Salicylsäure

Salicylsäure ist einer der am häufigsten verwendeten dermatologischen Wirkstoffe in Rezepturen. Er wird für zahlreiche flüssige und halbfeste Zubereitungen als Keratolytikum und Antiseptikum eingesetzt. Zudem kann Salicylsäure die Penetration anderer topisch applizierter Arzneimittel verstärken. Mit dem folgenden Artikel möchten wir Ihnen praxisrelevante Informationen zur Verarbeitung dieser wichtigen Rezeptursubstanz liefern. Eine Zusammenfassung der Informationen finden Sie in der Tabelle auf Seite 80. Salicylsäure hat konzentrationsabhängig eine ausgeprägte keratolytische Wirkung sowie antiphlogistische, fungizide und antibakterielle Eigenschaften. Die übliche therapeutische Konzentration liegt im Bereich von einem bis 20 %, bei groß ächiger Anwendung beträgt die obere Richtkonzentration 3 %. Der Arzneistoff penetriert dabei ausschließlich in der Säureform in die Haut. In der Schwangerschaft, in der Stillzeit und bei Kindern sollen Salicylsäurehaltige Arzneiformen nur nach strenger Indikationsstellung kurzfristig und klein flächig angewendet werden. Vorsicht ist auch bei Patienten mit Niereninsuffizienz geboten. Durch Resorption bei groß ächiger Applikation sind allergische Reaktionen, Nierenschädigung und Verwirrtheitszustände möglich.

Eigenschaften und Stabilität

Salicylsäure ist ein weißer, unterschiedlich fein gepulverter oder kristalliner Feststoff. Handelsübliche Pulverware sollte mikroskopisch auf durchgängige Pulverfeinheit beurteilt werden. Salicylsäure ist eine phenolische Carbonsäure (2-Hydroxybenzoesäure), die in Ethanol und 2-Propanol leicht und in Wasser von 20 °C schwer löslich ist. In flüssigen Lipiden ist die Salicylsäure-Löslichkeit je nach Polarität unterschiedlich. Der rezeptierbare pH-Bereich des Wirkstoffs liegt im stark sauren Bereich bei pH-Werten kleiner als drei. Die Verarbeitung weiterer Arzneistoffe innerhalb einer Salicylsäure-haltigen Rezeptur wird durch diesen extremen pH-Wert nahezu ausgeschlossen.

Hydrophile Lösungen

Salicylsäure-Lösungen lassen sich auf Grundlage alkoholischer Lösungen relativ unproblematisch herstellen. In niedrigen Konzentrationen (1 – 3 %) steht dabei die antiseptische Wirkung im Vordergrund, bei höheren Konzentrationen (5 – 10 %) wirkt die Substanz keratolytisch. Folgende Rezeptur wird häufig für Akne-Patienten verordnet:

Salicylsäure 5,0 g
2-Propanol 70 % (V / V) zu 100,0 g

Ursprünglich wurde die meist fein kristallin vorliegende Salicylsäure in 2-Propanol gelöst und der Ansatz mit Gereinigtem Wasser ergänzt. Die verfügbaren fein oder mikrofein gepulverten Salicylsäure-Qualitäten ermöglichen die direkte Verarbeitung in 2-Propanol 70 % (V / V). Wegen der relativ raschen Verdunstung des 2-Propanol ist die geringfügige Rekristallisation von Salicylsäure an der Wand des Becherglases unvermeidlich und wird toleriert. Nach Auflösung des Feststoffs soll die Lösung aber rasch in das Abgabegefäß umgefüllt werden. Als weiteren zusätzlichen Hilfsstoff kann die Lösung den schwer flüchtigen Alkohol Propylenglycol enthalten (siehe Salicylsäure-Aknespiritus 5 % / 10 % NRF 11.23.). Propylenglycol bleibt dabei zusammen mit Salicylsäure auf der Haut zurück, wenn 2-Propanol und Wasser verdunstet sind. Das verhindert, dass fein auskristallisierte Salicylsäure vom Patienten als unangenehm auf der Haut empfunden wird. Falls eine rückfettende Wirkung vom Arzt gewünscht wird, kann zusätzlich der Alkohol Octyldodecanol dazugeben werden. Alle bisher vorgestellten Lösungen müssen nicht konserviert werden. Sie sind durch die antimikrobielle Eigenschaft des Wirkstoffs und den Alkoholgehalt mikrobiell nicht anfällig.

