Lippenpflegeprodukte bei Stiftung Warentest: Einige Apothekenmarken durchgefallen

Besonders im Winter ist eine richtige Lippenpflege extrem wichtig, denn jetzt trocknet die empfindliche Hautpartie schnell aus. Stiftung Warentest hat 35 Lippenpflegeprodukte unter die Lupe genommen. Darunter auch einige Apotheken-Klassiker. / Bild: © Dan Race - Fotolia.com

Besonders im Winter ist eine richtige Lippenpflege extrem wichtig, denn jetzt trocknet die empfindliche Hautpartie schnell aus.  Stiftung Warentest hat in der März-Ausgabe Lippenpflegeprodukte unter die Lupe genommen. In 18 von 35 geprüften Produkten wurden kritische Substanzen wie gesättigte oder aromatische Kohlenwasserstoffe (Mosh bzw. Moah) oder synthetische Kohlenwasserstoffe (Posh) gefunden. Die einen stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, die anderen, sich in bedenklichen Mengen in Organen anzureichern, ohne dass bislang die gesundheitlichen Folgen vollständig geklärt wären. Unter den nicht-empfehlenswerten Lippenpflegeprodukten befinden sich auch typische „Apothekenmarken“, aber es gibt auch gute Nachrichten aus dem Freiwahl-Sortiment.

Was wurde getestet

Stiftung Warentest hat 35 Lippenpflegemittel ins Labor geschickt und wollte wissen, ob die Kosmetika frei sind von kritischen Inhaltsstoffen, die über den Mund direkt in den Körper geraten. Bei Produkten mit Sonnenschutz wurde zusätzlich geprüft, ob sie den versprochenen Lichtschutzfaktor einhalten. Die pflegenden Eigenschaften der Produkte waren hingegen nicht Bestandteil des Tests, da es kein Standardverfahren gibt, mit dem man Pflegeeigenschaften auf den Lippen objektiv und zuverlässig beurteilen kann.

Mosh, Moah oder Posh: Umstrittene Inhaltsstoffe

Kritisch seien vor allem bestimmte Kohlenwasserstoffe: einige Mosh (Mineral oil saturated hydrocarbons), das sind gesättigte Kohlenwasserstoffe und Moah (Mineral oil aromatic hydrocarbons), das sind aromatische Kohlenwasserstoffe. Viele Mosh können sich im Körper anreichern, etwa im Fettgewebe, in der Leber oder der Milz. Die gesundheitlichen Folgen sind bisher nicht vollständig geklärt. Die europäische Lebensmittelbehörde Efsa schätzt jedoch schon die Menge an Mosh, die Verbraucher über Lebensmittel aufnehmen, als „potenziell bedenklich“ ein. Die zusätzliche Menge aus Lippenpflege kann beachtlich sein. Regelmäßige Anwender schlucken im Jahr rund 20 Gramm Lippenstift, also circa vier Lippenpflegestifte und entsprechende Mengen der kritischen gesättigten Kohlenwasserstoffe.

Sogenannte Moah sieht die Lebensmittelbehörde Efsa noch kritischer – Lebensmittel sollten gänzlich frei davon sein. Einige davon sind potenziell krebserregend. In Nahrungsmittel gelangen Moah über Druckfarben aus der Verpackung oder auch Schmieröl, welches im Herstellungsprozess eingesetzt wird. In Kosmetik stammen Moah meist aus Zutaten auf Mineralölbasis. Zwar bemühen sich die Hersteller schon länger, die kritischen Moah zu reduzieren, indem sie besonders aufgereinigtes Mineralöl verwenden. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft, so Stiftung Warentest, ließe sich jedoch nicht ausschließen, dass auch von den verbleibenden Mengen noch ein Krebsrisiko ausgehe.

In den Stiften von La Roche-Posay und Vichy wurden sogenannte Posh, das sind Kohlenwasserstoffe mit dem englischen Namen Polymer oligomeric saturated hydrocarbons, nach. Sie sind den Mosh sehr ähnlich, werden oft aus Ausgangsstoffen wie Kohle oder Biomasse synthetisch hergestellt und könnten sich ebenso im Körper anreichern.

Wie erkennt man Mosh, Moah oder Posh?

Die folgenden Bezeichnungen auf der Inhaltsstoffliste von Lippenpflegeprodukten deuten auf kritische Mosh, Moah oder Posh hin:

  • Cera Microcristallina / Microcristallina Wax
  • Ceresin
  • Mineral Oil
  • Ozokerite
  • Paraffin
  • Paraffinum Liquidum
  • Petrolatum
  • Hydrogenated Polyisobutene
  • Polyethylene 
  • Polybutene

Bepanthol, Weleda und Dr.Hauschka überzeugen

Neben 13 weiteren Lippenpflegemitteln überzeugten die Apothekenmarken Bepanthol, Weleda und Dr.Hauschka im Test. Es wurden keine kritischen Mineralölbestandteile nachgewiesen. Der Lip Balm von Dr.Hauschka und die Weleda Everon Lippenpflege tragen darüber hinaus auch ein bzw. zwei Naturkosmetiksiegel. Basis der Produkte sind vorwiegend pflanzliche Öle und Fette wie beispielsweise Sheabutter oder Rizinusöl. Die meisten Produkte enthalten auch Bienenwachs. Da für Naturkosmetik vorgeschrieben ist, dass die Rezeptur keine erdölbasierten Zutaten enthalten darf, seien diese eine gute Alternative.

Sebamed bietet zu wenig UV-Schutz

Bei fast allen Produkten, die Stiftung Warentest getestet hat, funktioniert der UV-Schutz wie angegeben. Einzige Ausnahme in dieser Disziplin ist der Sebamed-Stift: Er schütze deutlich weniger vor UVA, als der Anbieter verspricht, deshalb empfiehlt ihn Stiftung Warentest nicht, obwohl keine kritischen Inhaltsstoffe gefunden wurden.

Eucerin, La Roche-Posay und Vichy fallen durch

Laut Analyse von Stiftung Warentest enthalten der Eucerin Lip Aktiv Stift, La Roche-Posay Nutritic Lippen und der Lippenbalsam von Vichy Aqualia Thermal kritische Fraktionen der Mineralölbestandteile Mosh und Posh oder Moah. Allen, die sichergehen wollen, wird empfohlen, auf diese Produkte zu verzichten.

Den vollständigen Test finden Sie in der aktuellen test-Ausgabe 03/2017.

Cornelia Neth
PTA, Chefredakteurin PTAheute.de, Leitung der Online-Redaktion
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