Hautarzt verordnet Creme mit Resorcin und Sulfacetamid

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Frage aus der Rezeptur

Ein Hautarzt verordnet häufig folgende Zubereitung:

Resorcin 1,0 g
Sulfacetamid 5,0 g
Titandioxid 2,5 g
Natrium EDTA 0,01 g
Linimentum aquosum SR ad 100,0 g

Wir sind uns in der Apotheke allerdings bezüglich der Plausibilität der Verordnung, der Stabilität und Verwendbarkeit der Creme unsicher. Können Sie uns weiterhelfen? 

Was tun, wenn ein Wirkstoff obsolet ist? | © Alex Schelbert / PTAheute

Fangen wir zunächst einmal mit der Substanz Resorcin an, es handelt sich dabei nämlich um einen obsoleten Wirkstoff, der nicht mehr ohne weiteres verarbeitet werden darf. Für Resorcin sind unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie Kontaktallergien und Intoxikationen bei großflächiger Anwendung bereits seit längerer Zeit bekannt, deshalb wurde es im Zuge einer Nachzulassung negativ bewertet. Eine grundsätzliche Bedenklichkeit nach § 5 AMG wie beispielsweise für Dermatika mit Phenol existiert zwar nicht, trotzdem muss der Arzt vor einer Verordnung eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Bewertung durchführen und dabei risikoärmere Alternativen in Betracht ziehen. Resorcin hat eine keratolytische und antiseptische Wirkung, zu diesen Zwecken stehen besser verträgliche Substanzen wie Salicylsäure oder Triclosan und Chlorhexidindigluconat zur Verfügung.

Gespräch mit dem Arzt

Bei einer vorliegenden Verordnung über Resorcin sollte also zunächst das Gespräch mit dem Arzt gesucht und ihm oben erwähnte therapeutische Alternativen vorgeschlagen werden. Besteht der Arzt dennoch auf der Resorcin-haltigen Verordnung muss er auf jeden Fall eine klare Gebrauchsanweisung mit zeitlicher Begrenzung vorgeben. Er sollte zudem eine schriftliche Begründung über seine individuell abweichende Nutzen-Risiko-Beurteilung abgeben, dafür können Musterbriefe für die Kommunikation mit dem Arzt aus dem NRF verwendet und in der Apotheke anschließend aufgehoben werden.

Auch Sulfacetamid obsolet

Der zweite verordnete Arzneistoff Sulfacetamid gehört zur Gruppe der Sulfonamide, nach dem Stand der dermatologischen Literatur und der amtlichen Aufbereitungsmonographien ist die früher übliche dermale Anwendung von Sulfonamiden und bestimmten Antibiotika nicht mehr empfehlenswert. Aus Apotheken gibt es jedoch zahlreiche Hinweise darauf, dass Sulfonamide in Rezepturen zur lokalen Hautbehandlung in der Verschreibungspraxis noch vorkommen. Auch in diesen Fällen muss also dringend Rücksprache mit dem verordneten Arzt gehalten und ihm wieder sinnvolle therapeutische Alternativen vorgeschlagen werden. Die fraglichen Indikationen sind zwar vielfältig, Sulfonamid-haltige Dermatika wurden vor allem bei Akne, Ekzemen oder Rosacea verschrieben. Trotzdem lohnt es sich den Mediziner auf Alternativen wie Chlorhexidindigluconat, Triclosan, Octenidin und Metronidazol hinzuweisen.

Grundlage Wasserhaltiges Liniment SR

Zum Abschluss werfen wir noch einmal einen Blick auf die verordnete Grundlage Linimentum aquosum SR, es handelt sich dabei um eine O/W-Creme mit einem Wasseranteil von 82 %. Wenn Sie dem Arzt therapeutische Alternativen vorstellen sollten Sie also darauf achten, dass die vorgeschlagenen Wirkstoffe ebenfalls in einer hydrophilen Grundlage vorliegen. Als Hautantiseptikum wäre dann beispielsweise eine „Hydrophile Triclosan-Creme“ (NRF 11.135.) oder auch eine „Hydrophile Chlorhexidindigluconat-Creme“ (NRF 11.116.) geeignet. Um zum Abschluss noch einmal eines klarzustellen, selbstverständlich entscheidet der verordnete Arzt alleine über seine gewünschte Therapie, wir in der Apotheke haben aber die wichtige Aufgabe den Mediziner über veraltete Wirkstoffe zu informieren und modernere therapeutische Alternativen vorzuschlagen.

Dr. Annina Bergner
Apothekerin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de

Rezepturprobleme?

Sie hatten eine schwer oder gar nicht herstellbare Rezeptur? Die Inhaltsstoffe waren beispielsweise nicht kompatibel? Die Phasen haben sich getrennt oder ähnliches? Dann schicken Sie uns gerne eine Kopie des Rezepts. Wir greifen interessante Rezepturthemen in unserer Rubrik „Fragen aus der Rezeptur“ auf. Die Anfragen werden von unserer erfahrenen Rezeptur-Expertin Dr. Annina Bergner oder einem anderen kompetenten Ansprechpartner bearbeitet. Hierfür wird Ihre Anfrage per E-Mail weitergeleitet. Ihre persönlichen Daten werden nach der Bearbeitung gelöscht. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe leisten können.

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