Dem Husten auf die Schliche kommen

Mit gezielter Beratung zum richtigen Produkt

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Die Ursachen eines Hustens können vielfältig sein – und nicht immer sollte er im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Geschickte Fragen helfen dabei, einen akuten von einem chronischen und einen trockenen von einem schleimigen Husten zu unterscheiden. Nur so kann man am Ende des Beratungsgesprächs ein geeignetes Produkt für den Patienten empfehlen.

Husten tritt häufig als lästiges Symptom einer Erkältung auf. Zu Beginn äußert er sich oft als trockener Reizhusten, bei dem ein quälender Hustenreiz vorhanden ist, jedoch kein Sekret abgehustet wird. Im Verlauf der Erkrankung geht er dann in einen produktiven Husten über. Das heißt, beim Husten wird reichlich zäher Schleim aus den Atemwegen herausbefördert. Gegen Ende der Erkältung kann dann wieder ein trockener Husten auftreten.

Husten – ein natürlicher Reflex

Husten dient in erster Linie dem Schutz des Körpers gegen störende Fremdkörperpartikel in der Lunge. Er tritt verstärkt auf, wenn die mucociliäre Clearance als Reinigungsmechanismus nicht mehr ausreicht. Der Hustenreflex wird durch Reize auf die Hustenrezeptoren ausgelöst. Die Signale der Hustenrezeptoren werden über Nervenbahnen ins Hustenzentrum weitergeleitet und dort verarbeitet.

Bei chronischem Husten zum Arzt

Um einen Patienten bezüglich seines Hustens richtig beraten zu können, ist es wichtig, zwischen einem chronischen und einem akuten Husten zu unterscheiden. Lediglich der akute Husten, der eine Dauer von maximal acht Wochen hat, kann im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Dauert ein Husten länger als acht Wochen an, spricht man von einem chronischen Husten. Ein chronischer Husten muss ärztlich abgeklärt werden, um die Ursache herauszufinden, denn ein möglicher Auslöser kann neben Tuberkulose, einem Bronchialkarzinom, COPD oder Asthma auch eine chronische Herzerkrankung sein. Ebenso können der krankhafte Rückfluss von Magensäure (gastroösophageale Refluxkrankheit, GERD), ein Fremdkörperpartikel in der Luftröhre bzw. in den Bronchien oder eine Lungenembolie Grund für einen Husten sein. Und auch bei der Einnahme bestimmter Arzneimittel kann ein Husten als Nebenwirkung auftreten, z. B. bei Blutdrucksenkern aus der Gruppe der ACE-Hemmer (z. B. Ramipril).

Akuter Husten kann im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden

Tritt der Husten als Begleitsymptom einer viralen oder bakteriellen Infektion auf, klingt er meist nach zwei bis drei Wochen wieder ab. In diesem Fall kann die Therapie im Rahmen der Selbstmedikation erfolgen. Eine sehr wichtige Frage bei der Beratung ist deshalb die nach der Dauer des Hustens. Neben einer mehr als zwei- bis dreiwöchigen Dauer des Hustens sprechen auch andere Dinge für einen Arztbesuch.

Grenzen der Selbstmedikation

  • hartnäckiger Husten, der sich nach zwei bis drei Wochen nicht bessert
  • Atemnot
  • Schmerzen beim Atmen
  • Brustschmerzen
  • auffällige Atemgeräusche wie Keuchen oder Pfeifen
  • Fieber (> 39° C) 
  • eitriger oder blutiger Auswurf
  • Husten, der vorrangig nachts auftritt
  • Husten bei Schwangeren
  • gehäuft auftretender Husten bei Kindern bzw. quälender Husten bei Kindern unter zwei Jahren

Den Husten stoppen oder das Abhusten fördern?

