Polidocanol

Bei Polidocanol 600 häufig verordneten Wirkstoff handelt es sich zusätzlich um einen nicht ionogenen Emulgator mit grenzflächenaktiven Eigenschaften. Bei der Herstellung von wasserhaltigen Salben in der Apotheke können grenzflächenaktive Verbindungen eine Instabilität der Grundlage mit Austritt von Wasser verursachen. Obwohl diese Problematik eigentlich bekannt ist, sind ärztliche Verordnungen von Polidocanol 600 mit ungeeigneten Grundlagen immer noch recht häufig. Wir wollen Ihnen mit diesem Artikel wieder praxisrelevante Informationen zur Verarbeitung dieser oft vorkommenden Rezeptursubstanz mit verschiedenen Salbengrundlagen liefern. 

Anwendung und Dosierung

Die Substanz Polidocanol 600 ist ein Lokalanästhetikum und wirkt juckreizstillend. Sie wird häufig in Dermatika-Rezepturen verarbeitet – allein oder in Kombination mit Harnstoff. Übliche therapeutische Konzentrationen sind dabei drei bis zehn Prozent, die Anwendung erfolgt in der Regel ein- bis mehrmals täglich.

Neuer Name, aber gleicher Inhalt

Der seit Langem unter diesem Namen bekannte Wirkstoff Polidocanol 600 heißt jetzt Lauromacrogol 400. Der DAC enthielt bis 2010 die Prüfvorschrift „Polidocanol 600“. Inzwischen ist die Substanz mit strengeren Reinheitsanforderungen unter der Bezeichnung „Lauromacrogol 400“ im Europäischen Arzneibuch monographiert. Die Kennzahl 400 steht dabei für den gerundeten mittleren Anteil der Ethylenoxideinheiten, bei Polidocanol 600 bezieht sich die Zahl 600 hingegen auf die mittlere Molekülmasse der Substanz. Bei der Prüfung der Rezeptursubstanz in der Apotheke muss man besonders aufmerksam sein, da es noch weitere synonyme Bezeichnungen gibt. Neben dem Wirkstoff Lauromacrogol 400 existiert im Arzneibuch auch eine Hilfsstoffmonographie zu der gleichen Substanz, allerdings mit geringerer Reinheit, unter dem Namen Lauromacrogol-9-laurylether. Unter dem Warenzeichen Thesit® wird vom Hersteller teilweise die Arzneibuchware Lauromacrogol 400 geliefert. In jedem Fall sind Sie in der Apotheke bei der Prüfung der Substanz verpflichtet, mithilfe des mitgelieferten Prüfzertifikats die Arzneibuchqualität des Wirkstoffes festzustellen.

Eigenschaften und Stabilität von Lauromacrogol 400

Lauromacrogol 400 ist eine salbenartige, weiße Substanz, die bei Temperaturen über 25 °C als klare, farblose, höchstens schwach gelbe und viskose Flüssigkeit vorliegt. Während der Lagerung bei Raumtemperatur ist eine Entmischung in einen festen und einen flüssigen Anteil möglich. Dieses Problem kann jedoch vor der Verarbeitung durch die Lagerung im Kühlschrank oder auch durch das Aufschmelzen im Wasserbad (40 bis 50 ° C) behoben werden. Lauromacrogol 400 wird dann flüssig dosiert. Da der Wirkstoff die Augen reizt, sollte unbedingt mit einer Schutzbrille gearbeitet werden. Rezepturen mit Lauromacrogol 400 sind nicht verschreibungspflichtig. Die Substanz kann unabhängig vom pH-Wert verarbeitet werden. Der Arzneistoff ist nicht ausreichend antimikrobiell wirksam, eine zusätzliche Konservierung ist erforderlich. Lauromacrogol 400 wird je nach Hautzustand cutan mit einer Vielzahl unterschiedlicher Grundlagen kombiniert. Damit jedoch eine qualitativ hochwertige Rezeptur entsteht, ist es ganz besonders wichtig, eine geeignete Salbengrundlage auszuwählen.

