Zoely-Engpass – was tun?

Packshot: MSD | Bild: WaveBreakMediaMicro / stock.adobe.com

Zoely® fehlt. Der Hersteller MSD kann die Antibaby-Pille derzeit nicht liefern. Das Problem: Zoely® ist verhältnismäßig neu und besitzt eine einzigartige Zusammensetzung, weshalb es bislang keine vergleichbare Alternative gibt. Ab wann MSD Zoely® wieder liefern kann und welche Möglichkeiten PTA und Apotheker bis dahin haben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wo ist Zoely®? Diese Frage beschäftigt derzeit Apotheken, Anwenderinnen und vielleicht auch die Frauenärzte. Denn Zoely® ist seit einiger Zeit nicht lieferbar. Der Hersteller MSD Sharp & Dohme erklärt die Lieferschwierigkeiten mit einem Kapazitätsengpass bei der Herstellung und Verzögerungen beim Verpacken. Doch ist MSD zuversichtlich, dass er Zoely® ab Kalenderwoche 24 – sprich Pfingsten – wieder ausliefern kann. Ein kleines Hintertürchen lässt sich MSD offen: „ohne Gewähr“.

Sonderfall Zoely®

Das Problem ist: Zoely® ist eine recht „neue“ Pille, zugelassen wurde das kombinierte orale Kontrazeptivum (KOK) erst 2011, und es gibt derzeit keine Generika im Arzneimittelmarkt. Das bedeutet: PTA und Apotheker stehen bei Nichtverfügbarkeit von Zoely® tatsächlich vor leeren Schubladen und können nicht einfach auf ein entsprechend zusammengesetztes Verhütungspräparat ausweichen.

Spezielle Zusammensetzung und Anwendung

Zoely® kombiniert 1,5 mg Estradiol (als Hemihydrat) als Estrogenkomponente mit 2,5 mg Nomegestrolacetat als Gestagenkomponente. Nach Aussagen des Herstellers MSD ist Zoely® die einzige Pille mit Estradiol, das strukturell identisch zum körpereigenen Estrogen ist. Die meisten KOK enthalten als Estrogenbestandteil hingegen Ethinylestradiol. Auch die Gestagenkomponente, Nomegestrolacetat, findet sich sonst in keinem weiteren Verhütungspräparat.

Zoely® enthält 28 Tabletten, wovon 24 wirkstoffhaltig sind und vier wirkstofffrei (Placebo). Die Anwenderinnen müssen folglich kein tablettenfreies Intervall einhalten, sondern starten nach der letzten Placebotablette direkt mit dem neuen Zoely®-Blister. Verschärft wird der aktuelle Zoely®-Engpass dadurch, dass MSD Zoely® mit maximal drei Blistern, als Drei-Monats-Packung, anbietet, und es somit tatsächlich sein kann, dass Anwenderinnen ihre Zoely® ausgeht.

Umstellung auf eine neue Estrogen-Gestagen-Pille

Sollten Zoely®-Kundinnen ein anderes Verhütungspräparat in Betracht ziehen, müssen sie in jedem Fall Rücksprache mit ihrem verordnenden Frauenarzt halten. Auf welches Präparat dann eventuell ausgewichen wird, wird dieser gemeinsam mit der Patientin entscheiden. Bei der Umstellung können PTA helfen.

Da es sich bei Zoely® um ein kombiniertes orales Kontrazeptivum mit fixer Zusammensetzung handelt, werden die Patientinnen vielleicht einer jeweils festen Dosis der Estrogen- und der Gestagenkomponente über den Zyklus treu bleiben wollen.

Wann starten sie mit der neuen Pille?

Die neue Estrogen-Gestagen-Kombination nehmen Patientinnen direkt am folgenden Tag nach der letzten wirkstoffhaltigen Zoely®-Tablette (24. Tablette des Blisters, weiß) ein – also ohne „Pillenpause“ mit den gelben Placebotabletten. Sollte dieser Tag verpasst werden, kann spätestens am Tag nach der letzten wirkstofffreien Zoely®-Tablette (28. Tablette des Blisters, gelb) mit der neuen Antibabypille begonnen werden. Dies gilt auch, wenn sich an die Zoely®-Einnahme ein Gestagen-Monopräparat (zum Beispiel Cerazette®) anschließt.

Umstellung von Zoely® auf Qlaira®

Auch Bayer wirbt bei Qlaira® damit, dass die Pille ein natürliches Estrogen enthält, was vielleicht Frauenärzte und Patientinnen überlegen lässt, auf Qlaira® zu wechseln. Die Qlaira®-Gestagenkomponente unterscheidet sich jedoch von derjenigen in Zoely®. Qlaira® enthält neben Estradiolvalerat auch Dienogest und ist ein Fünf-Phasen-Präparat (zwei dunkelgelbe Tabletten mit 3 mg Estradiolvalerat gefolgt von fünf mittelroten Tabletten mit 2 mg Estradiolvalerat und 2 mg Dienogest gefolgt von 17 hellgelben Tabletten mit 2 mg Estradiolvalerat und 3 mg Dienogest gefolgt von zwei dunkelroten Tabletten mit 1 mg Estradiolvalerat gefolgt von zwei weißen Tabletten, die keinen Wirkstoff enthalten). Der Wechsel von Zoely® auf Qlaira® erfolgt wie auch bei anderen Estrogen-Gestagen-Kombinationen: „Die Einnahme von Qlaira® soll am Tag nach der Einnahme der letzten wirkstoffhaltigen Tablette des vorherigen KOK begonnen werden“, erklärt Bayer in der Fachinformation von Qlaira®.

Umstellung auf Vaginalring

Auch bei der Umstellung auf ein vaginales Ringsystem, wie beispielsweise Cyclelle®, Ginoring® oder Nuvaring®, gilt: Der Ring sollte spätestens am Tag nach der letzten wirkstofffreien Zoely®-Tablette eingelegt werden. Man könne jedoch letztlich an jedem Tag des Zyklus umstellen, wenn sichergestellt ist, dass keine Schwangerschaft vorliegt. Nur das wirkstofffreie Intervall darf nicht überschritten werden, sonst ist kein sicherer Verhütungsschutz mehr gewährleistet.

An Import gedacht?

Mit den Lieferschwierigkeiten von Zoely® haben derzeit offenbar nicht alle Länder zu kämpfen. Nach Auskunft der Internationalen Ludwigs-Apotheke (Ilapo) in München ist Zoely® in anderen europäischen Ländern problemlos verfügbar – und kann somit von deutschen Apotheken importiert werden. Die Internationale Apotheke bestätigt, dass Zoely® aus diversen Ländern eingeführt werden kann. Woher die Pille letztlich importiert werde, ob aus Spanien, den Niederlanden oder der Schweiz, variiere tagesaktuell. Auch schwankt die Lieferzeit. Manchmal geht es recht fix, in anderen Fällen müssen bestellende Apotheken zwei Wochen einplanen. 

Wie sieht es mit dem Porto aus? Die Ilapo hat teilweise Kooperationen mit Großhandlungen und kann eine portofreie Lieferung ermöglichen. Ansonsten fallen laut Auskunft der Ilapo-Sprecherin Transportkosten von etwa fünf Euro an.