Rezepturmäßige Herstellung von L-Thyroxin-Tropfen?

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage zur Herstellung einer Rezeptur:

Tropfen aus Tabletten herstellen?

L-Thyroxin Tropfen für Kinder sind momentan nicht lieferbar, leider gibt es dazu in flüssiger Form kein Alternativpräparat. Ist es möglich diese Tropfen rezepturmäßig herzustellen und können dazu entsprechende Tabletten verwendet werden?

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Die von Ihnen beschriebenen L-Thyroxin Tropfen (100 µg/ml) enthalten als Wirkstoff Levothyroxin-Natrium und werden unter anderem zur Substitutionstherapie bei Schilddrüsenunterfunktion bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt. Die Schilddrüse produziert zwei den Stoffwechsel beeinflussende Hormone, eines davon ist das L-Thyroxin (Levothyroxin = T4). Peroral zugeführtes Levothyroxin wird zu ungefähr 80 % resorbiert, Nahrungszufuhr verringert die Resorptionsrate deutlich. Die als Fertigarzneimittel hergestellten Tropfen enthalten neben dem Arzneistoff als weitere Bestandteile noch die beiden Alkohole Propylenglycol und Glycerol, Gereinigtes Wasser und das Salz Natriumthiosulfat. Mit Hilfe des neuen Rezepturhinweises von DAC/NRF zu Levothyroxin-Natrium können nun auch in der Apotheke Lösungen mit diesem Wirkstoff realisiert werden.

Rezepturgrundstoff verfügbar

Die Firma Fagron bietet Levothyroxin-Natrium als Rezepturgrundstoff an. Der Wirkstoff ist allerdings kaum wasserlöslich, auf Grund der normalerweise sehr niedrigen Wirkstoffmenge können aber dennoch Lösungen erhalten werden. Nach einem Vorschlag des Rezepturhinweises könnte eine für Sie passende Vorschrift folgendermaßen zusammengesetzt sein:

Levothyroxin-Natrium-Lösung 100 µg/ml

  • Levothyroxin-Natrium 0,01 g
  • Wasserfreies Glycerol 40,0 ml
  • Methyl-4-hydroxybenzoat-Konzentrat 15 % (m/V) NRF S.34. 1,0 ml
  • Gereinigtes Wasser zu 100,0 ml

Je nach Ansatzgröße resultieren allerdings sehr niedrige Einwaagen an Arzneistoff, um eine ausreichende Genauigkeit beim Abwiegen zu erzielen, sollte daher auf Stammverreibungen zurückgegriffen werden. Diese müssen zunächst in der Apotheke selbst hergestellt werden, als Hilfsstoff kann dazu der wasserlösliche Zuckeralkohol Mannitol verwendet werden. Weiterhin sollte bei der Abgabe einer volumendosierten Lösung auch auf die Abgabe einer Kolbenpipette als Applikationshilfe geachtet werden.

Verarbeitung von Tabletten

Am einfachsten wäre es natürlich unter Verwendung wirkstoffhaltiger Tabletten eine entsprechende Lösung herzustellen, allerdings ist dies aus verschiedenen Gründen schwierig. Problematisch sind zunächst einmal die weiteren Inhaltsstoffe dieser festen Arzneiform. Sowohl der Füllstoff Mikrokristalline Cellulose als auch das Fließregulierungsmittel Magnesiumstearat zeigen weder in Gereinigtem Wasser noch in Alkoholen eine Löslichkeit, eine Realisierung einer flüssigen Arzneiform mit gelösten Inhaltsstoffen ist somit nicht möglich. Die momentan nicht lieferbaren L-Thyroxin Tropfen enthalten zudem 100 µg Wirkstoff in einem Milliliter, selbst wenn man die Problematik der Löslichkeit außer Acht lassen würde, müssten also zur Herstellung von 100 ml Tropfen 100 Tabletten mit 0,1 mg Wirkstoff in Lösung gebracht werden.

Suspension zur Einnahme

Grundsätzlich kann aber mit Hilfe der Tabletten als Arzneiform eine flüssige Suspension zur Einnahme hergestellt werden. In der Literatur ist dazu eine allerdings niedriger konzentrierte Vorschrift zu finden:

Levothyroxin-Natrium-Suspension 25 µg/ml

  • Levothyroxin-Natrium-Tabletten 0,1 mg 25 Stück
  • Wasserfreies Glycerol 40,0 ml
  • Gereinigtes Wasser zu 100,0 ml

Die Herstellung kann dabei relativ einfach erfolgen, die Tabletten werden zunächst gleichmäßig zu einem Pulver verrieben und mit einem Anteil an Glycerol zu einer gießfähigen Suspension verarbeitet. Nach Überführen in einen Messzylinder wird zunächst mit dem restlichen Glycerol und anschließend mit Gereinigtes Wasser aufgefüllt. Laut DAC/NRF-Rezepturhinweis kann die Zubereitung bei Raumtemperatur nur innerhalb von 8 Tagen verwendet werden, bei Lagerung im Kühlschrank ergibt sich unter Umständen eine verlängerte Haltbarkeit von zwei Wochen.

Rezepturprobleme?

Sie hatten eine schwer oder gar nicht herstellbare Rezeptur? Die Inhaltsstoffe waren beispielsweise nicht kompatibel? Die Phasen haben sich getrennt oder ähnliches? Dann schicken Sie uns gerne eine Kopie des Rezepts. Wir greifen interessante Rezepturthemen in unserer Rubrik „Fragen aus der Rezeptur“ auf. Die Anfragen werden von unserer erfahrenen Rezeptur-Expertin Dr. Annina Bergner bearbeitet. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe leisten können.

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Dr. Annina Bergner
Apothekerin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de