Triclosan

Rezepturen mit Triclosan spielen bei der Behandlung und zur Rezidivprophylaxe von entzündlichen Hauterkrankungen eine große Rolle. Probleme in der Praxis bereiten dabei immer wieder Verordnungen mit ungeeigneten Grundlagen. Der Arzneistoff ist aufgrund seiner phenolischen Struktur inkompatibel mit zahlreichen häufig vorkommenden Emulgatoren. Dabei kann es durch Funktionsbeeinträchtigung der Hilfsstoffe zu einer Instabilität der Zubereitung mit Austritt von Wasser kommen. Bei der rezepturmäßigen Herstellung sind weiterhin die Löslichkeit von Triclosan in der gewählten Grundlage und die mikrobiologische Stabilität der Arzneiform zu beachten. Dieser Artikel geht auf diese und weitere Schwierigkeiten ein und gibt Ihnen Tipps zur richtigen Verarbeitung der Rezeptursubstanz.

Antiseptikum in Dermatika

Triclosan ist ein phenolisches Antiseptikum mit breitem Wirkungsspektrum, das zur Behandlung verschiedener infektiöser Hauterkrankungen eingesetzt wird. Der nicht verschreibungspichtige Wirkstoff wird vor allem zur Reduktion der Staphylokokkenbesiedlung der Haut bei der atopischen Dermatitis empfohlen, Triclosan gilt dabei als Alternative zu Dermatika mit Chlorhexidin, Erythromycin oder Polihexanid. In der Dermatologie wird die Substanz wegen des begrenzten Angebotes geeigneter Fertigarzneimittel in Konzentrationen bis 3 % rezeptiert, die Anwendung erfolgt dabei normalerweise 1- bis 3-mal täglich. Der Einsatz Triclosan-haltiger Externa wird erst ab Vollendung des ersten Lebensjahrs empfohlen, bei Kleinkindern ist die einprozentige Konzentration ausreichend.

Auch als Konservierungsstoff

Neben der Anwendung als Wirkstoff in Arzneimitteln ist Triclosan als Konservierungsstoff vorwiegend in kosmetischen Mitteln wie Zahnpasten, Deodorants und Seifen bekannt. Zunehmend wird es auch als antimikrobielle Substanz in Textilien, Schuhen und anderen Gebrauchsgegenständen eingesetzt. Diese breite Verwendung kann die Resistenzbildung von Bakterien fördern, wodurch wichtige Desinfektionsmittel sowie Behandlungstherapien für Mensch und Tier wirkungslos werden können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung ist deshalb der Auffassung, dass der Einsatz von Triclosan auf den ärztlichen Bereich beschränkt bleiben soll.

Chemisch recht stabil

Triclosan besitzt eine hohe chemische Stabilität und liegt als weißes, kristallines Pulver mit schwachem Aromageruch vor. Die Rezeptursubstanz ist als mehrfach chloriertes Phenolderivat eine sehr lipophile Verbindung, die sich in Wasser praktisch nicht löst. Der Feststoff löst sich dagegen leicht in vielen organischen Lösungsmitteln, ebenso in Propylenglycol und mittelkettigen Triglyceriden. Triclosan selbst reagiert annähernd pH-neutral, der rezeptierbare pH-Bereich liegt zwischen pH 4 bis 8. Das bakterizide Wirkungsoptimum liegt dabei bei pH 5, bakteriostatisch wirksam ist die Substanz noch bis pH 8. Eine Verunreinigung der Triclosan-Rezeptursubstanz mit hochgiftigen Dioxinen als Synthesenebenprodukte muss durch Prüfzertifikat des Herstellers ausgeschlossen werden.

