Johanniskraut – Sonnenschein für die Seele

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Zum Johannistag am 24. Juni steht das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) meist in schönster Blüte. Die leuchtend gelb blühende Pflanze ist nicht nur ein erfreulicher Anblick. Sie trägt als Therapeutikum auch Licht in die Seele. Denn Johanniskraut ist ein anerkanntes pflanzliches Antidepressivum. Es handelt sich um eine unserer bestuntersuchten Arzneipflanzen.

Ein Werk des Teufels

Ausgerechnet die Licht- und Sonnenpflanze Johanniskraut hat eine finstere Vergangenheit: Sie wurde früher für Teufelsaustreibungen gebraucht. Der Teufel soll der schönen Pflanze übrigens übel mitgespielt haben. Aus Wut über ihre Heilkraft verpasste er ihren Blättern mit lauter Nadelstichen viele kleine Löchlein. Er perforierte sie sozusagen. Das führte zum lateinischen Artnamen Hypericum perforatum und zur deutschen Bezeichnung Tüpfel-Johanniskraut. Die Punktierungen sind gut sichtbar, wenn man die Blätter gegen das Licht hält.

Wirksames Antidepressivum

Seinen wahren Siegeszug startete Johanniskraut erst im 20. Jahrhundert, als seine stimmungsaufhellende Wirkung wissenschaftlich intensiv erforscht wurde. Ab circa 1985 begann die steile Karriere von Johanniskraut (Hyperici herba) als pflanzliches Antidepressivum. Als relevante Inhaltsstoffe haben sich vor allem Hypericin und Hyperforin, daneben Flavonoide und Procyanidine, herausgestellt. Hochdosierter, standardisierter Hypericum-Extrakt gilt heute als anerkannt wirksam bei leichten bis mittelschweren depressiven Störungen. Das Phytopharmakon wirkt dabei ähnlich wie chemisch-synthetische Antidepressiva: Es reguliert den aus der Balance geratenen Neurotransmitter-Haushalt.

Selbstmedikation bei leichten depressiven Episoden

Die bei mittelschwerer Depression indizierten Johanniskraut-Fertigpräparate sind inzwischen verschreibungspflichtig (z.B. Jarsin® Rx 300 mg, Laif® 900, Neuroplant®, Texx® RP 300 mg). Doch bei leichten depressiven Episoden (= leichte vorübergehende depressive Störungen) stehen für die Selbstmedikation ebenfalls hochdosierte, standardisierte Johanniskraut-Extraktpräparte zur Verfügung (z.B. Jarsin® 750 mg, Kira® 300 mg, Laif® 900 Balance, Neuroplant® Aktiv). 

Wichtig für die Beratung

Kunden sollten wissen, dass Johanniskraut nicht sofort wirkt. Die Wirklatenz beträgt mindestens zwei Wochen. Johanniskraut-Präparate sind zwar meist besser verträglich als chemische Antidepressiva. Relevant ist jedoch das Wechselwirkungsspektrum. Aufpassen sollte man bei Kunden, die folgende Arzneimittel einnehmen: Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ (z.B. Marcumar®), Ciclosporin, Digoxin, HIV-Proteasehemmer, Midazolam, Tacrolimus, Theophyllin. Bei Frauen, die hormonelle Kontrazeptiva einnehmen, sind Zwischenblutungen möglich. Die Sicherheit der Verhütung kann herabgesetzt sein.

Tee nicht empfehlenswert

Das Echte Johanniskraut ist eine mehrjährige Pflanze mit reich verzweigtem, zweikantigem Stängel und vielblütigen Rispen. Man findet die Staude derzeit an vielen Weg- und Wiesenrändern oder auf Ödland blühend an. Das Sammeln für die Teezubereitung wird jedoch nicht empfohlen. Zu groß sind die Schwankungen im Inhaltsstoffgehalt. Empfehlen Sie deshalb lieber standardisierte Extrakt-Phytopharmaka!