Dithranol

Der Arzneistoff Dithranol wird in der Apotheke hauptsächlich zur Behandlung der Psoriasis verordnet. Da es hinsichtlich der Wirkung je nach Patient und betroffener Hautpartie große individuelle Unterschiede gibt, werden Zubereitungen über einen großen Konzentrationsbereich benötigt. Das Angebot an Fertigarzneimitteln ist dafür nicht ausreichend. Im folgenden Beitrag wollen wir uns näher mit der Verarbeitung dieses licht- und sauerstoffempfindlichen Grundstoffes zur Rezepturherstellung beschäftigen. Eine Zusammenstellung der wichtigsten Informationen zu Dithranol finden Sie übersichtlich zusammengestellt in der Tabelle „Verarbeitung von Dithranol in Rezepturen“.

Das Krankheitsbild der Psoriasis oder auch Schuppenflechte ist durch eine beschleunigte Vermehrung und gestörte Reifung der hornbildenden Zellen der Epidermis gekennzeichnet. Besonders häufig kommt es an den Ellenbogen, den Streckseiten der Knie und am behaarten Kopf zur schubweisen Bildung von roten, mit weißlichen Schuppen bedeckten flach erhabenen Plaques. Bei leichtem bis mittlerem Schweregrad werden zur Therapie über einen Zeitraum von mehreren Wochen topische Zubereitungen mit verschiedenen Arzneistoffen angewendet.

Anwendung und Dosierung von Dithranol

Die Wirkung von Dithranol zur Therapie der Psoriasis beruht dabei unter anderem auf einer Hemmung der Zellproliferation und einer zusätzlichen immunsuppressiven Wirkung. In Kombination mit Salicylsäure wird Dithranol auch bei Hautwarzen angewendet. Das Ausmaß der Wirkung wird dabei wesentlich von der Einwirkdauer und der Konzentration des Arzneistoffs bestimmt. Die übliche therapeutische Konzentration beträgt bei Lösungen und halbfesten Arzneiformen 0,05 bis 3 %, zu Beginn der Behandlung ist die obere Richtkonzentration zunächst nur 0,1 % und kann im weiteren Verlauf auf 3 % gesteigert werden.

Eigenschaften und Stabilität

Dithranol ist als gelbes, feinkristallines Pulver erhältlich. Die lipophile Substanz ist in Wasser und Paraffinkohlenwasserstoffen wie Vaselin praktisch unlöslich, in fetten Ölen und Octyldodecanol dagegen löslich. In Salben und Pasten liegt der Wirkstoff daher zum überwiegenden Teil suspendiert vor. Unter Einfluss von Licht und Sauerstoff zersetzt sich das fotoinstabile Dithranol über orange nach braun unter Bildung des unwirksamen Danthron. Eine Braunfärbung einer Dithranol-haltigen Salbe deutet daher immer auf einen nennenswerten Verlust an Wirkstoff hin. Solche verfärbten Zubereitungen sollen daher nicht mehr angewendet werden, eine Braunfärbung im Bereich des Tubengewindes beeinträchtigt die Qualität jedoch nicht. Die Oxidation wird durch zahlreiche Rezepturbestandteile wie Wasser, Zinkoxid oder Steinkohlenteerlösung beschleunigt. Durch verschiedene Maßnahmen bei der Verarbeitung von Dithranol kann ein Schutz vor dieser oxidativen Zersetzung erreicht werden.

Minutentherapie

Je nach gewünschter Art der Therapie werden vom Arzt unterschiedliche Rezepturen verordnet. Bei der sogenannten Minutentherapie wird die Einwirkzeit der Zubereitung alle drei bis vier Tage von anfänglich zehn auf bis zu 60 Minuten erhöht, die Konzentration an Dithranol wird dabei ebenfalls gesteigert, von meistens 0,05 % zu Beginn auf 2 % oder mehr. Nach der Einwirkzeit wird die Salbe mit fließendem Wasser abgewaschen und die Haut anschließend mit wirkstofffreien Cremes oder Salben gepflegt. Wasserfreie, aber leicht abwaschbare Zubereitungen mit Dithranol sind im NRF in Form standardisierter Vorschriften in verschiedenen Konzentrationen zu finden, ein Beispiel wäre folgende Salbe:

Dithranol-Macrogolsalbe 0,5 % NRF 11.53.

Dithranol 0,5 g
Salicylsäure 3,0 g
Macrogolsalbe DAC zu 100,0 g

Zur Herstellung werden Dithranol und Salicylsäure zunächst mit einem Fünftel der Macrogolsalbe ohne Anwendung von Wärme angerieben, anschließend kann die restliche Grundlage ergänzt und mit dem Ansatz verrührt werden. Bei der Macrogolsalbe DAC handelt es sich um eine hydrophile, leicht abwaschbare Grundlage aus Macrogol 300 und Macrogol 1500. In niedrigen Konzentrationen (0,25 % und 0,5 %) liegt Dithranol in der Salbe vollständig gelöst vor. Da Zubereitungen mit gelöstem Wirkstoff grundsätzlich instabiler sind als solche mit suspendiert vorliegendem Dithranol, wird zur Stabilisierung (Schutz vor Oxidation) eine 3-prozentige Salicylsäure-Konzentration benötigt. Anstelle der Macrogolsalbe kann die Abwaschbare Salbengrundlage (NRF S.31.) verwendet werden. Diese Stammzubereitung zählt laut Arzneibuchsystematik zu den „Wasseraufnehmenden Salben“ und ist der Hydrophilen Salbe DAB ähnlich, die sich allerdings nur schwer von der Haut abwaschen lässt und daher hier nicht eingesetzt wird. Die leichtere Abwaschbarkeit der wasserfreien Abwaschbaren Salbengrundlage resultiert aus einem höheren Anteil flüssiger Paraffine und Tenside.

