Verwendbarkeit von Fantaschalen

Aus einer Apotheke erreichte uns folgende Anfrage:

Frage aus der Rezeptur

Wir haben in unserer Apotheke unsere Fantaschalen aus Melamin entsorgt und arbeiten nun in der Rezeptur mit neuen Schalen aus Glas oder Metall. Gibt es eigentlich Empfehlungen wann welche Schale zum Einsatz kommen soll?

Bild: © monropic / Fotolia.com

Zunächst einmal vorne weg, Sie haben völlig richtig gehandelt, dass Sie Ihre bisher gebräuchlichen Fantaschalen und Pistille aus Melaminharzen entsorgt haben. Nach neueren Erkenntnissen absorbieren Schalen aus diesem Material manche Arzneistoffe wie beispielsweise Dithranol, Rifampicin und Steinkohlenteer. In älteren Fantaschalen lassen sich zum Teil deutliche Verfärbungen erkennen, in diese Haarrisse können sich dann auch ungefärbte Substanzen setzen. Außerdem ist Melaminharz nicht säurefest und auch nur bis zu einer Temperatur von 70 °C hitzebeständig. Die Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte in Deutschland hat daher in ihrer neuen Resolution gefordert, dass in jeder Apotheke Fantaschalen zur Rezepturherstellung mit geeignetem Pistill aus Glas oder Metall vorhanden sein müssen.

Fantaschalen aus Edelstahl oder Glas haben zudem den Vorteil, dass man die Qualität einer Anreibung beispielsweise bei Suspensionssalben besser beurteilen kann als in den weißen Melamin-Fantaschalen. Pulveragglomerate lassen sich so deutlich leichter erkennen. Fantaschalen aus Edelstahl sollten aber nicht bei der Verarbeitung harter Pigmente wie beispielsweise Bentonit eingesetzt werden, bei der Verreibung zur Paste kann es zum Metallabrieb kommen. Auch bei der Verarbeitung stark oxidierender Stoffe ist eine Edelstahlschale weniger geeignet, rezepturrelevant wäre dabei beispielsweise Aluminiumchlorid-Hexahydrat oder Trichloressigsäure. In diesen Fällen ist dann eine Glas-Schale aus Boroselikat besser geeignet.

Dr. Annina Bergner
Apothekerin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de

Rezepturprobleme?

Sie hatten eine schwer oder gar nicht herstellbare Rezeptur? Die Inhaltsstoffe waren beispielsweise nicht kompatibel? Die Phasen haben sich getrennt oder ähnliches? Dann schicken Sie uns gerne eine Kopie des Rezepts. Wir greifen interessante Rezepturthemen in unserer Rubrik „Fragen aus der Rezeptur“ auf. Die Anfragen werden von unserer erfahrenen Rezeptur-Expertin Dr. Annina Bergner oder einem anderen kompetenten Ansprechpartner bearbeitet. Hierfür wird Ihre Anfrage per E-Mail weitergeleitet. Ihre persönlichen Daten werden nach der Bearbeitung gelöscht. Bitte beachten Sie, dass wir keine akute Hilfestellung vor der Abgabe leisten können.

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