Das war der Deutsche Apothekertag 2017

Bild: Schelbert / PTAheute

Vom 13. bis 15. September fand in Düsseldorf der Deutsche Apothekertag (DAT) statt. Angereist waren rund 400 Delegierte der 34 Mitgliedsorganisationen – 17 Landesapothekerkammern und 17 Verbände – der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Einmal im Jahr treffen sie sich zur sogenannten Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker. Sie diskutieren die aktuelle politische Lage und beraten über zahlreiche Anträge, die von den Mitgliedsorganisationen eingebracht werden.

Zur Eröffnung des DAT war auch in diesem Jahr Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe gekommen. Eine gute Woche vor der Bundestagswahl ließ es sich der CDU-Politiker nicht nehmen, den Apothekern zu verdeutlichen, dass er ganz hinter ihnen steht, wenn es um das Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel geht. Aufgekommen war diese Forderung nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 19. Oktober 2016. Denn danach sind EU-ausländische Versandapotheken wie DocMorris oder die Europa Apotheek nicht an die Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel gebunden. Die Luxemburger Richter erklärten damit die Rezept-Boni der EU-Versender für zulässig – für deutsche Apotheken sind sie jedoch auch nach dem EuGH-Urteil verboten. Seitdem fordert die ABDA – und auch Gröhe –, den Versandhandel mit Arzneimitteln wieder auf rezeptfreie Arzneien zu beschränken. Durchsetzen konnte Gröhe das Verbot in der zu Ende gegangenen Legislaturperiode jedoch nicht – was am Koalitionspartner SPD lag. Dafür griff der Minister die Sozialdemokraten scharf an: „Ich hätte niemals gedacht, dass ich den Sozis noch einmal erklären muss, dass Preiswettkampf in der Versorgung nicht geht und dass das Sachleistungsprinzip und die Schnäppchenjagd nicht zusammenpassen.“ Für die nach der Bundestagswahl voraussichtlich anstehenden Koalitionsverhandlungen kündigte er an, dass das Versandverbot ein „sehr, sehr wichtiger Punkt“ sein werde. „Wir werden alles, das in unserer Kraft liegt, dafür tun, dass das Rx-Versandverbot kommt.“ Gröhe betonte, dass die flächendeckende Arzneimittelversorgung durch die Apotheken vor Ort nicht gefährdet werden dürfe. Sie funktioniere gut und benötige keine Veränderungen. „Das rote ‚A‘ ist der erste rote Anker für die Menschen, die Apotheken sind bei Gesundheitsfragen oft der erste Ansprechpartner. Regulierungen wie das Fremdbesitzverbot haben sich daher bewährt, sie stehen nicht zur Disposition.“

Gesundheitspolitische Diskussion ohne Zündstoff

Neben Gröhe waren auch andere Politiker der Einladung der ABDA zum DAT gefolgt. Zur politischen Diskussion hatte man sich eine Debatte mit Vertretern aller vier im letzten Bundestag vertretenen Fraktionen gewünscht. SPD und Grüne sahen sich aber nicht in der Lage oder in der Stimmung, einen solchen Vertreter zu finden. Und so kamen nur Maria Michalk für die CDU, die sich in der nächsten Legislaturperiode aus der Bundespolitik zurückzieht, und Kathrin Vogler, die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Trotz der großen Gräben zwischen den beiden Parteien eint Union und Linke eines: Beide plädieren für das Rx-Versandverbot. Vor diesem Hintergrund blieb die Diskussion, an der zudem der Präsident der Bundesapothekerkammer Andreas Kiefer und ABDA-Vorstandsmitglied Cythia Milz teilnahmen, weitgehend harmonisch. Einig war man sich auch darin, dass nach der Wahl ernsthaft über die künftige Honorierung der Apotheker gesprochen werden muss. Dazu will man nun erst einmal ein Gutachten zum Änderungsbedarf der Arzneimittelpreisverordnung abwarten, welches das Bundeswirtschaftsministerium vor rund eineinhalb Jahren in Auftrag gegeben hat – es soll im November vorgestellt werden. Kiefer stellte zudem klar, dass zum jetzigen Grundhonorar der Apotheker mehr Gestaltungsmöglichkeiten kommen müssten – insbesondere soll eine Rechtsgrundlage für die Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen, etwa die Leistungen rund um den Medikationsplan, geschaffen werden. Vogler betonte, dass es aus ihrer Sicht nicht richtig ist, dass das Apothekenhonorar ausschließlich an die Arzneimittelabgabe gebunden ist. Der Apotheker müsse auch mal „nein“ sagen können, ohne einen wirtschaftlichen Schaden zu erleiden.

Bevor es dann richtig mit der Hauptversammlung losging, zog noch ABDA-Präsident Friedemann Schmidt in seinem Lagebericht Bilanz. In seiner Rede betonte er, wie wichtig das Menschliche und der persönliche Kontakt mit den Kunden in der Apotheke sind. Es gebe keine ernsthafte Alternative zur persönlichen Begegnung Auge in Auge mit den Patientinnen und Patienten. Doch mittlerweile sei ein ökonomischer Druck entstanden, der mehr und mehr Menschen dazu bringe, sich für den Versandhandel zu entscheiden. Derzeit mag dies noch die Ausnahme sein – doch setzt sich Trend weiter durch, würde das fachlich unverzichtbare Prinzip, dass der Arzneimittelabgabe im Regelfall ein persönlicher Kontakt zwischen Heilberufler und Patient vorausgehen soll „zu einer hohlen Phrase“, fürchtet der ABDA-Präsident.

Medikationsplan: Nur mit Apothekern ein Erfolg

Kritisch sieht Schmidt das Projekt Medikationsplan verlaufen. Bekanntlich spielen bei diesem die Apotheker nur eine Nebenrolle. Sie dürfen den Plan, der zunächst in Papierform eingeführt wurde, nur auf Patientenwunsch ergänzen – etwa um OTC. So sieht es das E-Health-Gesetz vor. Mittlerweile werde aber klar, dass der Medikationsplan nicht zum Erfolg werden könne, „solange die Apotheken nicht als seine Fürsprecher und Sachwalter voll an Bord sind.“ Schmidt machte deutlich: „Ein wirklich praktikabler Medikationsplan wird also mit Apotheken kommen oder er wird gar nicht kommen.“ Der ABDA-Präsident forderte überdies, dass auch Apotheker für ihre Leistungen rund um den Medikationsplan angemessen vergütet werden. Ein weiteres Thema des Lageberichts waren Liefer- und Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln. Hier müsse es unter anderem erweiterte Meldepflichten geben. Langfristig müsse man dafür sorgen, dass es (wieder) ein versorgungssicherndes Mindestmaß an pharmazeutischer Produktion innerhalb Europas gebe.

Sodann arbeiteten die Delegierten die zahlreichen Anträge ab. Sie rankten sich um die Sicherstellung der Versorgung, die pharmazeutische Kompetenz, Rahmenbedingungen der Berufsausbildung und die Digitalisierung. Beschlossen wurden beispielsweise Anträge, die das Rx-Versandverbot und wirksame Maßnahmen gegen Lieferengpässe fordern.

Parallel zum Apothekertag lief auf der Düsseldorfer Messe vier Tage lang die Expopharm – die größte europäische pharmazeutische Fachmesse. Mit mehr als 500 Aussteller präsentierten ihre Dienstleistungen und Produkte. Laut Veranstalter kamen knapp 27.000 Besucher, um sich über neue Trends im Apothekenmarkt zu informieren.

 

Kirsten Sucker-Sket
Korrespondentin der Deutschen Apotheker Zeitung
onlineredaktion@ptaheute.de