Betamethason-17-valerat

Rezepturen mit extern wirksamen Glucocorticoiden kommen häufig im Apothekenalltag vor. Deshalb wollen wir uns heute im Rahmen der „Rezeptursubstanzen in der Apotheke“ näher mit dem Wirkstoff Betamethason-17-valerat beschäftigen. Dieses stark wirksame Glucocorticoid wird von Hautärzten in zahlreichen Rezepturen aufgrund seiner antientzündlichen und juckreizstillenden Wirkung verordnet. Rezepturfragen zur Verarbeitung von Betamethasonvalerat sind dabei zahlreich. Unklar ist oft der Unterschied zwischen Betamethason und Betamethasonvalerat und seine Bedeutung für die Wirksamkeit des Arzneistoffs. Probleme bereitet aber auch die Frage nach der Möglichkeit der Kombination von Betamethasonvalerat mit anderen Wirkstoffen. 

Anwendung und Dosierung

Betamethason-17-valerat gehört in der Wirkstärkeskala der Glucocorticoide zu den stark wirksamen Externsteroiden (Klasse III). Allgemein werden bei den Glucocorticoiden vier Wirkstärken in den Klassen I bis IV unterschieden. Die Einteilung der Wirksamkeit erfolgt dabei nach den vier Abstufungen schwach, mittelstark, stark und sehr stark. Kriterien für die Einstufungen der einzelnen Substanzen sind dabei Prüfungen zur Stärke der entzündungshemmenden (= antiin­flammatorischen) und zellteilungshemmenden (= antiproliferatorischen) Wirkung.

Stufentherapie häufig

Wichtige Indikationen zur Verordnung von Dermatika mit Betamethasonvalerat sind Psoriasis und atopische Ekzeme. Die therapeutische Konzentration in Salben und Cremes liegt dabei üblicherweise zwischen 0,025 und 0,1 %. In der Regel wird Betamethasonvalerat cutan als Kurztherapie verordnet, es kann zu Behandlungsbeginn ein- bis dreimal täglich auf die Haut aufgetragen werden. An diese Initialphase mit dem stark wirksamen Betamethasonvalerat schließt sich häufig eine Stufentherapie an. Dabei wird nach zwei bis sieben Tagen mit einem mittelstarken Glucocorticoid (z. B. Triamcinolonacetonid) weiterbehandelt. Nach spätestens zwei Wochen wird auf ein schwach wirksames Glucocorticoid (z. B. Hydrocortison) gewechselt. Bis zu einer steroidfreien Nachbehandlung wird dann ausschleichend behandelt, denn bei abruptem Abbruch der Therapie besteht die Gefahr eines Rebounds mit entsprechender Verschlechterung der Hauterkrankung. Bei der Abgabe der fertigen Zubereitung in der Apotheke sollte dem Patienten das genaue Therapieschema ausführlich erklärt werden.

Verordnungen oft unklar

Betamethasonvalerat steht als mikronisierte Rezeptursubstanz zur Verfügung, es ist sowohl in Wasser als auch in Lipiden schlecht löslich. Das Externsteroid liegt daher in den meisten Dermatika suspendiert vor. Der rezeptierbare pH-Bereich der Substanz liegt zwischen pH 2 und 5, das Stabilitätsoptimum beträgt dabei pH 3,5. Bei einer Verordnung des verschreibungspflichtigen Betamethasonvalerats ist unbedingt auf die richtige Bezeichnung des Wirkstoffes zu achten. In der Apothekenpraxis kommt es immer wieder vor, dass Betamethason in einer Hautcreme verschrieben wird. Was ist in so einem Fall zu tun? Bei Betamethason handelt es sich um die als Alkoholform vorliegende „Muttersubstanz“ eines chemisch veränderten Hydrocortison- Moleküls. Die Substanz ist, wie übrigens auch Triamcinolon und Clobetasol, auf der Haut unwirksam. Wenn Betamethason dagegen mit Valeriansäure verestert wird, entsteht der lipophilere Ester Betamethasonvalerat, der durch die keratinisierte Epidermis penetrieren und dort seine Wirkung entfalten kann. Bei einer Verschreibung von Betamethason zur cutanen Anwendung ist deshalb die Klärung durch die Apotheke mittels Rücksprache mit dem Arzt unerlässlich. Hilfreich dazu ist die Verwendung einer schriftlichen Vorlage zur Kommunikation mit dem Arzt. Diese praxisrelevanten Vorschläge finden Sie auf der dem NRF beiliegenden CD-ROM. Eine Umrechnung der Muttersubstanz auf den Ester ist bei dermatologischen Rezepturen nicht nötig, der Austausch von Betamethason gegen Betamethasonvalerat erfolgt bei gleichbleibender Wirkstoffkonzentration.

