Problemlos durch die Wechseljahre

Teil 2: Phytopharmaka

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Viele Frauen haben Angst vor den Nebenwirkungen von Hormonen und setzen deshalb bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden auf pflanzliche Arzneimittel. Einige Pflanzeninhaltsstoffe haben estrogenartige Wirkungen, andere wirken auf das ZNS und bei wieder anderen ist die Wirkungsweise noch nicht eindeutig belegt. Was man unbedingt wissen und dem Kunden mit auf den Weg geben sollte: Bei pflanzlichen Arzneimitteln tritt die Wirkung erst nach einigen Wochen ein.

Es gibt mittlerweile viele pflanzliche Mittel zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Die häufigsten sind Soja, Rotklee, Traubensilberkerze oder Rhabarberwurzel. Präparate mit dem Wurzelstock der Traubensilberkerze oder Rhapontikrhabarberwurzel sind als Arzneimittel zugelassen. Sojaprodukte und Präparate mit Rotklee haben keine Zulassung, sondern sind als Nahrungsergänzungsmittel im Handel.

Soja und Rotklee

Soja und Rotklee enthalten Isoflavone, vor allem Daidzein, Genistein und Glycitein. Diese Inhaltsstoffe haben eine schwache phytoestrogene Wirkung, da sie dem Hormon Estrogen in seiner Struktur ähneln und wie Estrogen hormonähnlich wirken können.
In kleineren Studien wurden positive Wirkungen vor allem auf den Knochenstoffwechsel festgestellt, doch es fehlen bisher aussagekräftige Langzeitstudien. Eine abschließende Bewertung konnte deshalb noch nicht vorgenommen werden. In der Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften) zur Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause wird zu Soja und Rotklee nur eine marginale Wirksamkeit bei Hitzewallungen angegeben. Welche Risiken es bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die Extrakte aus Soja oder Rotklee enthalten, gibt, ist noch nicht ausreichend bewertet.

Langzeitfolgen nicht abschätzbar

Frauen in Asien leiden weniger unter klimakterischen Beschwerden. Dies hängt mit der Ernährung und dem hohen Verzehr von Sojaprodukten in Asien zusammen. Asiatische Frauen sind zudem seit der Jugend an eine sojareiche Ernährung gewohnt. Bei einer Ernährungsumstellung, z. B. durch den Umzug in westliche Länder, nehmen auch Beschwerden in den Wechseljahren wieder zu.
In westlichen Ländern wird weniger Soja verzehrt. Isoflavone aus Soja werden hier in konzentrierter und angereicherter Form mittels Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen. Toxikologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Isoflavone in dieser Form das Brustdrüsengewebe verändern können. Zwar hat die EFSA (European Food Safety Authority) in einem Gutachten festgestellt, dass bei einer Einnahme von Isoflavonen/Extrakten aus Soja von bis zu 100 mg pro Tag bei einer Einnahmedauer von bis zu zehn Monaten und für Präparate aus Rotklee in Dosierungen von bis zu 43,5 mg Isoflavonen pro Tag bei einer Einnahmedauer von bis zu drei Monaten keine negativen Auswirkungen auf die Zielorgane weibliche Brustdrüse, Gebärmutter und Schilddrüse zu befürchten sind, über mögliche Langzeitfolgen von estrogenartig wirkenden pflanzlichen Sekundärstoffen ist allerdings immer noch zu wenig bekannt. Auch die Wirksamkeit zur Linderung von klimakterischen Beschwerden ist noch nicht ausreichend mit klinischen Studien belegt.

Rhapontikrhabarberwurzel

Die sibirische Rhabarberwurzel ist in Deutschland zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden als Arzneimittel zugelassen. Die Effektivität eines Trockenextraktes aus der Rhapontikrhabarberwurzel (Rheum rhaponticum) in femi-loges® Tabletten konnte in wenigen kleinen Studien gezeigt werden. Allerdings ist die Studienlage noch nicht eindeutig, um eine gesicherte Langzeitwirkung und eine Risikoabschätzung beurteilen zu können.

Traubensilberkerze

Die Traubensilberkerze ist ebenfalls in Deutschland als Arzneimittel zur Linderung klimakterischer Beschwerden zugelassen. Es gibt dazu auch eine positive Bewertung des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes. Außerdem existieren zahlreiche Erfahrungsberichte, die eine sichere Anwendung belegen. In der Apotheke sind verschiedene Extraktpräparate erhältlich, die sich in der Art des Extraktionsmittels unterscheiden. So gibt es neben Präparaten mit ethanolischem Auszugsmittel (z.B. Klimadynon®, Feminon®C, Natu-fem®)  auch isopropanolisch ausgezogene Extrakte (Remifemin®), wobei der isopropanolische Traubensilberkerzenextrakt (iCR) den besten Studienhintergrund aufweist. Die genaue Wirkungsweise der Traubensilberkerze ist bis heute noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert wird u. a. ein agonistischer Effekt an Dopaminrezeptoren, welcher die positive Wirkung bei Hitzewallungen erklären könnte. Die Traubensilberkerze kann auch in Kombination mit Johanniskraut (in Remifemin® plus) eingenommen werden.
Nützliche Hinweise bei der Abgabe dieser Präparate: Bei pflanzlichen Arzneimitteln erfolgt der Wirkungseintritt deutlich milder und langsamer als bei einer Hormontherapie. Deshalb müssen diese Produkte auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Wenn pflanzliche Mittel mit einer Hormontherapie kombiniert werden, sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen. Nach circa vier bis sechs Monaten sollte das Medikament abgesetzt werden, um zu sehen, ob die Beschwerden wieder stärker werden. Ist dies der Fall, spricht es für eine positive Wirkung und weitere Anwendung des pflanzlichen Mittels.

Salbei gegen Schwitzen?

Von vielen Kundinnen werden in der Apotheke auch Tees verlangt. Salbeitee kann bei Hitzewallungen hilfreich sein, sollte dann aber kalt getrunken werden. Die maximale Menge beträgt drei Tassen Tee pro Tag, da Salbeitee in großen Mengen zu Blutungsstörungen führen kann.

Martina Schiffter-Weinle
Apothekerin, Redakteurin
onlineredaktion@ptaheute.de