Essstörungen: Wie Eltern vorbeugen können

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An Essstörungen leiden in Deutschland immer mehr Menschen. Grundsätzlich können Magersucht und Bulimie in jedem Lebensalter auftreten. Jugendliche in der Pubertät sind jedoch besonders gefährdet. Einen sicheren Schutz vor Essstörungen gibt es nicht. Dennoch können Eltern einiges zur Vorbeugung tun.

Essstörungen treten vor allem in Lebensphasen mit Umbrüchen auf. Unsicherheit und schwankendes Selbstwertgefühl können den Boden dafür bereiten. Gerade bei Mädchen in der Pubertät lassen Zufriedenheit mit dem Aussehen und positive Gefühle dem eigenen Körper gegenüber nach. Da kann dann schon eine unbedachte Bemerkung wie „Du solltest echt mal abnehmen!“ den Auslöser für die Krankheit geben.

Essstörungen nehmen zu

Von 100.000 Mädchen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren erkrankten früher 20 an Magersucht. Heute sind es 50. Einzelne Symptome einer Essstörung haben bereits viele Jugendliche. Bei etwa einem Fünftel aller 11- bis 17-Jährigen liegt ein Verdacht auf eine Essstörung vor. Das zeigt eine Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Die drei häufigsten Formen von Essstörungen

  • Magersucht (Anorexia nervosa): Das Körpergewicht liegt mindestens 15 Prozent unter dem minimalen Normalgewicht. Betroffene nehmen ihr Gewicht und ihren Körper verzerrt wahr. Sie haben panische Angst, dick zu werden – trotz Untergewichts. Circa 95 Prozent der Betroffenen sind weiblich.
  • Bulimie (Ess-Brechsucht): Die Betroffenen leiden unter Heißhungeranfällen. In kürzester Zeit essen sie sehr große Mengen. Um nicht zuzunehmen, erbrechen sie sich meist nach diesen Essattacken. Circa 90 Prozent der Betroffenen sind weiblich.
  • Binge-Eating (Essattacken ohne Erbrechen): Die Betroffenen leiden an regelmäßigen Heißhungerattacken. Anders als bei der Bulimie ergreifen sie aber keine Gegenmaßnahmen. Diese Störung ist meist mit Übergewicht oder Fettleibigkeit verbunden. Männer und Frauen sind ungefähr gleich häufig betroffen.

Ursachen für Essstörungen

Einen Grund für die Zunahme von Essstörungen sehen Experten vor allem in gesellschaftlichen Einflüssen durch bestimmte Schönheitsideale oder Schlankheitsdruck. Essstörungen sind jedoch noch von verschiedenen anderen Faktoren abhängig. Dazu gehören genetische Grundlagen und Persönlichkeitsmerkmale wie etwa Perfektionismus. Eine entscheidende Rolle spielt außerdem das soziale und familiäre Umfeld. So können gerade die Eltern rechtzeitig Strategien entwickeln, um einem gestörten Essverhalten vorzubeugen.

Die Rolle der Eltern – das können Sie tun

  • Selbstwertgefühl stärken
    Alles, was das Selbstbewusstsein und die Selbstannahme fördert, wirkt präventiv. Eltern sollten ihren Kindern vorleben, dass Unzulänglichkeiten und Fehler zum Leben dazugehören.
  • Gesundes Körperbewusstsein fördern
    Eltern können ein positives Körpergefühl fördern, zum Beispiel durch Freude an Bewegung und ein respektvoll-zärtliches Miteinander. Kritische Bemerkungen über die Figur sollten unterbleiben.
  • Gutes Ernährungsverhalten vorleben
    Bei gemeinsamen Mahlzeiten können Eltern mit gutem Beispiel vorangehen – durch eine gesunde und gleichzeitig genussvolle Ernährung. Machtspiele und Zwang beim Essen sollte es nicht geben. Umgekehrt sollten Essen oder Süßigkeiten nicht als Belohnung, Trost oder Liebesersatz eingesetzt werden.
  • Übergewicht vorbeugen
    Ein normales Körpergewicht in der Kindheit – durch gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung – beugt späteren Essstörungen vor.
  • Kein Smalltalk über das Gewicht
    Eltern sollten sich den Smalltalk über das eigene Gewicht und das der anderen Familienmitglieder verkneifen. Studien zeigen, dass schon kleine Mädchen verunsichert sind, wenn ihre Mütter mit dem eigenen körperlichen Erscheinungsbild unzufrieden sind.
  • Keine Diät für Heranwachsende
    Durch eine radikale Diät können Teenager leicht in eine Essstörung rutschen. Heranwachsende, für die ein Gewichtsverlust sinnvoll wäre, sollten nur langsam abnehmen und dabei ärztlich begleitet werden.
  • Kritisches Medienbewusstsein fördern
    Eltern sollten ihre Kinder dazu anregen, typisch männliche und weibliche Rollenzuweisungen zu hinterfragen. Dazu gehören auch gängige Schönheitsideale. Hierfür ist es wichtig, dass Kinder ein kritisches Medienbewusstsein entwickeln.

Quellen: Deutsches Grünes Kreuz e.V.; Bundesministerium für Gesundheit