Zuhause kontrolliert und korrigiert diese die Rezepturen und gestellten Aufgaben. Was beim Gespräch ganz besonders auffiel waren die liebevoll gestalteten Arbeitsblätter und vielen Zusatzinformationen, die die Lehr-PTA ihren Schülern zur Verfügung stellt. „Alles selbst erstellt und ausgedacht. Das macht mir sehr viel Spaß, Inhalte so aufzubereiten, dass es für die Schülerinnen und Schüler verständlich ist!“.

Außerhalb des Unterrichts ist sie in der Schule für die Organisation der Ausgangsstoffe, Abgabegefäße und Herstellungsgeräte verantwortlich. Außerdem organisiert sie für jedes Semester eine Schulung über Rezeptur und Defektur, wodurch auch die Dozenten immer wieder über neue gesetzliche Änderungen informiert werden und Tipps für die Herstellung erhalten. Und nicht zuletzt muss sie natürlich auch Klausuren und Examensaufgaben erstellen und durchführen. Besonders gut gefällt der sympathischen Lehr-PTA das selbstbestimmte und selbstständige Arbeiten mit jungen Menschen, denen Sie ihre eigenen Erfahrungen mit auf den Berufsweg geben kann. Jede/-r angehende PTA, der das Examen besteht ist auch ein Erfolgserlebnis für Bettina Hönig.

Ein Händchen für Menschen muss man haben!

Was gehört dazu, wenn man Lehr-PTA arbeiten möchte, fragten wir zum Abschluss unseres Gespräches. Auf jeden Fall müsse man die Bereitschaft haben, sich stets neuen Herausforderungen zu stellen und sich in sein Aufgabengebiet tief einzuarbeiten. Außerdem gehört eine gute Portion Geduld und ein Händchen für den Umgang mit Menschen dazu, wenn man erfolgreich und gut unterrichten möchte. Bettina Hönig hatte von Anfang an Interesse an einer Lehrtätigkeit und hat davon profitiert, dass sie viele Jahre Galenik-Erfahrung machen konnte. Als Abwechslung zum Apothekenalltag und um immer auf dem aktuellsten Stand zu sein kann sie es jedem, der sich für eine solche Tätigkeit interessiert nur empfehlen.

Auch in den nächsten Jahren wird sie ihre Tätigkeit im Galenik-Labor und das Arbeiten in der öffentlichen Apotheke kombinieren. Eben weil es sich so wunderbar ergänzt und man auch einmal über den Tellerrand hinausblicken kann. Außerdem ist es ihr wichtig, die PTA-Ausbildung zu unterstützen und ihren Schülerinnen und Schülern ein gutes Vorbild zu sein, etwas aus einem tollen Beruf mit vielen Möglichkeiten zu machen.

PTAheute-Online-Redakteurin Cornelia Kern (vorne links) durfte einen Tag im Galenik-Labor verbringen.

Wir bedanken uns bei der Bernd-Blindow-Schule in Baden-Baden, insbesondere natürlich bei Bettina Hönig für das nette Interview und die tollen Einblicke hinter die Kulissen, bei Birgit Oberle für die Organisation und Ulrike Haisch für die netten und anregenden Gespräche.

Sie wollen Lehr-PTA werden?

Wenn Sie sich für eine Tätigkeit als Lehr-PTA interessieren, kontaktieren Sie doch einfach eine PTA-Schule in ihrer Nähe und fragen Sie nach offenen Stellen und Voraussetzungen. Hier finden Sie eine Übersicht aller PTA-Schulen in Deutschland.

Cornelia Neth
PTA, Chefredakteurin PTAheute.de, Leitung der Online-Redaktion
onlineredaktion@ptaheute.de