Die Auswahl eines geeigneten Medikamentes im Rahmen der Selbstmedikation erfolgt auf Grundlage der Art des Hustens: Handelt es sich um einen Reizhusten, wird ein Antitussivum, also ein Arzneimittel, das den Hustenreiz unterdrückt, eingesetzt. Beim produktiven Husten werden hingegen Expektoranzien bevorzugt, die das zähflüssige Sekret lösen und das Abhusten erleichtern. Auch eine Kombination aus Antitussivum und Expektorans ist in Ausnahmefällen denkbar, wenn der Husten zwar eigentlich produktiv ist, den Patienten jedoch nachts so sehr quält, dass er nicht zur Ruhe kommt. In diesem Fall sollte das Expektorans tagsüber (letzte Einnahme am Nachmittag) und das Antitussivum zur Nacht angewendet werden, um einen guten und erholsamen Schlaf zu ermöglichen. Idealerweise sollte diese Kombination jedoch vermieden werden, da sonst der eingeschränkte Hustenreflex zu einem Sekretstau führen kann.

Antitussiva bei Reizhusten

Die Einnahme eines Antitussivums empfiehlt sich besonders dann, wenn der Husten nachts auftritt. Es sollte jedoch nur kurzzeitig angewendet werden. Als OTC-Arzneimittel bei Reizhusten stehen Produkte mit Dextromethorphan, Pentoxyverin oder Dropropizin zur Verfügung. Bei Medikamenten, die Dextromethorphan enthalten, sollte in der Beratung auf die Auswirkungen hinsichtlich der Fahrtauglichkeit hingewiesen werden. Außerdem sollten die möglichen Wechselwirkungen mit bestimmten Antidepressiva abgeklärt werden. Wer ein pflanzliches Präparat bevorzugt, kann auf Eibischwurzel, Isländisch Moos, Malve oder Spitzwegerich zurückgreifen.

Expektoranzien erleichtern den natürlichen Abtransport des Sekrets

Expektoranzien können dafür sorgen, dass mehr dünnflüssige Bronchialflüssigkeit freigesetzt wird (Sekretolytika), die Viskosität des Schleims verringert (Mucolytika) bzw. die Bewegung der Zilien, die das Sekret aus den Atemwegen entfernen, verstärkt wird (Sekretomotorika).

Bei der Auswahl eines Arzneimittels besteht die Wahl zwischen chemisch-synthetischen und pflanzlichen Expektoranzien. Zu den chemischen Wirkstoffen gehören N-Acetylcystein, das NAC oder ACC abgekürzt wird, Bromhexin und dessen Abbauprodukt Ambroxol sowie Guaifenesin. Acetylcystein ist ein Abkömmling der Aminosäure Cystein. Über seine freie SH-Gruppe kann es Disulfid-Brücken spalten, die das Gerüst des Bronchialsekrets zusammenhalten. Dadurch wird der zähe Schleim flüssiger und kann leichter abtransportiert oder abgehustet werden.
Auch Bromhexin bewirkt eine Verflüssigung des Bronchialschleims, zusätzlich regt es die Sekretproduktion und die Bewegung der Flimmerhärchen an.
Ambroxol ist ein Abbauprodukt von Bromhexin, das wirksamer und besser verträglich ist als die Muttersubstanz, sodass es diese inzwischen weitgehend ersetzt hat.
Guaifenesin spielt auf dem deutschen Markt eine eher untergeordnete Rolle.

Pflanzliche Expektoranzien

Als Phytopharmaka eignen sich vor allem Pflanzen mit Saponinen oder ätherischen Ölen. Saponine reizen bestimmte Nervenendigungen im Magen, was dazu führt, dass in den Bronchien vermehrt Sekret produziert wird. Daneben können sie die Aktivität der Flimmerhärchen unterstützen und den Abtransport des Schleims fördern. Besonders gut erforscht sind Extrakte aus Efeublättern, auch in Süßholz- und Primelwurzeln sind viele Saponine enthalten.

Thymiankraut enthält ätherisches Öl mit expektorierender, antibakterieller und krampflösender Wirkung. Die Inhaltsstoffe stimulieren einerseits die Drüsenzellen zur Produktion von Sekret, andererseits fördern sie die Aktivität der Flimmerhärchen. Auch Cineol, der Hauptbestandteil aus Eukalyptusöl, wirkt schleimlösend und entzündungshemmend. Weitere Pflanzen, die ätherische Öle mit expektorierender Wirkung enthalten, sind Anis, Fenchel, Fichte, Kiefer sowie verschiedene Minzarten.