Jugendliche Fettsucht: verzehnfacht in 40 Jahren

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Auf unserem Globus leben heute zehnmal mehr fettleibige Kinder und Jugendliche als vor 40 Jahren. Diese alarmierende Zahl hat jetzt eine riesige Studie unter Leitung der Weltgesundheitsorganisation WHO präsentiert. Wissenschaftler weltweit fordern, etwas gegen die grassierende Adipositas zu unternehmen.

Bald mehr fettleibige als untergewichtige Kinder?

Hält der derzeitige Trend an, so wird es schon im Jahr 2022 weltweit mehr fettleibige als untergewichtige Kinder und Jugendliche geben. Das prognostiziert die soeben veröffentlichte neue Studie. Auch Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums waren daran beteiligt.

Bedrohliche Entwicklung

Die Studie dokumentiert erschreckende Zahlen: Während im Jahr 1975 die Rate adipöser Kinder und Jugendlicher weltweit bei unter einem Prozent lag, stieg sie bis 2016 auf annähernd sechs Prozent bei Mädchen und fast acht Prozent bei Jungen. Die Zahl fettleibiger 5- bis 19-Jähriger hat sich von einst 11 Millionen Betroffenen auf heute 124 Millionen erhöht. Weitere 213 Millionen Kinder auf der Welt sind zwar noch nicht fettleibig, aber bereits stark übergewichtig.

Länder mit den größten Steigerungen

In einigen Regionen der Welt nahm die Zahl fettleibiger Jugendlicher in den vergangenen 40 Jahren besonders stark zu. Dazu zählen die reichen englischsprachigen Länder, also USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Irland, UK. Aber auch in Ostasien, im mittleren Osten und in Nordafrika gab es enorme Zuwächse. Innerhalb Europas sind Mädchen in Malta (11,3 Prozent) und Jungen in Griechenland (16,7 Prozent) am stärksten von Adipositas betroffen.

Schere zwischen Arm und Reich

Die Studienautoren haben eine bemerkenswerte Feststellung gemacht: In Ländern mit höherem Durchschnittseinkommen stagniert der Adipositas-Trend seit einigen Jahren – allerdings auf inakzeptabel hohem Niveau. In Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen steigt die Rate dagegen immer noch an.

Gegenmaßnahmen gefordert

Tritt bereits in der Jugend ein extrem hoher Body-Mass-Index (BMI) auf, wirkt sich das meist lebenslang negativ auf die Gesundheit aus. Die Wissenschaftler fordern daher, dieser Gesundheitsbedrohung deutlich gegenzusteuern. Nach einem WHO-Aktionsplan sollen sich die betroffenen Länder besonders darum bemühen, den Konsum von billigen, hochverarbeiteten, energiedichten Nahrungsmitteln einzuschränken. Parallel dazu sollen Kinder zu mehr körperlicher Aktivität angehalten werden.

Untergewicht nicht vergessen

Trotz der bedrohlichen Adipositas-Zunahme darf nicht vergessen werden, dass es weltweit immer noch extrem viele untergewichtige Kinder gibt. Deren Zahl wurde für 2016 auf insgesamt 192 Millionen Mädchen und Jungen beziffert. Besonders betroffen ist Indien. Dort waren im vergangenen Jahr 97 Millionen Kinder und Jugendliche untergewichtig.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de

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