Unverträglichkeiten

Bei Dermatika werden häufig nicht ionische Emulgatoren mit Macrogol-Struktur zur Herstellung hydrophiler Cremes eingesetzt. Macrogole oder Polyethylenglycole sind Polymerisationsprodukte des Ethylenoxids der allgemeinen Formel H-(OCH2-CH2)n-OH. Treffen phenolische Wirkstoffe wie Triclosan mit solchen nicht ionischen Emulgatoren zusammen, so kann eine elektrostatische Bindung zwischen dem Wasserstoff-Atom der phenolischen OH-Gruppe und dem Ether-Sauerstoff des Emulgators entstehen. Diese Wasserstoffbrückenbindungen bewirken ein Ausfällen und Dehydratisieren des Emulgators und es kommt zum Brechen des Emulsionssystems. Eine Verarbeitung von Triclosan mit nicht ionischen hydrophilen Cremegrundlagen ist daher nicht zu empfehlen. Beim Einarbeiten von Triclosan in unverdünnte Basiscreme DAC (Emulgator: Macrogol-20-glycerolmonostearat) kann die Creme zwar direkt nach der Herstellung homogen aussehen, nach etwa 4 Wochen kommt es aber zum Brechen der Emulsion. Beim Verdünnen der Basiscreme mit Wasser (1+4) tritt sofort eine erkennbare Instabilität auf. Die Rezeptursubstanz ist ebenfalls mit der nicht ionischen Hydrophilen Basisemulsion DAC (Emulgator: Macrogol-8-stearat) inkompatibel, die Emulsion flotiert und am Boden wird eine klare Wasserphase erkennbar. Bei der Kombination von Fertigarzneimitteln mit Triclosan sind Grundlagen mit nicht ionischen hydrophilen Macrogol- Emulgatoren ebenfalls zu vermeiden. Beispielsweise gelten Asche Basis® Creme und Asche Basis® Lotio von Seiten des Herstellers als unverträglich mit dem Wirkstoff. Als Triclosan-haltige Fertigarzneimittel und Körperpflegemittel sind daher auch ausschließlich hydrophile Cremes und Flüssigseifen mit anionischen Tensiden bekannt. Eine weitere Inkompatibilität von Triclosan besteht mit nichtionischen Hydrogelbildnern vom Celluloseether-Typ wie beispielsweise Hydroxyethylcellulose oder Hypromellose 2.000. Bei gleichzeitiger Verarbeitung kommt es zur Ausflockung des Hydrogels. Phenolische Wirkstoffe wie Triclosan sollen daher vorzugsweise mit Hydrogelen vom Carbomer-Typ verarbeitet werden.

Auf die richtige Grundlage kommt es an

Wenn Sie in der Apotheke Zubereitungen mit Triclosan herstellen, ist die richtige Auswahl der Grundlage besonders wichtig. Bei Behandlung einer Infektion der Haut im akuten oder subakuten Stadium wird der Arzt normalerweise zunächst eine hydrophile Creme verordnen. Gut geeignet dazu wäre beispielsweise eine Hydrophile Triclosan-Creme auf Grundlage der Anionischen hydrophilen Creme SR DAC (NRF 11.135.). Bei dieser Grundlage handelt es sich um eine abwaschbare Creme von Emulsionstyp O / W mit einem hydrophilen Anteil von etwa 70 %. Aufgrund ihres hohen Wasseranteils besitzt sie nur einen geringen okklusiven Effekt und daher eine gute Akzeptanz beim Patienten. Die hydrophile Creme enthält einen anionischen Emulgator (Emulgierender Cetylstearylalkohol Typ A), der mit phenolischen Verbindungen verträglich ist. Zur lipophilen Komponente gehört die Substanz 2-Ethylhexyllaurat, die leicht in die Haut einzieht. Triclosan ist in diesem Rezepturbestandteil leicht löslich, daher enthält die Creme den Wirkstoff in gelöster Form. Prozesswärme, wie sie bei der maschinellen Herstellung mit Salbenrührsystemen auftreten kann, lässt deshalb keine Auskristallisierungsvorgänge des Arzneistoffes befürchten. Ein Pufferzusatz zur Stabilisierung ist bei dieser Zubereitung nicht nötig, die Hydrophile Triclosan-Creme hat bereits einen pH-Wert von 4,7. Bei trockener Haut sowie bei chronischen Dermatosen werden zur Therapie eher lipophile W / O-Cremes benötigt. Triclosan kann dazu mit Hydrophober Basiscreme DAC verarbeitet werden (siehe NRF 11.122.). Hydrophobe Basiscreme DAC ist eine nichtionische, wasserreiche W / O-Creme. Sie wirkt zwar fettend, aber wegen des hohen Wasserund Glycerolanteils auch hydratisierend. Im Gegensatz zu anderen offizinellen lipophilen Cremes, wie beispielsweise Wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe DAB, ist sie stabil und frei von Wollwachsverbindungen. Der Lipidanteil beträgt 30 Prozent, sein Hauptbestandteil Hydrophobes Basisgel DAC ist nur nach industriellem Spezialverfahren herstellbar und muss vorgefertigt bezogen werden. Der W / O-Emulgator Triglyceroldiisostearat ist chemisch ein flüssiger Ester der Isostearinsäure mit dem Alkohol Glycerol, er zeigt keine Unverträglichkeit mit dem phenolischen Triclosan. Da das Lösevermögen des Wirkstoffs in der Grundlage ausreichend hoch ist, handelt es sich bei der Lipophilen Triclosan-Creme erneut um eine Lösungssalbe. Bei Individualrezepturen ist die Löslichkeit von Triclosan von der Zusammensetzung der Zubereitung abhängig. Da hier keine geprüften Daten vorliegen, ist bei der Herstellung vom Entstehen einer Suspensionssalbe auszugehen. Der kristalline Wirkstoff sollte daher fein gepulvert und ohne Wärmeanwendung eingearbeitet werden. Bei Triclosan-Konzentrationen nur wenig oberhalb der Sättigungskonzentration kann die Substanz sonst beim Abkühlen der Rezeptur wieder auskristallisieren.

