Thrombose auf Reisen vorbeugen

Beratungswissen für die Reisezeit

Wer auf Reisen lange Zeit im Auto sitzt, sollte regelmäßige Pausen einlegen und viel Wasser trinken.
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Langes Sitzen in eingeengter Position, reduzierte Flüssigkeitsaufnahme, verstärktes Schwitzen und trockene Luft sind Faktoren, die zu einer Verminderung des Blutvolumens und zur Verlangsamung des Blutflusses führen. In Folge staut sich das Blut in den Beinen, die Gefahr für die Bildung von Gerinnseln steigt. Doch was kann vorbeugend unternommen werden?

Verschiedene Personengruppen haben ein größeres Risiko für das Auftreten einer Thrombose. Erkrankungen und Lebensumstände, die hier eine Rolle spielen, sind:

  • Übergewicht
  • Krampfadern
  • Herzinsuffizienz
  • Lungenerkrankungen
  • Thrombosen in der Vorgeschichte
  • Gerinnungsstörungen
  • Verletzungen am Bein / Gehbehinderungen
  • kürzlich durchgeführte Operationen / Gipsverbände
  • Schwangerschaft bzw. Einnahme von Östrogenen
  • Lebensalter > 60 Jahre

So beugen Sie bei langen Autofahrten vor

Im Auto sollte für so viel Beinfreiheit wie möglich gesorgt werden. Das bedeutet auch, dass der Fußraum nicht mit Gepäck vollgestellt werden sollte, damit ein gelegentliches Ändern der Sitzposition möglich bleibt. Weite Kleidung schnürt die Beine nicht zusätzlich ein. Die Schuhe sollten am besten ausgezogen werden, um den Füßen mehr Bewegungsspielraum zu geben – das gilt natürlich nur für die Beifahrer. Etwa alle zwei Stunden empfiehlt es sich, eine kleine Pause einzulegen, um sich kurz die Beine zu vertreten. Dies hilft dem Fahrer gleichzeitig, fit und reaktionsfähig zu bleiben.

Um „lästige“ Stopps zu vermeiden, trinken viele auf Autofahrten wenig. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist jedoch wichtig, um einer Verminderung des Blutvolumens entgegenzuwirken. Am besten als Getränk geeignet ist Wasser. Kaffee und Alkohol sollten – auch von den Beifahrern – besser gemieden werden.

Das Risiko Thrombose

Viele Symptome weisen zwar auf eine Thrombose hin, jedoch schließt ihr Fehlen sie nicht aus: Schwellungen am Fußknöchel, am Unterschenkel oder am ganzen Bein. Das Bein spannt und fühlt sich warm an. Beim Aufstehen spürt man einen Schmerz in der Wade. Wenn das Bein herabhängt, kann es sich blau verfärben. Kommen Schmerzen beim Einatmen oder Luftnot hinzu, deutet das auf eine Lungenembolie hin. Der Arzt sollte in all diesen Fällen umgehend aufgesucht und die Therapie unmittelbar begonnen werden. (dm)

Auch während der Fahrt haben Beifahrer die Möglichkeit, mit kleinen Übungen die Beinvenen zu aktivieren:

  • Übung 1: Zehen anziehen
    Beide Füße stehen flach auf dem Boden. Abwechselnd werden nun die Zehenspitzen nach oben gezogen.
  • Übung 2: Fuß-Wippe
    Beide Füße stehen flach auf dem Boden. Nun werden sie abwechselnd auf die Fersen und auf die Zehenspitzen hin- und hergerollt. Diese Übung kann je nach Vorliebe mit beiden Füßen parallel oder gegengleich durchgeführt werden.
  • Übung 3: Fuß-Kreiseln
    Abwechselnd wird je ein Bein angehoben und so weit ausgestreckt, wie es der Fußraum erlaubt. Dann wird der Fuß abwechselnd mehrmals im und gegen den Uhrzeigersinn gedreht.

Kompressionsstrümpfe und Heparinspritzen

Bei bekanntem Risiko für eine Beinvenenthrombose ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen immer dann sinnvoll, wenn man längere Zeit sitzen muss. Für Hochrisikogruppen können Ärzte auch niedermolekulare Heparine in Form von Fertigspritzen verordnen. Die prophylaktische Einnahme von ASS kann nicht empfohlen werden, da mögliche Nebenwirkungen den eventuellen und umstrittenen Nutzen überwiegen.

Ist eine Thrombose ausgeschlossen, können die Symptome von geschwollenen Beinen auch mit oralen und topischen Präparaten aus der Apotheke gelindert werden.

Systemische Venenmittel aus der Apotheke

  • Perorale Flavonoide – wie Oxerutin, Rutosid, Troxerutin, Weinlaub-Extrakt – zur Behandlung leichterer Venenbeschwerden: Eine Reduktion der Symptome konnte zwar gezeigt werden, die klinische Relevanz der Ergebnisse gilt jedoch nicht als eindeutig.
  • Triterpenglykosid Aescin: Peroral scheint Aescin bei leichten Venenleiden wirksam zu sein, darauf deuten verschiedene Studien hin. Es fehlen allerdings randomisierte kontrollierte Untersuchungen an größeren Patientenkollektiven über längere Zeiträume.

Topische Zubereitungen mit Aescin oder Flavonoiden könnten auch eine leichte Linderung der Symptome verschaffen. Zu einer evidenzbasierten Bewertung liegen laut „Evidenzbasierte Selbstmedikation – 2019/2020“ allerdings keine ausreichenden klinischen Untersuchungen vor: „Die Wirkung ist aufgrund der geringen Eindringtiefe begrenzt.“ (dm)