Hydrophile Polidocanol-Cremes

Hydrophile Polidocanol-Cremes werden häufig bei Sonnenbrand und Insektenstichen verordnet. Bei der Herstellung in der Apotheke sind standardisierte Rezepturen zu bevorzugen, denn in Individualrezepturen kann es zu einer deutlichen Konsistenzabnahme oder auch zum Brechen der Creme kommen. Diese Konsistenzabnahme fällt stärker aus, wenn die Creme im automatischen Rührsystem gerührt wird. Als geprüfte Vorschrift eignet sich die Rezeptur „Hydrophile Polido-canol-Creme 5 % / 10 %“ (NRF 11.118.). Hier wird als Grundlage Basiscreme DAC verwendet, eine ausreichende Stabilität über einen längeren Zeitraum ist gewährleistet. Bei der Herstellung ist es vorteilhaft, die Grundlage vollständig vorzulegen und Lauromacrogol 400 abschließend zu ergänzen. Wird Lauromacrogol 400 anteilig mit Basiscreme DAC verrieben, können dagegen Klümpchen entstehen.

Wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe als Grundlage

Bei Juckreiz auf trockener Haut greift der behandelnde Arzt meistens auf lipophile Salbengrundlagen zurück. Bei Einarbeitung in lipophile Cremes gehört Lauromacrogol 400 aber zu den galenischen Problemarzneistoffen, eine sorgfältige Überprüfung der vorgeschlagenen Grundlage ist besonders wichtig. Betrachten wir beispielsweise eine häufig verordnete Rezeptur mit 2,5 g Polidocanol und 47,5 g Eucerin® cum aqua. Diese wird immer wieder verordnet, obwohl sie nicht stabil und anwendbar herzustellen ist. Bei der Wasserhaltigen Wollwachsalkoholsalbe handelt es sich bekanntermaßen um eine W/O-Creme mit 50 % Wasseranteil. Wegen seiner grenzflächenaktiven Eigenschaften stört der Wirkstoff den W/O-Emulgator an der Grenzfläche zwischen Öl- und Wasserphase. Die Creme bricht, es kommt zur Verflüssigung der Grundlage und anschließendem Wasseraustritt. Die Lösung des Problems liegt im Austausch von Eucerin® cum aqua gegen Eucerin® anhydricum. Eine Verarbeitung von Lauromacrogol 400 in lipophilen Cremes ist nur mit sehr geringem Wasseranteil möglich, vorzugsweise in standardisierten Grundlagen. Möchte der Arzt also eine wasserhaltige Grundlage, so lohnt sich erneut ein Blick ins NRF. Als geeignete Rezeptur findet man die Vorschrift 11.119. „Lipophile Polidocanol-Creme 5 % / 10 %”. Hier ähnelt die Grundlage der Hydrophoben Basiscreme DAC, der Wasseranteil ist allerdings stark reduziert. Mit diesem Lösungsvorschlag kann man sich mit den im NRF vorgeschlagenen Kommunikationshilfen an den Arzt wenden.

Kombination mit Kühlsalbe

Lauromacrogol 400 wird immer noch mit Kühlsalbe DAB verordnet. Unguentum leniens ist als Grundlage für Rezepturen prinzipiell wenig geeignet, da sie keinen stabilisierenden Emulgator enthält. Es handelt sich um eine physikalisch instabile Salbe, welche beim Verstreichen bricht und durch Wasserverdunstung kühlt. Eine Einarbeitung von Wirkstoffen ist nicht möglich. Neben der aktuellen DAB-Rezeptur sind Kühlsalben (Cold Creams) ähnlicherZusammensetzung in anderen nationalen Arzneibüchern und Formularien sowie als kosmetische Fertigprodukte bekannt.

Fragwürdige Rezeptur

Auch das folgende Beispiel kennen Sie sicherlich aus Ihrem Apothekenalltag:

