Parkinson-Patienten das Schlucken erleichtern

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Parkinson lässt Patienten zittern, sie standunsicher werden und steif. Doch die neurodegenerative Erkrankung schränkt die Patienten auch auf feineren, nicht gleich offensichtlichen Ebenen ein: Vielen Parkinson-Patienten fällt das Schlucken schwer – auch von Arzneimitteln. Wie kann die Apotheke helfen?

Für gesunde Menschen ist es kein großer Akt – es klappt einfach und passiert automatisch: Bis zu 2000 Mal schlucken wir pro Tag. Für Patienten mit Schluckstörungen – Dysphagien – wird dieses Alltägliche zum Problem. Die Folgen von Schluckstörungen reichen von schlichtem Verschlucken bis hin zu schweren Lungenentzündungen, wenn Nahrungsmittel über die Luftröhre in die Lunge gelangen, und Mangelernährung. Mangelernährung deshalb, weil man unweigerlich Dinge, die einem schwer fallen eher vermeidet – in diesem Fall das Essen.
Auch Parkinson-Patienten kämpfen ab einem gewissen Krankheitsstadium mit Schluckstörungen – nicht nur bei der Nahrungsaufnahme, sondern auch bei der Einnahme von Arzneimitteln. Müssen die Patienten meist zahlreiche Arzneimittel – häufig nach genau festgelegten Zeitschemata – einnehmen, nutzt der beste Medikationsplan allerdings nichts, wenn der Patient die verordneten Tabletten und Kapseln nicht schlucken kann. Parkinson trifft hauptsächlich ältere Menschen, und die Inzidenz der neurodegenerativen Erkrankung steigt mit zunehmendem Lebensalter. Das bedeutet: Die Patienten sind häufig multimorbide und leiden vielleicht zusätzlich an Diabetes oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems – was die tägliche Tablettenzufuhr nochmals erhöht.

Wie kann die Apotheke die Tabletteneinnahme leichter machen?

Manchmal genügen einfache Tricks, die die Tablette oder die Kapsel besser „runter rutschen“ lassen. Bei Kapseln hilft, den Kopf leicht nach vorne zu neigen – die Kapsel schwimmt dann auf dem Wasserspiegel im Mund und löst bei Kontakt mit dem Rachen automatisch den Schluckreflex aus. Ob dieser Kniff für den Parkinson-Patient (noch) in Frage kommt, müssen PTA und Apotheker individuell im Beratungsgespräch klären. Ist der Schluckakt bereits stark eingeschränkt, droht natürlich auch hier, dass der Patient sich verschluckt oder „Portionen“ des Arzneimittels statt in die Speiseröhre in die Atemwege gelangen. Welche Möglichkeiten gibt es außerdem, dass Parkinson-Patienten ihre Arzneimittel sicher einnehmen können?

Alternative Darreichungsformen: Schmelztablette, Granulat,
Lösung zum Einnehmen, Brausetabletten

Fällt das Schlucken fester oraler Arzneimittel wie Tabletten oder Kapseln schwer, sollte die Apotheke prüfen, ob es den verordneten Wirkstoff auch in flüssiger Darreichungsform gibt. Als Schmelztablette vielleicht, Granulat oder Brausetablette? Als pharmazeutischer Unternehmer hat sich Infectopharm mit "Geriasan" im Bereich der Schluckstörungen spezialisiert. Geriasan bietet beispielsweise die Wirkstoffe Gabapentin und Metformin als Lösung zum Einnehmen an (Gabaliquid® Geriasan, Metfoliquid® Geriasan). Roche ist mit Madopar® LT als lösliche Tabletten mit den Wirkstoffen L-Dopa und Benserazid für die Therapie von Parkinson im Markt.

Ist die Tablette mörserbar oder lässt sich die Kapsel öffnen?

Bei unretardierten Arzneimitteln oder solchen ohne magensaftresistenten Überzug kann auch das Mörsern der Tablette oder das Öffnen der Kapsel die Arzneistoff-Einnahme leichter machen. Ein sichereres Einnehmen von zerkleinerten Tabletten oder Kapselinhalten gelingt am ehesten in breiförmiger Konsistenz – diese rutscht gut und ist zähflüssiger als reines Wasser, was die Gefahr des Verschluckens verringert. Auch gelöste Pulver oder Granulate schlucken Patienten für gewöhnlich leichter in angedickter Form – das kann breiförmige Nahrung sein (Apfelmus, Kartoffelpüree, Pudding oder Joghurt) oder auch spezielles Andickungspulver. Fresenius vermarktet hier Thick & EasyTM Instant Andickungspulver. Nutricia ist äquivalent mit Nutilis® Powder Dickungspulver im Markt. Eine etwas zähere Konsistenz hat beispielsweise auch Bananensaft.

Bei L-Dopa-haltigen Arzneimitteln sollten PTA jedoch von der Einnahme mit Pudding oder Joghurt abraten. Die eiweißreichen Lebensmittel vermindern die Aufnahme von L-Dopa. Die Patienten sollten hier einen Abstand zwischen L-Dopa-Einnahme und proteinhaltigen Lebensmitteln (zum Beispiel Quark, Käse, Joghurt, Fisch, Fleisch, Linsen) von einer halben bis einer Stunde einhalten.

Medcoat® Schluckhilfe überzieht Tabletten

Die Medcoat® Schluckhilfe bastelt einen Überzug über die einzunehmende Tablette. Die Überzugsmasse ist in einer Art Blisternapf enthalten, den der Patient (nach Entfernen der Folie) mit der Tablette durchsticht und sie anschließend hindurchschiebt. Eine Packung mit zehn Blisternäpfen reicht für zehn große oder 20 kleinere Tabletten. Der aktuelle Lauer-Preis liegt bei 4,89 € (Stand Lauer-Taxe: 11.04.2018).

Bei welchen Arzneimitteln sollten PTA und Apotheker nachfragen, ob das Schlucken klappt?

Zu den klassischen Parkinson-Medikamenten zählen die Wirkstoffe (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

  • L-Dopa beziehungsweise Levodopa in Kombination mit Benserazid oder Carbidopa
  • Dopaminagonisten: Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin, Piribedil, Bromocriptin, Pergolid, Cabergolin
  • MAO-B-Hemmer: Selegilin, Rasagilin
  • COMT-Inhibitoren: Entacapon, Tolcapon
  • NMDA-Antagonisten: Amantadin, Budipin
  • Anticholinergika: Biperiden