Nicht plausibel: Muss jede Rezeptur beliefert werden?

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Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Frage aus der Rezeptur

Wird in der Apotheke festgestellt, dass eine Rezeptur nicht plausibel ist und der Arzt jegliche Änderung / Anpassung verweigert, besteht dann unsererseits die Verpflichtung, die Rezeptur trotzdem herzustellen? Wo kann man das im Zweifel nachlesen?

In dem von Ihnen geschilderten Fall ist die Rechtslage relativ eindeutig: Eine nicht plausible Rezeptur darf nicht hergestellt werden. Das Arzneimittelgesetz enthält nämlich nicht nur ein Abgabeverbot für bedenkliche Arzneimittel, sondern auch für alle „Arzneimittel, die durch Abweichung von den anerkannten pharmazeutischen Regeln in ihrer Qualität nicht unerheblich gemindert sind“ (§8 AMG). Letzteres ist bei einer gemeinsamen Verarbeitung von inkompatiblen Substanzen oder bei einem bewussten Wirkstoffeinsatz außerhalb des rezeptierbaren pH-Bereichs aber unzweifelhaft der Fall, mit der Konsequenz, dass ein solches Arzneimittel nicht hergestellt werden darf.

Daran ändert auch der erklärte Wille des Arztes nichts. Das ist für einige Ärzte immer noch neu, obwohl sich die Situation durch die reformierte Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) bereits vor vier Jahren grundlegend geändert hat. Die eigentlich bestehende Pflicht des Apothekers, Verschreibungen in angemessener Zeit auszuführen (§17 Abs.4 ApBetrO), greift im Falle einer unplausiblen Rezeptur nicht. Allein der Apotheker als letzte Kontrollinstanz in der Arzneimittelversorgung beurteilt die Plausibilität des Arzneimittels, weil er die hierzu notwendige pharmazeutische Kompetenz besitzt.

Apotheker hat das "letzte Wort" - vor allem bei galenischen Problemen

Das „letzte Wort“ hat damit nicht der verschreibende Arzt, sondern allein der Apotheker. Natürlich ist es denkbar, dass der Arzt mal eine besonders hohe Dosis aufschreibt, weil dies bei dem betreffenden Patienten notwendig ist, aber dann ist die Rezeptur für diesen speziellen Patienten ja trotzdem plausibel. Anders sieht es bei galenischen Problemen aus. Diese können Ärzte im Normalfall gar nicht kompetent beurteilen, schließlich ist die Galenik, anders als bei Pharmazeuten, kein elementarer Bestandteil ihrer Ausbildung.

In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich der Arzt einer Verletzung seiner berufsrechtlichen Pflichten schuldig machen kann, wenn er den erforderlichen Dialog mit der Apotheke verweigert. Auch strafrechtliche Konsequenzen sind für den Arzt nicht auszuschließen, wenn er seinen notleidenden Patienten aufgrund der Weigerung, das Rezept anzupassen, unversorgt lässt.

Nicht immer ist Rücksprache mit dem Arzt erforderlich!

Allerdings muss der Arzt auch gar nicht in allen Fällen kontaktiert werden. Denn laut §7 ApBetrO ist der Apotheker bei der Wahl der Ausgangsstoffe, die keine eigene arzneiliche Wirkung haben und die arzneiliche Wirkung nicht nachteilig beeinflussen, frei. Das bedeutet: Pufferzusatz oder Grundlagenaustausch bedürfen nicht zwangsläufig einer Rücksprache oder gar einer Zustimmung des Arztes. Die Apotheke hat damit wesentlich mehr Möglichkeiten, eine an sich erstmal unplausible Rezeptur eigenverantwortlich „zu retten“, als allgemein angenommen.

Rezepturprobleme?

Sie hatten eine schwer oder gar nicht herstellbare Rezeptur? Die Inhaltsstoffe waren beispielsweise nicht kompatibel? Die Phasen haben sich getrennt oder ähnliches? Dann schicken Sie uns gerne eine Kopie des Rezepts. Wir greifen interessante Rezepturthemen in unserer Rubrik „Fragen aus der Rezeptur“ auf. Die Anfragen werden von unserer erfahrenen Rezeptur-Expertin Dr. Annina Bergner oder einem anderen kompetenten Ansprechpartner bearbeitet. Hierfür wird Ihre Anfrage per E-Mail weitergeleitet. Ihre persönlichen Daten werden nach der Bearbeitung gelöscht. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe leisten können.

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