Digitale Rezeptsammelstelle eröffnet im Sparkassen-Foyer

Bild: Schelbert

Der Ort, an dem eine der ersten beiden digitalen Rezeptsammelstellen ans Netz gehen soll, ist nun bekannt: Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg teilte gestern mit, dass das Gerät in Neidlingen, etwa 50 Kilometer südöstlich von Stuttgart, in Betrieb gehen soll - im Sparkassen-Foyer. Was Rezeptsammelstellen betrifft, hat Neidlingen eine Vorgeschichte.

Am 25. Januar sollen in Deutschland gleich zwei digitale Rezeptsammelstellen in Betrieb genommen werden. Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg hatte gewissermaßen Pionierarbeit geleistet und sein Gerät im Herbst 2017 auf der Expopharm vorgestellt – eigentlich hätte das Gerät auch schon 2017 in die Versorgung integriert werden sollen, es gab aber Verzögerungen. Doch nun gibt es neben dem fixen Eröffnungstermin auch einen Ort: Neidlingen, das etwa 50 Kilometer südöstlich von Stuttgart liegt.

Am gleichen Tag wird im Saarland aber ein ganz ähnlicher Termin stattfinden: Die Apothekerkammer hat dort ebenfalls eine digitale Rezeptsammelstelle bauen lassen und will diese ebenfalls am 25. Januar in Betrieb nehmen. Dort wird Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) das Gerät mit Kammerpräsident Manfred Saar einweihen.

Doch zurück nach Neidlingen: Zur Eröffnung erscheinen hier neben Verbandspräsident Fritz Becker der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich sowie Klaus Däschler, Bürgermeister der Gemeinde und Herbert Wild, Chef der VSA GmbH, die das Gerät gemeinsam mit dem LAV entworfen hat. Das Besondere an der Versorgungsituation in Neidlingen ist, dass sich gleich zwei Apotheker die digitale Rezeptsammelstelle teilen werden. Die beiden Pharmazeuten betreiben Apotheken im benachbarten Weilheim. Bislang war auch unklar, wo genau das Gerät aufgebaut wird. Nun steht fest, dass die Neidlinger ihre Rezepte künftig im Foyer der Sparkasse abgeben können.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, hat der 1800-Einwohner-Ort am Fuße der Schwäbischen Alb eine Vorgeschichte: Bis 2016 mussten die Einwohner für den Arztbesuch und auch, um ihre Rezepte einzulösen, den Weg in die einige Kilometer entfernte 10.000-Einwohner-Stadt Weilheim antreten. Schließlich hatte die letzte Arztpraxis ihre Pforten geschlossen, eine Apotheke gibt es auch nicht. Bürgermeister Däschler wollte sich mit dieser Situation nicht abfinden und überzeugte einen Weilheimer Mediziner eine Filial-Praxis an vier Tagen in der Woche zu eröffnen. Im Herbst 2016 genehmigte die Kammer dann noch eine Rezeptsammelstelle in dem Ort – in einem Briefkasten direkt vor der Praxis können die Neidlinger seitdem ihre Rezepte deponieren.

Wie funktionert das Gerät?

Schon damals teilten sich die beiden Apotheker aus Weilheim die Arbeit rund um den Rezept-Briefkasten. Alle vier Monate wechselt demnach die Zuständigkeit für die Neidlinger Rezepte. Und in dem Ort fallen nicht wenig Rezepte an: Schließlich hat Neidlingen ein Altersheim – eine Zeit lang wurde auch darüber spekuliert, ob die digitale Rezeptsammelstelle auch im Foyer des Heimes aufgestellt werden sollte. Schon zur Einweihung der Rezeptsammelstelle waren damals Becker und Hennrich gekommen.

Mit der digitalen Rezeptsammelstelle sollen sich jetzt nach der Vorstellung des LAV viele Prozesse vereinfachen für die beliefernden Apotheker. Und so funktioniert die fertige Sammelstelle in der Praxis: Der Patient bestätigt auf dem Touchscreen zunächst die Datenschutzerklärung. In den oberen Schlitz führt er dann das Rezept ein und wird dann gefragt, ob er per Schriftmitteilung oder Anruf noch Kontakt zum Apotheker aufnehmen möchte. Will er keinen direkten Kontakt, druckt das Gerät die Empfangsquittung aus.

Auf dem Bon stehen eine Abholnummer sowie der Name der Apotheke samt Öffnungszeiten und Telefonnummer. Eine Kontaktaufnahme ohne Rezepteingabe ist nicht vorgesehen. Die Datenübertragung funktioniert entweder über LAN oder WLAN. Sollten beide Wege ausfallen, kann das Gerät sogar per Mobilfunknetz kommunizieren. Sollte auch das nicht funktionieren, oder das Gerät komplett ausfallen, hat die Sammelstelle einen klassischen Briefkasten-Schlitz an der Seite.

Benjamin Rohrer
Chefredakteur DAZ.online
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