Das Männer-Organ Prostata

Welche Probleme können im Alter auftreten?

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Die Prostata ist ein Geschlechtsorgan, das nur Männer besitzen. Meist findet sie erst dann Beachtung, wenn sie Probleme bereitet. Prostatakrebs ist bei Männern in Deutschland die häufigste Krebserkrankung. Eine gutartige Vergrößerung wie beim benignen Prostatasyndrom (BPS) wäre dagegen eigentlich kaum von Bedeutung, wenn sie nicht zu vielfältigen Miktionsstörungen führen könnte.

Wichtig für die Fruchtbarkeit

Die Prostata oder Vorsteherdrüse des Mannes ist ein aus Muskel-, Binde- und Drüsengewebe aufgebautes Organ. Sie umschließt den Beginn der Harnröhre und hat normalerweise die Größe und Form einer Kastanie.  Eine normale Prostata wiegt etwa 20 bis 30 Gramm. 
Die Drüse bildet ein milchigtrübes Sekret, das den in den Hoden gebildeten Samen für die Befruchtung vorbereitet. Dazu enthält es Enzyme wie das Prostata-spezifische Antigen (PSA), welches das Sperma verflüssigt, sowie das biogene Amin Spermin, das die Spermien aktiviert.

Wachstum der Drüse im Alter

Als Teil des natürlichen Alterungsprozesses beginnt die Prostata bei vielen Männern ab dem 30. Lebensjahr wieder zu wachsen. Jeder zweite Mann hat etwa ab dem 50. Lebensjahr eine vergrößerte Prostata, bei den über 80-Jährigen sind es sogar 90 Prozent. Die Ursache des erneuten Wachstums ist noch nicht genau geklärt. Vermutlich handelt es sich um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, wobei ein altersbedingtes Ungleichgewicht der Sexualhormone eine große Rolle spielt. Sowohl Dihydrotestosteron als auch das im Alter deutlich mehr beim Mann vorhandene Estradiol können das Wachstum fördern.

Gutartige Vergrößerung oder gefährlicher Tumor

Bei einer gutartigen (benignen) Vergrößerung der Prostata spricht man von einer benignen Prostatahyperplasie (BPH). Bösartige (maligne) Veränderungen werden als Prostatakarzinom bezeichnet. Dieser Tumor ist bei Männern die dritthäufigste tödliche Krebsart.

Beschwerden beim Wasserlassen

Wenn sich die Prostata auf 60 bis 100 Gramm vergrößert, kommt es zu verschiedenen Beschwerden. Obstruktive Symptome entstehen, wenn der Harnabfluss durch die Einengung der Harnröhre behindert wird und es zu Störungen beim Wasserlassen kommt. Dann kann der Harn willentlich nur noch verzögert (Dysurie) oder unter Schmerzen entleert werden (Algurie); der Harnstrahl ist abgeschwächt, und im Anschluss an die Miktion kann Harn nachträufeln.
Bleibt in der Blase Restharn zurück, können sich Bakterien vermehren und Harnwegs-, Prostata- und sogar Nierenentzündungen auslösen. Ist die Restharnmenge so groß, dass sich die Blase nicht mehr zusammenziehen kann, entsteht eine Überlaufblase mit ständigem Harnträufeln. Ein Rückstau bis in die Nieren kann zum Nierenversagen führen. Im Extremfall kann es zu einer akuten, sehr schmerzhaften Harnverhaltung (Ischurie) kommen, bei der die Blase überdehnt wird und die als Notfall behandelt werden muss.

Reizsymptome

Zu den irritativen Symptomen gehört ein vermehrter Harndrang. Dazu kommt es, weil die Blase den zunehmenden Widerstand der Prostata überwinden und zur Entleerung stärkere Reize aussenden muss. Die Folge ist ein häufiger Harndrang bei geringer Harnmenge (Pollakisurie). Weil der Harndrang auch nachts verstärkt ist, wird der Schlaf gestört. Sind nächtlich mehr als zwei Toilettengänge notwendig, wird das als Nykturie bezeichnet. Eine weitere Folge ist ein plötzlicher, unwiderstehlicher Harndrang, bei dem auch unwillkürlich Harn abgehen kann (überaktive Blase, Urge-Inkontinenz).

Behandlung mit α1-Rezeptorenblockern

Die benigne Prostatahyperplasie wird meist medikamentös mit Alpha-Blockern (α1-Adrenozeptor-Antagonisten) behandelt. Dazu gehören beispielsweise die Wirkstoffe Tamsulosin, Alfuzosin, Terazosin, Doxazosin und Silodosin. Die Blockade von α1-Rezeptoren bewirkt eine Erschlaffung der glatten Muskulatur von Prostata, Blasenhals und Harnröhre. Dies hat einen erleichterten Harnabfluss zur Folge. In adäquater Dosierung sind die Wirkstoffe gleich wirksam. Tamsulosin und Alfuzosin werden oft bevorzugt, da sie den Blutdruck weniger stark senken. Trotzdem muss eine blutdrucksenkende Wirkung immer berücksichtigt werden. Die Wirkung tritt innerhalb weniger Tage mit spürbarer Besserung der Symptome ein und hält bei längerfristiger Therapie auch an. Als Nebenwirkungen sind unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerz, Diarrhö, Schwellung der Nasenschleimhaut, grippale Symptome und eine hypotone Dysregulation möglich.

5α-Reduktase-Hemmer

5α-Reduktase-Hemmer wie Dutasterid und Finasterid können das Fortschreiten des BPS verlangsamen. Sie wirken, indem sie die Umwandlung von Testosteron in seine Wirkform Dihydrotestosteron verhindern. Dadurch wird das Wachstum der Prostata gehemmt. Die Prostata verkleinert sich, wodurch sich der Harnfluss verbessert und die Beschwerden gelindert werden. Die Wirkung tritt jedoch erst nach mehreren Monaten kontinuierlicher Einnahme ein. Zu den unerwünschten Wirkungen zählen eine Abnahme des Ejakulatvolumens, Libidoverlust, eine erektile Dysfunktion sowie Gynäkomastie, ein unerwünschtes Wachstum der Brüste bei Männern.
5α-Reduktase-Hemmer und α1-Rezeptorenblocker können auch kombiniert werden (z.B. Duodart®).

Tadalafil zur Symptombehandlung bei BPS

Seit dem Jahr 2012 ist mit Tadalafil in einer Dosierung von 5 mg ein PDE-5-Hemmer zur Symptombehandlung bei BPS zugelassen, wobei die Kosten für das Präparat (Cialis® 5mg) seit Juni 2014 bei dieser Indikation auch von den Krankenkassen übernommen werden. Die erektile Dysfunktion zählt zu den häufigsten Begleiterkrankungen des BPS. Tadalafil verbessert die Durchblutung und relaxiert die Muskulatur von Prostata und Blase. Bis zum Wirkeintritt vergehen circa ein bis zwei Wochen.

Auch andere Wirkstoffe werden gegen die Symptome einer überaktiven Blase eingesetzt. Bei Speicherbeschwerden der Blase helfen Substanzen wie z.B. Darifenacin (Emselex®), Propiverin (Mictonorm®), Solifenacin (Vesikur®) oder Trospiumchlorid (Spasmex®).

Martina Schiffter-Weinle
Apothekerin, Redakteurin ptaheute.de
onlineredaktion@ptaheute.de

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