Öle mit Salicylsäure

Salicylsäure kann sowohl in hydrophilen als auch in lipophilen Zubereitungen gelöst vorliegen. Recht häufig wird Salicylsäure von Dermatologen in sogenannten Kopfölen verordnet. Folgende Rezeptur ist immer noch beliebt, vielleicht kennen Sie sie auch aus Ihrer Arbeit in der Apotheke:

Salicylsäure 10,0 g
Olivenöl ad 100,0 g

Der Wirkstoff ist allerdings in Olivenöl schlecht löslich, Salicylsäure liegt teilweise suspendiert vor. Die Herstellung von Salicylsäure-Ölen mit einem ungelösten suspendierten Wirkstoff anteil ist nicht zu empfehlen. Wegen der Temperaturabhängigkeit der Salicylsäure-Löslichkeit und weil etwa die Hälfte der Salicylsäure gelöst vorliegt, können Salicylsäure-Kristalle zentimeterlang auswachsen. Die Herstellung der Lösung unter Verwendung von Olivenöl ist nur möglich, wenn so viel Olivenöl gegen Rizinusöl ausgetauscht wird, dass der Wirkstoff sicher in Lösung bleibt. Pflanzliche Öle wie beispielsweise Olivenoder Erdnussöl sind oxidationsempfindlich, wodurch die Haltbarkeit begrenzt wird. Das NRF hat für seine Monographien mit Salicylsäure-Kopfölen als Lösungsmittel Octyldodecanol ausgesucht. Dieser Alkohol kann nicht hydrolytisch gespalten werden und besitzt zudem fettende Eigenschaften. Statt obiger Individualrezeptur kann nach Rücksprache mit dem Arzt folgende Vorschrift aus dem NRF angefertigt werden:

Salicylsäure-Öl 10 % (NRF 11.44.)
Salicylsäure 10,0 g
Rafiniertes Rizinusöl 60,0 g
Octyldodecanol ad 100,0 g

Da die Löslichkeit von Salicylsäure in Octyldodecanol begrenzt ist, enthält das Kopföl 10 % eine Mischung aus Octyldodecanol und Rafiniertem Rizinusöl. Durch Tensidzusatz leichter abwaschbare Salicylsäure-Öle sind in Vorschrift NRF 11.85. monographiert. Durch Zugabe von Macrogol-4-laurylether wird auch die Löslichkeit der Salicylsäure verbessert.

Glucocorticoid-Rezepturen

Die Kombination eines Salicylsäure-Öls mit einem Glucocorticoid ist therapeutisch sinnvoll. Salicylsäure unterstützt dabei die Behandlung einer entzündlichen und stark juckenden Hauterkrankung mit einem Glucocorticoid. Aus galenischer Sicht wäre eine Kombination von Salicylsäure mit Triamcinolonacetonid geeignet. Triamcinolonacetonid hat einen rezeptierbaren pH-Bereich von 2 – 9 und zählt zu den mittelstark wirksamen Externsteroiden. In dem Salicylsäure-Öl muss Triamcinolonacetonid vollständig gelöst vorliegen. Da Glucocorticoide praktisch unlöslich in Lipiden sind, wird zum Lösen eine ausreichende Menge 2-Propanol verwendet. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang eine standardisierte Vorschrift NRF 11.134. Salicylsäure-Öl 10 % mit Triamcinolonacetonid 0,1 %. Alle Salicylsäure-Öle enthalten keinen Konservierungsstoff. Sie sind als wasserfreie Zubereitungen und durch die antimikrobielle Eigenschaft der Salicylsäure mikrobiell nicht anfällig. Die Öle sollen bei Raumtemperatur aufbewahrt werden, nicht im Kühlschrank.