Bild: Alex Schelbert / PTAheute

Mikrobieller Schutz

Wegen der hohen Lipophilie von Triclosan ist bei Zubereitungen eine Verteilung aus der Wasser- in die Lipidphase möglich. Die antimikrobielle Wirkung der Substanz gilt daher vor allem gegen Schimmelpilze als unsicher. Auch in medizinischen Waschkonzentraten mit Triclosan sind schon bakterielle Besiedlungenvorgekommen, die zu Infektionen der Haut führen können. Sowohl die Hydrophile Triclosan Creme (NRF 11.135.) als auch die Lipophile Triclosan Creme (NRF 11.122.) sind daher mit 0,14 % Kaliumsorbat konserviert. In Kombination mit wasserfreier Citronensäure erhält man Sorbinsäure als Wirkform und beide Cremes sind damit ausreichend vor mikrobiellem Verderb geschützt.

Besser Tube als Kruke

Interessanterweise konnte gezeigt werden, dass sich Sorbinsäure in Kruken schneller zersetzt als in Aluminiumtuben. Dies liegt sowohl am unzureichenden Lichtschutz als auch an der Sauerstoffdurchlässigkeit des Kunststoffmaterials. Die Aufbrauchsfrist für Rezepturen ist daher bei Verwendung von Spenderdosen generell kürzer als beim Abfüllen der Zubereitung in Tuben.

Verarbeitung von Triclosan in Rezepturen
Eigenschaften von TriclosanVerarbeitung in Dermatika
Triclosan Ph. Eur.

Synonyme: Triclosanum;
2,2,4-Trichlor-2-hydroxy-diphenylether
therapeutische Konzentration1 bis 3 % als Hautantiseptikum
rezeptierbarer pH-BereichpH 4 bis 8
Stabilität

Lichtempfindlich, aber hohe chemische
Stabilität
Inkompatibilität



unverträglich mit nicht ionischen hydrophilen
Emulgatoren mit Macrogol-Struktur und mit
nicht ionischen Hydrogelbildnern vom 
Celluloseether-Typ
Herstellung


O/W-Cremes

Hydrogele
Bei Triclosan kann eine Einwaagekorrektur
aufgrund der Arzneibuchspezifikation erfor-
derlich sein.
bevorzugte Verwendung von anionischen
hydrophilen Cremes
geeignet sind Gele vom Carbomer Typ
Konservierungantimikrobielle Wirkung von Triclosan ist un-
sicher! Kaliumsorbat 0,14 % + wasserfreie
Citronensäure 0,07%

 Quelle: Ausschnitt aus dem Wirkstoffdossier der Gesellschaft für Dermopharmazie

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