Verarbeitung von Betamethasonvalerat in Rezepturen
Eigenschaften von BetamethasonvaleratVerarbeitung in Dermatika
Betamethasonvalerat Ph. Eur.Synonyme: Betamethason-17-valerat, Betamethasonum valerianicum, Betamethasoni valeras
therapeutische Konzentration0,025 bis 0,1%
rezeptierbarer pH-BereichpH 2 bis 5, Stabilitätsoptimum bei pH 3,5
Stabilität

- in wasserfreien Salbengrundlagen sehr stabil
- in wasserhaltigen Grundlagen instabil im stark sauren und basischen Milieu. Isomerisierung zum Betamethason-21-valerat (85% Wirkungsverlust) und Hydrolyse zum Betamethason, was jedoch auf der Haut aufgebracht unwirksam ist

Kompatibilität mit anderen WirkstoffenBetamethasonvalerat sollte grundsätzlich nicht mit anderen Wirkstoffen rezeptiert werden. Ausnahmen sind im Einzelfall möglich (z.B. Salicylsäure, Clotrimazol, Gentamicinsulfat).

Herstellung (Betamethasonvalerat liegt wegen schlechter Wasser- und Lipidlöslichkeit in Dermatika überwiegend suspendiert vor.)

- Bei Betamethasonvalerat und dessen Stammverreibungen kann eine Einwaagekorrektur aufgrund der Arzneibuchspezifikation nötig sein.

- Bei der Herstellung mikronisierte Rezeptursubstanz oder Rezepturkonzentrate verwenden.

Konservierung

- Kaliumsorbat 0,15% in Kombination mit wasserfreier Citronensäure 0,07% 

- Propylenglycol 20% (bezogen auf die Wasserphase)

- PHB-Ester

Konzentrate sinnvoll

Da Betamethasonvalerat unter anderem fruchtschädigend ist, müssen bei der Herstellung Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Zusätzlich sind Corticoide adhäsiv, sie kleben leicht an Kartenblatt, Spatel oder Löffel fest. Beim Abwiegen der Substanz bereitet dies zusätzliche Probleme und führt häufig zu Wägeungenauigkeiten. Abhilfe schafft hier die Verwendung eines Rezepturkonzentrates. Zur Herstellung einer hydrophilen Creme wären beispielsweise folgende Konzentrate geeignet:

Betamethason-V 1,22 % Cordes® RK

Betamethasonvalerat-Verreibung 1 % mit Basiscreme DAC

Die Verwendung einer Stammverreibung bringt weitere Vorteile. Die nötigen Arbeitsschutzmaßnahmen können reduziert werden, da gefährliche atembare Stäube entfallen. Das Anreiben von Betamethasonvalerat mit mittelkettigen Triglyceriden kann entfallen, der Wirkstoff liegt bereits fein verteilt vor.

Kennzeichnung „Cortison-haltig“ obsolet

Bei der früher gegebenen Empfehlung, Rezepturarzneimittel mit einem „Cortison-Hinweis“ zu versehen, handelte es sich um eine Bitte der Dermatologen an die Apotheke. Diese Vorgabe war jedoch nicht rechtsverbindlich. Seit Februar 2013 ist diese Empfehlung entfallen. Hauptargument für die Ablehnung des Hinweises ist die Tatsache, dass die unerwünschten Wirkungen anderer Wirkstoffe bei Fehlanwendungen ebenso gravierend sind wie diejenigen der topischen Glucocorticoide.

Kombination möglich?

Aufgrund seines extremen Stabilitätsoptimums von pH 3,5 wird Betamethasonvalerat normalerweise nicht mit anderen Wirkstoffe in fixen Kombinationen verordnet. Therapeutisch begründete, aber unverträgliche Kombinationen sollen als getrennte Rezepturen verordnet werden und alternierend im zeitlichen Abstand appliziert werden. Wir möchten Ihnen im Folgenden drei Beispiele vorstellen, bei denen eine gemeinsame Herstellung im begründeten Einzelfall möglich ist. Die Kombination von Betamethasonvalerat mit Salicylsäure ist in der dermatologischen Praxis üblich. Bei Cremes und Emulsionen mit diesen beiden Substanzen ist während der Behandlung mit einem stark wirksamen Glucocorticoid ohnehin begrenzten Anwendungsdauer keine signifikante Zersetzung zu befürchten. In einer Untersuchung an ethanolisch-wässrigen Betamethason-valerat-Lösungen 0,1 % mit Salicylsäure 2 % konnten über einen ausreichend langen Zeitraum weder Isomerisierung noch Hydrolyse nachgewiesen werden. Eine defekturmäßige Herstellung wird dennoch nicht empfohlen.

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