Polidocanol 2,5 g
Gereinigtes Wasser 15,0 g
Unguentum Cordes® ad 50,0 g

Salbengrundlage ist hier die ambiphile Absorptionsgrundlage Unguentum Cordes®, die bis zu 60 % Wasser aufnehmen kann. Dieses industrielle Halbfertigprodukt ist frei von Parfüm, Wollwachs und Konservierungsmitteln. Je nach Wasserzusatz entsteht aus der Fettsalbe eine W/O- oder eine O/WEmulsion. Bis zu einem Wassergehalt von 30 % liegt eine W/O-Creme vor, bei Zugabe von 50 – 60 % Wasser bildet sich eine O/W-Zubereitung. Die Zugabe von 40% Wasser soll vermieden werden, da diese Konzentration den Bereich der Phasenumkehr darstellt. Die oben genannte Verordnung sieht einen Wassergehalt von 30 % vor, die Zubereitung mit Lauromacrogol 400 ist aufgrund der Unverträglichkeit des Wirkstoffs mit W/O-Grundlagen mit hohem Wasseranteil nicht möglich. Stellt man die Rezeptur in Unkenntnis der Inkompatibilität auf konventionelle Art unter Anwendung von Wärme her, so entsteht eine weiche Salbe mit homogenem Aussehen. Ganz wichtig zu wissen ist es, dass es sich dabei um eine versteckte (larvierte) Unverträglichkeit handelt. Die hergestellte Salbe verliert innerhalb von 48 Stunden ihre Stabilität. Das eingearbeitete Wasser tritt aus und die Zubereitung bekommt ein heterogenes Erscheinungsbild.

Rücksprache mit dem Arzt

Der Wirkstoff kann mit Unguentum Cordes® bis zu einer Konzentration von 10 % unproblematisch verarbeitet werden. Probleme treten erst auf, wenn zusätzlich Wasser eingearbeitet werden soll. Die Kontaktaufnahme mit dem Arzt sollte jetzt dahingehend erfolgen, dass dieser problematischen freien Komposition ebenfalls eine standardisierte Rezeptur vorzuziehen ist. Eine Alternative stellt auch bei diesem Beispiel die NRF-Rezeptur „Hydrophile Polidocanol-Creme 5 %“ (NRF 11.118.) dar. Mit diesem Vorschlag hat man die Möglichkeit, dem verordneten höheren Wassergehalt gerecht zu werden. Beachtet werden muss dabei allerdings, dass nicht die verordnete Unguentum Cordes® die Grundlage darstellt, sondern die Basiscreme DAC verarbeitet wird. Die standardisierte Rezeptur NRF 11.118. benötigt keine weitere Konservierung, da der Anteil an Propylenglycol (mindestens 20 % bezogen auf die wässrige Phase) ausreichend hoch ist.

Larvierte Unverträglichkeiten

Diese versteckten Inkompatibilitäten sind für uns im Apothekenalltag besonders problematisch. Die organoleptische Qualitätskontrolle der Rezeptur am Ende der Herstellung ergibt keine Beanstandung. Die Rezeptur wird vom Apotheker freigegeben und kann an den Patienten abgegeben werden. Innerhalb kurzer Zeit verliert die hergestellte Arzneiform jedoch ihre Stabilität und bricht auseinander. Der Patient kann das Arzneimittel nicht mehr richtig anwenden und beschwert sich in der Apotheke über die falsch hergestellte Rezeptur. Um solche unangenehmen Situationen im Vorfeld zu vermeiden, ist eine sorgfältige Plausibilitätskontrolle der verordneten Rezeptur vor der Herstellung ganz besonders wichtig.

 

Für den Überblick: Verarbeitung von Polidocanol in Rezepturen
Polidocanol 600 /
Lauromacrogol 400
Hinweise
Synonyme

Thesit®, Lauromacrogol-9-laurylether
(Hilfsstoff)
therapeutische Konzentration3 – 10 %
rezeptierbarer pH-BereichpH-unabhängig
Stabilität

Gelbfärbung während der Lagerzeit
möglich
Kompatibilität mit anderen
Wirkstoffen
häufig Kombination mit Harnstoff

Herstellung










- Polidocanol löst sich sowohl in Wasser
als auch teilweise in fetten Ölen
- Entmischung während der Lagerung bei
Raumtemperatur in festen und flüssigen
Anteil möglich
- Aufbewahrung im Kühlschrank oder
Aufschmelzen auf dem Wasserbad nötig
- Verarbeitung in lipophilen Cremes ist
nur mit sehr geringem Wasseranteil
möglich, vorzugsweise in standardisier-
ter Vorschrift des NRF
Konservierung




- Kaliumsorbat 0,14 % in Kombination
mit Citronensäure 0,07 %
- Propylenglycol 20 % (bezogen auf die
Wasserphase)
- PHB-Ester

 

 

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