Suspensionssalben

Salicylsäure-Verreibung

50 % DAC 10,0 g
Weißes Vaselin 90,0 g

Bei Suspensionszubereitungen ist die Verwendung eines geeigneten halbfesten Rezepturkonzentrates herstellungstechnisch am sinnvollsten. Als lipophiles Konzentrat eignet sich Salicylsäure-Verreibung 50 % DAC auf Basis von Vaselin. Auch wenn Salicylsäure bei der Eigenherstellung als feines Pulver verwendet wird, reicht der Zerkleinerungsgrad meistens nicht aus. Deshalb ist die Bearbeitung an der Salbenmühle erforderlich. Neben der ausreichenden Teilchenzerkleinerung ist bei Suspensionssalben auch auf ein Vermeiden von Kristallwachstum zu achten. Gepulverte Salicylsäure darf in diesem Zusammenhang nicht mit Rizinusöl angerieben werden. Die Salicylsäure löst sich im Öl und fällt bei Verarbeitung mit der eigentlichen Grundlage wieder aus. Dadurch kommt es zu Auskristallisation und unkontrolliertem Kristallwachstum. Als Anreibemittel kommt die Grundlage selbst oder eine Flüssigkeit mit guter Benetzung und geringem Lösevermögen infrage (z. B. flüssige Paraffine). Wie bei Suspensionssalben üblich, ist Wärmeanwendung unbedingt zu vermeiden. Bei fettiger Haut eignet sich eher eine Hydrophile Salicylsäure-Creme 5 % zur Keratolyse. Zur Herstellung steht dabei ein 50 %iges hydrophiles Suspensionskonzentrat auf Basis der Nichtionischen Hydrophilen Creme SR DAC vorgefertigt zur Verfügung. Bei Einarbeitung der Salicylsäure in hydrophile Cremes ist wegen erhöhter Löslichkeit und deshalb rascherem Kristallwachstum mit einer begrenzten Haltbarkeit zu rechnen. Zu beachten ist weiterhin, dass das vorgefertigte Rezepturkonzentrat mit Kaliumsorbat 0,14 % konserviert ist. Das Konservierungsmittel ist bei der Kennzeichnung der Rezeptur auf dem Etikett anzugeben.


Salicylsäure-Löslichkeit in verschiedenen Lipiden (bei
20 – 25 ° C in g / 100 g Lösung)
ÖlLöslichkeit
Dickflüssiges Paraffin0,1
Olivenöl2,5
Erdnussöl2,5
Octyldodecanol8,0
Raffiniertes Rizinusöl12,1
Macrogol-4-lauryletheretwa 20

 

 

 

Für den Überblick: Verarbeitung von Salicylsäure in Rezepturen
SalicylsäureHinweise
Salicylsäure Ph. Eur.

Synonyme: Acidum salicylicum, Salicylic acid,
2-Hydroxybenzoesäure
therapeutische Konzentration

1 – 20 %
obere Richtkonzentration 3 %
(bei großflächiger Anwendung)
rezeptierbarer pH-BereichpH unter 3
Stabilität

Gefahr der Rekristallisation nach Wärme-
anwendung
Kompatibilität mit anderen
Wirkstoffen


Salicylsäure sollte nicht mit anderen Wirkstof-
fen rezeptiert werden. Ausnahmen sind im
Einzelfall möglich (z. B. Triamcinolonacetonid,
Betamethasonvalerat).
Herstellung












- Bei Salicylsäure-Verreibungen 50 % kann
eine Einwaagekorrektur aufgrund der Arz-
neibuchspezifikation erforderlich sein.
- Salicylsäure wird in alkoholischen Lösungen
ohne Wärmeanwendung gelöst.
- Bei lipophilen Lösungen das Lösevermögen
unterschiedlicher Öle beachten. Auflösen
unter Erwärmen und Rühren. Fertige Lösun-
gen nicht im Kühlschrank aufbewahren.
- Salicylsäure in Suspensionslösungen nicht
mit Rizinusöl anreiben, Anwendung von
Wärme vermeiden. Einsatz von Rezepturkon-
zentraten empfehlenswert.
Konservierung

Gelöste Salicylsäure ist antimikrobiell wirksam,
eine Konservierung ist nicht erforderlich.

 

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