„Bewegte Apotheken“ mobilisieren Senioren

Apotheken, Sportvereine, Kommunen und die AOK bringen Senioren in Bewegung

Eine Gruppe von mehr als 20 Junggebliebenen traf sich vergangenen Dienstag vor der Auerhahn-Apotheke in Karlsruhe-Durlach um zu einem gemeinsamen Spaziergang mit Mobilisationsübungen aufzubrechen. | Bild: Cornelia Neth, PTAheute.de

Viele Junggebliebene über 60 bewegen sich im Alltag zu wenig und das, obwohl sich durch Bewegung gesundheitliche Beeinträchtigungen verbessern und sogar so manche Krankheit vermeiden ließe. Wie eine Apotheke es geschafft hat, ganze Gruppen von Senioren zu mobilisieren, haben wir uns im baden-württembergischen Karlsruhe angeschaut. Dort startete am vergangenen Dienstag die Aktion „Bewegte Apotheke“.

Mehr Freude an der Bewegung will das gemeinsame Projekt der Vereinsinitiative Gesundheitssport (INI), der „Rundum-Gesund-Apotheken" und der Stadt Karlsruhe in Kooperation mit der AOK Mittlerer Oberrhein vermitteln. Im Rahmen der „Bewegten Apotheke“ treffen sich Bewegungsfreudige jeweils dienstags im Wechsel an den Apotheken, um unter Anleitung einer professionellen Übungsleiterin des örtlichen Sportvereins bei einem einstündigen Spaziergang Übungen für ein besseres Gleichgewicht, stärkere Muskeln und eine gute Koordination zu machen. Die regelmäßigen Bewegungseinheiten sollen helfen, den Alltag mit Einkaufen, Gartenarbeit oder Putzen besser zu bewältigen. Ziel des Konzeptes, so die Mitorganisatorin Cornelia Rösner von der Löwen-Apotheke in Karlsruhe-Durlach, sei es unter anderem auch, soziale Kontakte zu stärken, einen Austausch zu ermöglichen und Gelegenheiten zu bieten, um neue Bekanntschaften zu schließen. So hätten beispielsweise viele ältere Menschen Angst, sich alleine zu einem Spaziergang auf zu machen, weil sie sich nicht sicher seien, ob sie es schaffen. Andere hätten Angst vor Hunden, die ihnen bei einem Spaziergang begegnen könnten oder wollen schlichtweg nicht alleine spazieren gehen. An den begleiteten Gesundheitsspaziergängen kann jeder zwanglos und ohne Anmeldung mitmachen. Eine spezielle Sportkleidung ist nicht notwendig. So können auch Menschen teilnehmen, die nicht die finanziellen Möglichkeiten für die Teilnahme an entsprechenden Kursen haben.

Angebot richtete sich zunächst an Diabetiker

Bereits 2012 startete die Karlsruher Löwen-Apotheke mit dem Motto „Medikament Bewegung“ gemeinsam mit dem Deutschen Diabetiker Bund, der AOK Mittlerer Oberrhein und der Vereinsinitiative Gesundheitssport e.V. (INI) geführte halbstündige Spaziergänge mit vorheriger und anschließender Blutzuckermessung. Das Angebot richtete sich zunächst auch hauptsächlich an die Diabetiker, die von der Apotheke betreut wurden und wurde von Anfang an sehr gut angenommen. So staunten die Teilnehmer der ersten Runde nicht schlecht, dass bereits ein gemütlicher Spaziergang von nur einer halben Stunde zur Senkung ihrer Blutzuckerwerte führte.

Nach einer halben Stunde zügigem Spaziergang folgen bei der „Bewegten Apotheke“ ein paar Übungen für ein besseres Gleichgewicht, stärkere Muskeln und eine gute Koordination. | Bild: Cornelia Neth, PTAheute.de

Unterstützung von Kommune und AOK

2015 startete die Vereinsinitiative Gesundheitssport (INI) mit einem Pilotprojekt im Karlsruher Stadtteil Durlach-Aue gemeinsam mit der TG Aue – zunächst ohne finanzielle Unterstützung. Auch 2016 übernahm der Sportverein, die TG Aue anfangs die Kosten für ihre Übungsleiter. 2017 ist die Vereinsinitiative Gesundheitssport e.V. (INI) mit der Stadt Karlsruhe (Umwelt- und Arbeitsschutz) und der AOK eine Kooperation eingegangen. Die Stadt unterstützt die Aktion öffentlichkeitswirksam und die AOK finanziell. Auch die Apotheken unterstützen die Aktion beispielsweise mit Warnwesten, Regenschirmen oder anderen hilfreichen Accessoires. In diesem Jahr wird die „Bewegte Apotheke“ an vier Standorten in Karlsruhe durchgeführt. Auch im Landkreis sind dieses Jahr ein paar „Bewegte Apotheken“ an den Start gegangen.

Diana Marusic von der Vereinsinitiative Gesundheitssport kennt die Idee der „Bewegten Apotheke“ aus Wien, aber auch in Stuttgart ist das Projekt seit einigen Jahren schon gut angenommen. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass das auch in Karlsruhe funktioniert. Wir wünschen uns natürlich noch viel mehr Apotheken, die gemeinsam mit einem Sportverein so etwas anbieten.“

Kundenbindungsinstrument für die Apotheken

Die Apotheke, die gerade zu vielen älteren Menschen ein Vertrauensverhältnis pflegt, öffnete die Tür zur Zielgruppe für den örtlichen Sportverein und die Gesundheitsinitiative. Für die Apotheke selbst erhöhte sich durch die öffentlichkeitswirksamen Aktionen nicht nur der Bekanntheitsgrad. Auch die Glaubwürdigkeit („Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen!“) stieg. Durch das erweiterte Serviceangebot wurde ein neues Kundenbindungsinstrument geschaffen. Anfangs, so Cornelia Rösner aus der Löwen-Apotheke in Karlsruhe-Durlach, war es sehr viel Organisationsaufwand. „Es wurden Flyer gedruckt, die Kunden eingeladen, noch einmal daran erinnert usw. Heute ist das Ganze ein wahrer Selbstläufer geworden.“