Kalt erwischt!

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Kalte Finger im Winter auf dem Weihnachtsmarkt oder bei einer Schneeballschlacht – das gehört irgendwie dazu. Doch manche Menschen sind besonders anfällig und leiden sehr häufig unter kalten Händen, auch bei vergleichsweise milden Temperaturen. Was kann dahinterstecken? Womöglich sogar eine Krankheit?

Die Blutversorgung in Armen und Beinen wird bei Kälte gedrosselt, um zu verhindern, dass der Körper unnötig Wärme an die Umgebung verliert. Die Hände sind verhältnismäßig weit entfernt von der Körpermitte und kühlen deshalb bei niedrigen Temperaturen besonders leicht aus. Mithilfe dieses sowie weiterer Mechanismen gelingt es, die Körpertemperatur im Kern auf einem gleichbleibenden Wert zu halten. Somit wird sichergestellt, dass das Gehirn und andere lebensnotwendige Organe funktionsfähig bleiben. Tendenziell frieren Frauen leichter als Männer. Hierfür ist die geringere Muskelmasse verantwortlich, denn Muskeln produzieren Wärme und heizen so dem Körper ein. Hinzu kommt, dass an den Händen kaum isolierende Fettdepots vorhanden sind.

Meist harmlos und ohne Krankheitswert

Kalte Hände und Füße sind zwar unangenehm und störend, aber selten wirklich gefährlich. Meist lassen sich kalte Extremitäten auf eine harmlose Ursache zurückführen und sind somit eine lästige Beschwerde ohne Krankheitswert. Eine Ausnahme sind plötzlich auftretende, einseitige Beschwerden. Diese sind ernst zu nehmen und gegebenenfalls ärztlich abzuklären, denn sie können Anzeichen einer gefährlichen Mangeldurchblutung zum Beispiel infolge einer Thrombose beziehungsweise einer Embolie sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kalte Hände sind ein Symptom, welches nur in seltenen Fällen auf eine schwere Erkrankung zurückzuführen ist
  • Kalte Extremitäten sind ein Hinweis auf eine verminderte Durchblutung an den entsprechenden Körperteilen
  • Viele Faktoren beeinflussen das feine Regelwerk der Durchblutung – Stress und Schlafmangel ebenso wie Alkohol und Nicotin
  • Häufiges Frieren kann auch die Folge einer Schilddrüsenunterfunktion sein
  • Betablocker oder ACE-Hemmer können kalte Hände begünstigen
  • Beim Morbus Raynaud kommt es wiederkehrend zu Spasmen der kleinen peripheren Gefäße. Ausgelöst werden sie meist durch einen Kältereiz. Die Folge ist eine kurzfristige Mangelversorgung des dahinterliegenden Gewebes mit Blut.

Vielfältige Ursachen kommen infrage

Verschiedenste Faktoren nehmen auf die Regulation der Blutzufuhr in den Händen Einfluss. Somit kommen vielfältige Ursachen der Beschwerden infrage. Vor allem niedrige Temperaturen sowie ein unzureichender Schutz vor der Kälte führen zu kalten Händen. Gleichzeitig begünstigen verschiedene weitere Faktoren deren Auftreten. So können Schlafmangel, Stress oder Angst die Beschwerden verstärken. Darüber hinaus hat der Genuss von Alkohol sowie das Rauchen ebenfalls Auswirkungen. Das im Tabakrauch enthaltene Nicotin sorgt kurzfristig für eine Gefäßverengung und somit für schlecht durchblutete, kalte Finger. Gleichzeitig ist das Rauchen auf lange Sicht einer der wichtigsten Risikofaktoren für Arteriosklerose und die damit einhergehenden negativen Folgen für die Gefäße.

Eine verminderte Durchblutung

Kalte Hände sind ein Zeichen für eine unzureichende Durchblutung des peripheren Gewebes. Kommt das Symptom häufig vor beziehungsweise ohne konkreten Auslöser, kann sich dahinter auch eine Gefäßerkrankung verbergen. So können Gefäßveränderungen mit Plaquebildung den Blutfluss behindern und somit die Durchblutung des dahinterliegenden Gewebes reduzieren. Ein Beispiel dafür ist die Arteriosklerose. Arteriosklerotische Veränderungen machen sich besonders häufig in den feinen Gefäßen der Beine (pAVK) und in den Herzkranzgefäßen (KHK) bemerkbar, können aber auch die Durchblutung der Hände beeinflussen. Darüber hinaus begünstigen ein niedriger Blutdruck sowie eine schwache Pumpleistung des Herzens das Auftreten kalter Extremitäten.

Hormone spielen eine Rolle

An der Regulation der Körpertemperatur sowie der Blutversorgung sind verschiedene Hormone und andere Botenstoffe beteiligt. Da vor allem junge Frauen von diesem Phänomen betroffen sind, wird ein möglicher Zusammenhang mit den schwankenden Spiegeln der Sexualhormone diskutiert. Häufiges Frieren kann darüber hinaus auch ein Hinweis auf eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Weitere Anzeichen dafür sind Antriebsschwäche, verbunden mit einem geringen Grundumsatz, Übergewicht, Obstipation und Bradykardie.

Wie erkläre ich es meinem Kunden?

