Zubereitung mit den beiden Wirkstoffen Betamethasonvalerat und Clotrimazol

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Frage aus der Rezeptur

Wir haben ein Rezept über folgende Verordnung bekommen:

  • Betamethasonvalerat 0,1 g
  • Clotrimazol 1,0 g
  • Basiscreme DAC ad 100,0 g

Können denn beide Arzneistoffe in einer Rezeptur zusammen verarbeitet werden, wir sind uns unsicher ob die rezeptierbaren pH-Werte überhaupt zusammen passen? Wir haben in der Literatur auch Empfehlungen gefunden Betamethasonvalerat gegen Triamcinolonacetonid auszutauschen, wäre das denn sinnvoll?

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Rezepturen mit extern wirksamen Glucocorticoiden kommen häufig im Apothekenalltag vor, auch eine gemeinsame Verordnung dieser Wirkstoffklasse zusammen mit dem Antimykotikum Clotrimazol ist nicht ungewöhnlich. Betamethason-17-valerat gehört in der Wirkstärkeskala der Glucocorticoide zu den stark wirksamen Externsteroiden (Klasse III), die therapeutische Konzentration in Salben und Cremes liegt dabei üblicherweise zwischen 0,025 bis 0,1 %. Der Arzneistoff ist sowohl in Wasser als auch in Lipiden schlecht löslich und liegt daher in den meisten Dermatika suspendiert vor, so auch hier in der Basiscreme DAC. Der rezeptierbare pH-Bereich der Substanz liegt zwischen pH 2 bis pH 5, das Stabilitätsoptimum beträgt dabei pH 3,5. Die meisten Salbengrundlagen besitzen einen pH-Wert im leicht sauren Bereich bei 5 bis 6, dieser Wert ist allerdings für die Stabilität des Betamethasonvalerat nicht optimal. Zur Absenkung des pH-Wertes verwendet das NRF daher in hydrophilen Cremes mit Betamethasonvalerat normalerweise einen Citratpuffer bestehend aus gleichen Teilen 0,5-%iger Citronensäure-Lösung und 0,5-%iger Natriumcitrat-Lösung.

Kombination mit Clotrimazol

Bei einer gemeinsamen Verordnung wasserhaltiger Zubereitungen mit Betamethasonvalerat und Clotrimazol besteht zunächst einmal ein Konflikt hinsichtlich der rezeptierbaren pH-Bereiche beider Substanzen. Wie oben schon beschrieben gelten Externsteroide überwiegend als basenempfindlich, während Clotrimazol als säureempfindlich einzustufen ist. Neuere Stabilitätsuntersuchungen des NRF haben aber gezeigt, dass für Clotrimazol-Zubereitungen eine höhere Säurestabilität (bis pH 3,5) gilt als früher angenommen wurde. Ältere Literaturangaben weisen Clotrimazol einen rezeptierbaren pH-Bereich zwischen 5 und 10 zu, nach neueren Festlegungen liegt dieser Wert aber im Bereich 3,5 bis 10. Alle rezepturüblichen Externsteroide lassen sich also zusammen mit Clotrimazol auch im pH-Bereich von 3,5 bis 5,5 in den offizinellen Grundlagen verarbeiten.

Zugabe von Natriumedetat

Wird Clotrimazol 1 % nun zusammen mit Betamethasonvalerat 0,1 % in Basiscreme DAC verordnet, empfiehlt das NRF solche Zubereitungen nicht wie üblich mit einem Citrat-Puffer zu versehen sondern eine pH-Wert Einstellung mit Hilfe von 0,04 % Natriumedetat. Clotrimazol löst sich nämlich teilweise im Propylenglycol der Basiscreme und führt dadurch zu einem Anstieg des pH-Wertes auf etwa 6,3, dieser Wert wäre dann für die Stabilität des Betamethasonvalerats zu hoch. Die Aufbrauchsfrist von Rezepturen mit Betamethasonvalerat und Clotrimazol ist im Übrigen grundsätzlich auf 4 Wochen zu begrenzen.

Austausch von Betamethasonvalerat

Einer gemeinsamen Herstellung von Betamethasonvalerat und Clotrimazol steht also nichts im Wege, ein Austausch des verordneten Glucocorticoids gegen das basenstabilere Triamcinolonacetonid ist also nicht nötig. Teilweise werden auch noch Rezepturen von Betamethasonvalerat kombiniert mit Gentamicinsulfat verordnet. Die Wirksamkeit des Gentamicinsulfats ist dabei im Bereich pH 7 bis 8 am besten, in solchen Fällen kann überlegt werden Betamethasonvalerat gegen das basenstabilere Betamethasondipropionat auszutauschen. Betamethasondipropionat ist kurzfristig bis pH 8 rezeptierbar und gehört der gleichen Wirkstärkeklasse an wie das Betamethasonvalerat. Ein Wirkstoffaustausch ist selbstverständlich immer mit dem Arzt abzuklären.

Dr. Annina Bergner
Apothekerin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de

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