Andreas May – PTA und neuer Erster Vorsitzender der Apothekengewerkschaft ADEXA

Nach 13 Jahren als einer der wenigen männlichen PTA in der öffentlichen Apotheke und einem Jahrzehnt Erfahrung in der ehrenamtlichen, gewerkschaftlichen Gremienarbeit steht Andreas May jetzt gemeinsam mit seiner Kollegin Tanja Kratt, ebenfalls PTA, an der Spitze der Apothekengewerkschaft ADEXA. Wie es dazu kam und wie es seiner Meinung nach mit dem PTA-Beruf weitergeht, hat er der Leiterin der Online-Redaktion, Cornelia Neth, im Interview in Hamburg erzählt.

Wer ist Andreas May? Wie sind Sie zum PTA-Beruf gekommen und wo haben Sie Ihre Ausbildung gemacht?

Seit Anfang Januar bin ich Erster Vorsitzender der Apothekengewerkschaft ADEXA. Bis zum Jahresende 2016 war ich als PTA in der öffentlichen Apotheke tätig. Daneben war ich schon seit Jahren ehrenamtlich für ADEXA aktiv, unter anderem in der Tarifkommission, im Landesvorstand und zuletzt als Landesvorsitzender von Bayern.

Nach meiner 8-jährigen Dienstzeit bei der Bundeswehr, die nichts mit Gesundheit, aber viel mit Auslandsaufenthalten zu tun hatte, wollte ich weiterhin mit Menschen arbeiten und dabei auch mein naturwissenschaftliches Interesse einbringen. Daher fand ich den PTA-Beruf für mich genau richtig. Meine Ausbildung habe ich an der PTA-Schule im schönen Augsburg gemacht. 13 Jahre habe ich seitdem in öffentlichen Apotheken gearbeitet und habe dort alle Facetten des Berufs kennengelernt – sowohl in der Beziehung zu den Patienten als auch in der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen. Aus meiner Bundeswehrzeit konnte ich vor allem die Fähigkeit zur Teamarbeit mitnehmen und – was in meiner bisherigen Laufbahn immer vorteilhaft war – ich wurde dort in Sachen Sozialkompetenz und dem Führen von Menschen ausgebildet.

Wie entstand der Kontakt zu ADEXA?

Die ersten Berührungspunkte hatte ich bereits in der Ausbildung, als ich Fortbildungsveranstaltungen von ADEXA besuchte. Dort waren dann auch Mitglieder der ADEXA-Landesgruppe anwesend. Als ich von einem Mitglied des Landesvorstands Bayern angesprochen wurde, ob ich nicht Interesse hätte, mich aktiv zu beteiligen, habe ich mich für die ehrenamtliche aktive Arbeit bei ADEXA entschieden. Ehrenamtlich aktiv war ich dann von 2007 an in verschiedenen Gremien und bald auch schon im ADEXA-Messeteam. Von dort kennen mich auch viele Mitglieder und haben mich dort schon einmal persönlich getroffen.

Übrigens: Als Anlaufstelle für Mitglieder, die bei ADEXA aktiv werden wollen, gibt es seit dem letzten Jahr die vier Regionalen Geschäftsstellen – und natürlich die Landesvorstände und die Fachgruppe PTA. Für junge aktive Mitglieder entsteht gerade eine eigene Gruppe, die „JuMis“ – auch hier könnten sich also PTA im Alter von bis zu 30 Jahren bei ADEXA engagieren.

Infotreffs in den Bundesländern sind außerdem noch ein gute Möglichkeit, mit ADEXA in Verbindung zu treten. Auch auf Messen wie beispielsweise der Expopharm im Herbst oder der Interpharm, die nun bald wieder ins Haus steht, sind wir immer vertreten und freuen uns, wenn wir neue und bekannte Gesichter an unserem Stand begrüßen können.

Welche Aufgaben haben Sie (neben dem Beruf als PTA) für ADEXA bisher wahrgenommen?

Von 2009 bis Ende 2016 war ich im Landesvorstand Bayern, zuletzt als Landesvorsitzender und damit auch im Beirat, dem entscheidenden Gremium bei ADEXA. Außerdem bin ich seit 2014 Mitglied der Tarifkommission. Daneben war ich als ADEXA-Vertreter präsent bei der Interpharm und der Expopharm. Außerdem habe ich an PTA- und PKA-Schulen die gewerkschaftliche Arbeit von ADEXA vorgestellt.

Wie kam es zur Kandidatur als Erster Vorsitzender?