Langzeittherapie

In der Dithranol-Langzeittherapie werden die von Psoriasis betroffenen Hautstellen normalerweise zweimal täglich dünn eingerieben, die Salbe verbleibt dabei auf der Haut. Auch bei dieser Form der Therapie wird die Dosierung kontinuierlich gesteigert, üblicherweise erfolgt eine Verdopplung der Dithranol-Konzentration alle drei Tage. Zubereitungen zur Langzeittherapie sind ebenfalls im NRF monographiert: Dithranol-Vaselin 0,05 % NRF 11.51. Dithranol 0,05 g Salicylsäure-Verreibung 50 % DAC 1,0 g Dickflüssiges Paraffin 2,0 g Weißes Vaselin zu 100,0 g Der Wirkstoff wird dabei zunächst mit der Verreibung und Dickflüssigem Paraffin ohne Wärmeanwendung angerieben, anschließend wird der Ansatz mit Weißem Vaselin verrührt. Sowohl Dithranol als auch Salicylsäure liegen in der Grundlage überwiegend suspendiert vor. Die Verwendung einer Salicylsäure-Verreibung sichert die erforderliche Teilchengröße der fertigen Zubereitung, dies gilt nicht nur für die klassische Herstellung mit Salbenschale und Pistill, sondern vor allem beim Einsatz automatischer Rührsysteme. Die Stabilität der Rezeptur ist übrigens von der Konzentration des Wirkstoffes abhängig. Bei der Herstellung auf Vorrat ergeben sich daher je nach eingesetzter Menge an Arzneistoff unterschiedliche Haltbarkeiten. Beim Festlegen der kürzeren Aufbrauchsfristen wird aber nicht nach Konzentrationen unterschieden. In der Langzeittherapie der Psoriasis können auch Weiche Dithranol-Zinkpasten zum Einsatz kommen. Der Arzneistoff wird dabei zusammen mit der Salicylsäure-Verreibung mit Weicher Zinkpaste DAB verrührt. Weiche Zinkpaste wird in der Apotheke häufig vorgefertigt bezogen, sie kann aber auch aus den Einzelbestandteilen Zinkoxid, Dickflüssiges Paraffin, Gebleichtes Wachs und Weißes Vaselin hergestellt und zur Homogenisierung durch einen Dreiwalzenstuhl gegeben werden. Dithranol-Zinkpasten sind schlecht abwaschbar, lassen sich jedoch mit fetten Ölen wie Olivenöl von der Haut entfernen.

Beratung bei der Abgabe

Dithranol-haltige Zubereitungen spielen sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich eine Rolle. Außerhalb der Klinik erhält der Patient vom verordnenden Arzt normalerweise sein individuell vorgegebenes Therapieschema in schriftlicher Form, wichtig sind dabei die jeweiligen Einwirkzeiten und eine genaue Angabe der anzuwendenden Konzentration. Bei der Abgabe der Rezeptur in der Apotheke soll daher die Behandlung mit dem Patienten ausführlich besprochen werden. Neben der genauen Art der Anwendung und der Gebrauchsanweisung gibt es gerade bei einer Therapie mit dem Wirkstoff Dithranol weitere wichtige Hinweise für den Patienten.

Schutz vor oxidativer Zersetzung bei der Verarbeitung von Dithranol

  • Beim Einarbeiten von Dithranol in Dermatikagrundlagen soll eine Anwendung von Wärme grundsätzlich vermieden werden.
  • Dithranol nicht zusammen mit Zinkoxid in wasserhaltigen Grundlagen und generell nicht mit Steinkohlenteer oder Steinkohlenteerlösungen verarbeiten.
  • Durch Zusatz von Salicylsäure können vor allem Zubereitungen mit niedrigen Konzentrationen antioxidativ stabilisiert werden. Salicylsäure wird dabei häufig in Konzentrationen von 0,5 % eingesetzt und liegt damit deutlich unter der üblichen therapeutischen Dosierung.
  • Rezepturen mit Dithranol sollen grundsätzlich in lichtdichten Packmitteln wie Aluminiumtuben abgefüllt werden.

Tipps zur Beratung bei der Abgabe einer Dithranol-haltigen Zubereitung

  • Tragen Sie Ihre Salbe dünn und gleichmäßig auf die erkrankte Haut auf, gesunde Haut sparen Sie dabei bitte aus.
  • Verwenden Sie zum Auftragen Fingerlinge und Einmalhandschuhe als Applikationshilfe und waschen Sie sich danach gründlich die Hände mit Seife.
  • Vermeiden Sie unbedingt Kontakt mit den Augen.
  • Eine braune Verfärbung der Haut ist harmlos und verschwindet im Rahmen der normalen Erneuerung der oberen Hautzellen wieder.
  • Verfärbungen auf Wäsche und Textilien können Sie normalerweise durch Reiniger mit Hypochlorit wieder beseitigen.
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