Flüssige Zubereitung mit Estradiolbenzoat – 3. Ringversuch 2019

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Noch bis zum 31. Dezember läuft der Untersuchungszeitraum des dritten ZL-Ringversuches. Geprüft wird eine alkoholische Lösung mit dem Wirkstoff Estradiolbenzoat. Wir haben unsere Rezepturexpertin Dr. Annina Bergner für Sie nach den wichtigsten Tipps und Hinweisen gefragt.

Laut Apothekenbetriebsordnung sollte jede Apotheke im Rahmen ihres Qualitätsmanagements regelmäßig an Maßnahmen zur externen Qualitätsüberprüfung teilnehmen. Um die Qualität der Herstellungsprozesse in der Rezeptur zu überprüfen, sind die vom Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker durchgeführten Ringversuche gut geeignet.

Im 3. Ringversuch in diesem Jahr wird dabei eine alkoholische Lösung mit dem Wirkstoff Estradiolbenzoat getestet. Neben der korrekten Dosierung ist die gleichmäßige Verteilung des Arzneistoffs in der Zubereitung ein entscheidendes Qualitätskriterium. Dies kann nur durch eine fachgerechte Herstellung gewährleistet werden. Idealerweise wird die Ringversuchs-Rezeptur im Rahmen des normalen Apothekenbetriebs angefertigt. Jede Apotheke wählt dazu selbst ein geeignetes Verfahren zur Herstellung aus.

Vorschlag für eine Rezeptur

Estradiolbenzoat

0,015 g

Propylenglycol

5,0 g

2-Propanol 70 % (V/V)

zu 100,0 g

Häufig werden Estradiolbenzoat-Lösungen mit 0,005- bis 0,015-prozentiger Konzentration verordnet und zum Auftragen auf die Kopfhaut bei androgenetisch bedingtem Haarausfall angewendet. Alkoholische Estrogen-Zubereitungen führen häufig zu Reizerscheinungen auf der Kopfhaut. In der Praxis wird deshalb versucht den Alkoholgehalt möglichst gering zu halten und durch Zugabe von Propylenglycol als Feuchthaltemittel die Verträglichkeit zu verbessern.

Löslichkeit

Estradiolbenzoat ist in Wasser praktisch unlöslich, auch in Alkohol-Wasser-Gemischen ist der Wirkstoff nur begrenzt löslich. Teilweise wird daher in entsprechenden Zubereitungen nach Rücksprache mit dem Arzt das besser lösliche Estradiol-Hemihydrat eingesetzt. Im Ringversuch geht es aber nun darum, Estradiolbenzoat fachgerecht aufzulösen. In therapeutisch üblichen Dosierungen zeigt der Feststoff in 2-Propanol 70 % (V/V) auch eine ausreichende Löslichkeit. Im Vergleich zu Ethanol ist 2-Propanol durch den geringfügig größeren Kohlenwasserstoff-Rest leicht lipophiler und daher für Substanzen wie Estradiolbenzoat als Lösungsmittel besser geeignet.

Herstellung

Das Abwiegen von Estradiolbenzoat muss auf einer Analysenwaage erfolgen. Bei der Einwaage kann dabei je nach Zertifikat eine Einwaagekorrektur erforderlich sein. Der Wirkstoff wird dann zunächst in reinem Isopropanol gelöst. Um Estradiolbenzoat vollständig aufzulösen muss der Ansatz erfahrungsgemäß auf ungefähr 70 °C erwärmt werden. Damit das Auflösen der doch sehr geringen Menge an Feststoff gut kontrolliert werden kann, empfiehlt es sich auf einer schwarzen Unterlage zu arbeiten.

Nach dem Abkühlen werden entsprechende Verdunstungsverluste mit reinem Alkohol ersetzt. Anschließend kann die Lösung mit Gereinigtem Wasser auf 70 % verdünnt werden. Zum Schluss wird mit Propylenglycol auf 100 g fertige Lösung aufgefüllt und die Zubereitung in eine Pipettenflasche abgefüllt. In Konzentrationen über 15 % (V/V) wirkt 2-Propanol konservierend, die flüssige Zubereitung gilt daher auch ohne Zusatz eines Konservierungsmittels als mikrobiell stabil und besitzt eine Aufbrauchsfrist von 6 Monaten.

Achtung Volumenkontraktion

Wie auch bei Ethanol kommt es beim Mischen mit Wasser bei 2-Propanol zu einer sogenannten Volumenkontraktion. Diese Volumenkontraktion macht es erforderlich, die Mengen der beiden einzuwiegenden Flüssigkeiten über den Gehalt in Massenprozent zu berechnen. Als praktische Hilfe sind in den DAC/NRF-Tabellen für die Rezeptur entsprechende 2-Propanol-Wasser-Gemische in verschiedenen Konzentrationen zu finden. Dabei sind die jeweils einzuwiegenden Massen an Isopropanol und Gereinigtem Wasser für jeweils 100 g Lösung aufgeführt. Durch einen einfachen Dreisatz kann so auf die jeweils benötigte Menge an Flüssigkeiten in der Zubereitung umgerechnet werden.

Dr. Annina Bergner
Apothekerin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de