Als sich abzeichnete, dass meine Vorgängerin, Barbara Stücken-Neusetzer, nicht wieder für den Ersten Vorsitz kandidieren würde, habe ich mich – in Absprache mit meiner jetzigen Vorstandskollegin Tanja Kratt – für diese Position beworben. Mir macht die Gremienarbeit Spaß und ich bin ein kommunikativer Mensch, vor allem aber möchte ich die Interessenvertretung der Apothekenangestellten voranbringen – und genau das ist meine Funktion als ADEXA-Vorstand.

Was werden Ihre genauen Aufgaben sein?

Ich werde mich intensiv um die Öffentlichkeitsarbeit der Gewerkschaft kümmern. Termine mit den verschiedenen Fachmedien und regelmäßige Veröffentlichungen stehen auf meiner Agenda, wobei mir die sozialen Medien sehr am Herzen liegen. Weiterhin werden Gespräche mit Vertretern der Kammern und Verbände zu führen sein, aber auch mit Politikern und Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums.

Ein zweiter großer Bestandteil meiner Arbeit ist natürlich die interne Weiterentwicklung und Sicherung von ADEXA zugunsten der Mitglieder. Das heißt unter anderem Mitglieder- und Nachwuchsgewinnung und die Förderung der ehrenamtlich Aktiven bei ADEXA.

Als ADEXA-Vorstand bin ich außerdem in der Tarifkommission tätig, die von meiner Vorstandskollegin Tanja Kratt geleitet wird.

Was sind die drei wichtigsten Dinge, die Sie im ersten Jahr Ihrer Amtszeit in Angriff nehmen möchten?

Als erstes gilt es, gemeinsam mit den Standesorganisationen diesen Schatten des EuGH-Urteils zu bekämpfen. Denn jetzt dürfen ausländische Versandapotheken rezeptpflichtige Arzneimittel nach Deutschland versenden und dabei Boni gewähren. Dies ist den deutschen Apotheken aber verboten. Deshalb sind letztere im Wettbewerb benachteiligt und damit im Bestand gefährdet.

Das zweite große Ziel für mich ist, dass wir die positiven Signale aus Sachsen, was die Tarifbindung angeht, weiter verfolgen, um auch in Ostdeutschland flächendeckend Tarifverträge zu haben. Außerdem stehen für 2017 natürlich auch die Verhandlungen für einen neuen Gehaltstarifvertrag an.

Weiterhin soll die PTA-Ausbildungsnovellierung vorangetrieben werden. Wir wollen eine Verlängerung der Ausbildungszeit auf drei Jahre erreichen. Damit ist dann ausreichend Zeit zum Lernen für alle Themen und Kompetenzen, die der Berufsnachwuchs heute in der Apotheke braucht. Dazu gehört auch eine Neuausrichtung der Ausbildungsinhalte. Und nicht zu vergessen die Nachwuchsförderung in den eigenen Reihen, die mir sehr am Herzen liegt. Sie sehen, es gibt viele wichtige Dinge, die es gilt, in Angriff zu nehmen.

Und wie werden Sie sich die Aufgaben mit Ihrer Kollegin Tanja Kratt künftig aufteilen? Wer ist wofür zuständig?

Tanja Kratt ist für den Tarifbereich zuständig und leitet die Tarifkommission von ADEXA, der ich als Vorstandsmitglied auch angehöre. Daneben gehören die Geschäftsführung und die Teamleitung zu ihren Aufgabengebieten. Mein Schwerpunkt ist die Berufspolitik und Öffentlichkeitsarbeit, also die Kontaktpflege und Interessenvertretung innerhalb der Berufsorganisationen im Apothekenbereich. Aber auch darüber hinaus, insbesondere in der Gesundheitspolitik. Auch ADEXAs Pressearbeit für die Fachmedien und unsere eigenen ADEXA-Medien gehört dazu und unser Auftritt bei Veranstaltungen. Themen wie die strategische Weiterentwicklung von ADEXA werden wir gemeinsam und zusammen mit dem Team der Mitarbeiter sowie den aktiven Mitgliedern anpacken.

Werden Sie noch in der Apotheke arbeiten?

Nein, ich arbeite ja jetzt hauptamtlich als ADEXA-Vorstand. Den Kontakt zu meinen Kollegen werde ich aber auf jeden Fall weiter halten.

Vielen Dank für das nette Interview! Andreas May „live und in Farbe“ gibt es übrigens auf unserem PTAheute-Youtube-Channel. Dort haben wir einen Ausschnitt des Interviews für Sie aufgezeichnet und als Video zur Verfügung gestellt.