Importquote und 15/15-Regel

Die Preisvorteile, die Importarzneimittel bieten können, haben im Jahr 2002 dazu geführt, dass der Gesetzgeber die sogenannte Importquote eingeführt hat. Sie verpflichtet Apotheker zur Abgabe eines vertraglich festgesetzten Prozentanteils von Import-Arzneimitteln. Laut dem Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung nach § 129 Absatz 2 SGB V beträgt die Importquote derzeit fünf Prozent pro Krankenkasse und Quartal. Dabei bezeichnet die Quote den prozentualen Umsatzanteil abzugebender preisgünstiger Importe am Fertigarzneimittel-Umsatz mit der jeweiligen Krankenkasse. Mit den abgegebenen importierten Arzneimitteln muss die Apotheke eine Wirtschaftlichkeitsreserve in Höhe von zehn Prozent der Importquote (10 % von 5 % = 0,5 %) erzielen.

Voraussetzung dafür, dass ein importiertes Arzneimittel bei der Errechnung der Quote einbezogen wird, ist die Erfüllung der sogenannten 15/15-Regel: Das Importarzneimittel muss mindestens 15 Prozent oder 15 Euro billiger sein als das deutsche Original. Entscheidend sind dabei aber nicht die Apothekenverkaufspreise in der Lauer-Taxe, sondern die Netto-Abgabepreise, also nach Abzug des gesetzlichen Herstellerrabattes.

Kennzeichnung von Importarzneimitteln in der Lauer-Taxe am Beispiel Xalatan® Augentropfen

Ob entsprechende Importe für ein Originalarzneimittel existieren, zeigt das Warenwirtschaftssystem an. So sind Originalarzneimittel, für die Importe vorhanden sind, in der Lauer-Taxe mit O gekennzeichnet. Ein „I“ hinter dem Präparat bedeutet, dass es sich um einen Import handelt, der allerdings nicht unter die 15/15-Regel fällt. Importarzneimittel, die unter die 15/15- Regel fallen, sind mit „i“ kenntlich gemacht.

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Ergänzt wird die gesetzliche Importquote durch die persönliche Importquote. Sie hängt vom importfähigen Anteil am Fertigarzneimittelumsatz einer Krankenkasse ab. Liegt dieser über 25 Prozent, beträgt die persönliche Importquote die gesetzlichen 5,0 Prozent. Die grundsätzliche Importquote kann schrittweise reduziert werden. Diese betrifft Apotheken, die pro Krankenkasse und Quartal einen unterdurchschnittlichen Anteil an importfähigen Verordnungen haben.

Rechenbeispiel zur Importquote | Importbonus und Importmalus

Bevor wir die Begrifflichkeiten Importbonus und Importmalus klären, wollen wir Ihnen zeigen, wie Sie die Importquote Ihrer Apotheke berechnen können. Nehmen wir an, die Apotheke hat bei der Krankenkasse A einen Umsatz in Höhe von 40.000,00 Euro. Davon abgezogen werden die sogenannten „abziehbaren Umsätze“:

  • Umsätze, für die keine Importabgabeverpflichtung besteht: z. B. Praxisbedarf, Hilfsmittel, Verbandstoffe, Teststreifen, Medizinprodukte, Rezepturen.
  • Umsätze, bei denen aufgrund einer vorrangigen Regelung eine Importabgabe nicht möglich ist, z. B. Umsatz abgegebener Rabattarzneimittel.
  • Umsätze, bei denen eine Verpflichtung zur Importabgabe ohnehin besteht, z. B. ausdrückliche Verordnung eines Imports.
  • Umsätze aus verordneten Einzelimporte nach § 73 (3) AMG.

Die Summe dieser abziehbaren Umsätze soll in unserem Beispiel 7.500,00 Euro betragen. Der verbleibende anrechenbare Fertigarzneimittelumsatz liegt demnach bei 32.500 Euro. Ausgehend hiervon lässt sich nun die persönliche Importquote berechnen. Im Beispiel gehen wir davon aus, dass die Umsätze mit importfähigen Arzneimitteln – also mit Originalen, zu denen wenigstens ein Import existiert, der die 15/15-Regelung erfüllt – 5.500,00 Euro ausmacht. Das sind 16,9 Prozent von 32.500 Euro. Der importfähige Anteil am Fertigarzneimittelumsatz dieser Kasse beträgt also 16,9 Prozent (bis zu 20%) – und die persönliche Importquote somit 3,3 Prozent (siehe Tabelle oben). Wie bereits erwähnt, muss die Apotheke mit den abgegebenen importierten Arzneimitteln eine Wirtschaftlichkeitsreserve in Höhe von zehn Prozent der persönlichen Importquote erzielen. Basis für die Festsetzung ist der importfähige Arzneimittelumsatz, das heißt in unserem Fall die errechneten 3,3 Prozent. Die Wirtschaftlichkeitsreserve muss 10% der persönlichen Importquote betragen. In unserem Beispiel ergibt sich eine Wirtschaftlichkeitsreserve von 0,33 Prozent. Bezieht man diese 0,33 Prozent auf den Fertigarzneimittelumsatz von 32.500 Euro, ergibt sich ein zu erbringendes Einsparvolumen von 107,25 Euro durch die Abgabe von Importen an Versicherte dieser Krankenkasse A.

In der Apothekenpraxis ist es nahezu unmöglich, diesen Betrag auf den Cent genau zu erzielen. Deshalb wurden die Begriffe Importmalus und Importbonus (hier handelt es sich um die Überschreitung der Wirtschaftlichkeitsreserve) eingeführt.

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