  • „Achten Sie in der kalten Jahreszeit darauf, Ihre Hände gut vor Kälte und Nässe zu schützen, zum Beispiel durch das Tragen warmer Handschuhe.“
  • „Ein Morbus Raynaud löst kurzzeitige Mangeldurchblutungen in den Fingern aus, dann erscheinen die Finger weiß und leblos, wie ‚Leichenfinger‘. In den meisten Fällen löst ein Kältereiz die Beschwerden aus.“
  • „Sie frieren leicht, obwohl Sie ausgeschlafen und entspannt sind? Gibt es weitere Beschwerden, die Sie belasten? Auch eine Schilddrüsenunterfunktion kann Symptome wie ständiges Frieren, Übergewicht und allgemeine Antriebsschwäche auslösen. Sprechen Sie Ihr Frieren doch beim nächsten Arztbesuch einmal an.“
  • „Durch eine Arteriosklerose in den Gefäßen kann die Durchblutung eingeschränkt sein, allerdings betrifft dies vor allem die Herzkranzgefäße sowie die Gefäße in den Beinen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Arteriosklerose gehören Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel.“

Medikamente als Auslöser

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann das Auftreten von kalten Händen begünstigen. Dazu gehören vor allem gefäßwirksame Medikamente wie beispielsweise Betablocker und ACE-Hemmer.

Morbus Raynaud

Ebenfalls den Durchblutungsstörungen zugeordnet wird der Morbus Raynaud. Für diesen sind anfallsartig auftretende kalte Hände typisch. Bei dieser Erkrankung kommt es, meist ausgelöst durch einen Kältereiz, zu Krämpfen an den kleinen peripheren Gefäßen. Infolge der krampfhaften Verengung der Gefäße wird das zu versorgende Gewebe nicht ausreichend durchblutet. Durch die Minderdurchblutung wird das Gewebe blass und verfärbt sich weiß („Leichenfinger“). Ist die Blutversorgung über einen Zeitraum von mehreren Minuten deutlich reduziert, entsteht eine Zyanose, ein Mangel an sauerstoffreichem Blut, welcher die Finger bläulich erscheinen lässt. Sobald sich die Vasospasmen zurückbilden und die Blutversorgung wiederhergestellt ist, kommt es aufgrund eines vermehrten Blutflusses in dem betroffenen Körperteil zu einer Rotfärbung des Gewebes. Die beschriebene Abfolge im Erscheinungsbild der betroffenen Finger von weiß über blau nach rot ist typisch für einen Morbus Raynaud.

Dauerhafte Schäden sind selten

Diese anfallsartig auftretenden Beschwerden können über Stunden anhalten und verursachen zum Teil unangenehme Schmerzen. In der Regel ist ein Morbus Raynaud zwar unangenehm, aber harmlos. Nur selten kommt es zu schweren Verläufen mit dauerhaften Schäden infolge der Minderdurchblutung wie etwa einem Absterben einzelner oder mehrerer Fingerkuppen beziehungsweise Zehen. Davon betroffen sind vor allem Patienten mit einer sekundären Form des Morbus Raynaud.

Primäre und sekundäre Form

Die Einteilung in primäre und sekundäre Formen des Morbus Raynaud erfolgt anhand der zugrunde liegenden Ursache. Diese ist bei einem primären Morbus Raynaud in der Regel unklar, betroffen sind vor allem junge Frauen. Bei der sekundären Form lassen sich die Beschwerden auf eine spezifische Ursache zurückführen. So kann ein sekundärer Morbus Raynaud beispielsweise als Folge einer Grunderkrankung auftreten. Vor allem einige Autoimmunerkrankungen werden mit dem Auftreten des Morbus Raynaud in Verbindung gebracht. Dies gilt unter anderem für die Sklerodermie, den Lupus erythematodes oder das Sjögren-Syndrom. Auch der Konsum von Drogen und die Einnahme bestimmter Arzneimittel, wie beispielsweise Betablocker, ACE-Hemmer und Ergotamin-Derivate, kann entsprechende Gefäßspasmen hervorrufen. Darüber hinaus kann ein sogenanntes Vibrationssyndrom zur Entstehung eines Morbus Raynaud beitragen. Das Vibrationssyndrom entsteht durch einen regelmäßigen und anhaltenden Kontakt mit Vibrationen, zum Beispiel durch das Arbeiten mit einer Kettensäge oder einem Presslufthammer. Das Vibrationssyndrom zählt zu den anerkannten Berufskrankheiten.

Ein einfacher Trick: Kalte Hände vermeiden

Einige einfache vorbeugende Maßnahmen können helfen, kalte Hände zu vermeiden. Handschuhe schützen vor der Kälte und halten die Hände warm. Besonders gut geeignet sind Fäustlinge. Auch bei Patienten mit primärem Morbus Raynaud sind Kältereize zu vermeiden. Bei diesen Patienten sind häufig bereits ab dem frühen Herbst und bis ins späte Frühjahr Handschuhe empfehlenswert. Möglicherweise sind sogar beheizbare Handschuhe sinnvoll. Gerade in den Monaten mit starken Temperaturunterschieden wie Frühjahr und Herbst tritt bei vielen Patienten mit Morbus Raynaud vermehrt die typische Minderdurchblutung auf. Zusätzlich zur Kälte ist es auch sinnvoll, nasse und feuchte Hände zu vermeiden, denn die Verdunstungskälte entzieht den Händen zusätzlich Wärme. Außerdem ist auf ausreichend Schlaf und regelmäßige Entspannung zu achten, um kalte Hände infolge von Stress und Angst zu vermeiden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, auf Genussmittel, die die Durchblutung negativ beeinflussen, wie Alkohol und Zigaretten gänzlich zu verzichten. Gleichzeitig stärken Sport und Bewegung das Gefäßsystem und beugen arteriosklerotischen Veränderungen vor.