PTA wegen Untreue-Vorwurf vor Gericht

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In einer Apotheke in Bayern soll eine PTA freiverkäufliche Waren und OTC-Produkte an Kunden abverkauft, die Beträge aber nicht in der Kasse verbucht haben. So soll sie den Apothekenleiter um etwa 1.200 Euro erleichtert haben. Vor dem Amtsgericht in Pfaffenhofen startete nun der Prozess wegen des Vorwurfs der Untreue.

Mindestens zehnmal soll die Pharmazeutisch-technische Assistentin in den vergangenen Jahren den Verkauf freiverkäuflicher Waren und OTC-Produkte in die Kasse eingegeben, den Vorgang aber danach abgebrochen haben. Anschließend soll sie den Warenbestand manuell korrigiert haben, damit nichts auffällt, so die Anklage.

Abgebrochene Vorgänge im System nachgewiesen

Die PTA, die seit mehr als 20 Jahren in der Apotheke beschäftigt war, bestreitet die Tat. Mittlerweile wurde sie in der Apotheke gekündigt. Gegen die Kündigung habe sie sich nicht gewehrt, weil sie keine Vertrauensbasis mehr sehe, sagte sie im Prozess. Auch ihr ehemaliger Chef, der als Zeuge geladen war, sprach von einem Vertrauensmissbrauch. Aufgefallen sei der Schwindel, weil die Bestände immer wieder nicht stimmten. Der Apothekenleiter hatte deshalb die Softwarefirma damit beauftragt, eine Überprüfung der Kassenvorgänge und Warenbestandskorrekturen durchzuführen. Dabei zeigte sich, dass das System abgebrochene Kassenvorgänge aufgezeichnet hat. Da sich alle Angestellten mit einer eigenen Kennung einloggen, sei nachvollziehbar, dass unter ihrer Benutzerkennung die abgebrochenen Vorgänge und Bestandskorrekturen durchgeführt wurden. Allerdings seien die Zugänge nicht passwortgesichert, erklärte die Angeklagte im Prozess, was ihr ehemaliger Chef bestätigte. Es hätte sich also jeder unter ihrem Namen anmelden können.

§ 266 StGB Vorwurf der Untreue

(1) Wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, mißbraucht oder die ihm kraft Gesetzes, behördlichen Auftrags, Rechtsgeschäfts oder eines Treueverhältnisses obliegende Pflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen, verletzt und dadurch dem, dessen Vermögensinteressen er zu betreuen hat, Nachteil zufügt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) § 243 Abs. 2 und die §§ 247, 248a und 263 Abs. 3 gelten entsprechend.

Vorfälle nur, wenn die Angeklagte im Dienst war

Der Apotheker fügte hinzu, dass in Zeiten, in denen die angeklagte PTA im Urlaub war, kein einziger Abbruchvorgang in der Kasse nachgewiesen werden konnte. So ein Abbruch könne schon mal passieren, wenn Hektik herrsche, auffällig sei aber, so der Apothekenleiter, dass fast jedes Mal, wenn es dazu kam, kurz darauf der Bestand ebenfalls händisch verändert wurde.

Für den Apothekenleiter sei klar, dass die PTA schuldig ist. Auch der zuständige Staatsanwalt äußert am ersten Prozesstag keinen Zweifel: "Warum sollte sich jemand immer wieder mit nur einer Kennung anmelden und nicht streuen", sagte er der Tagespresse. Außerdem soll es auch an Tagen, als der Apothekenleiter allein mit der PTA in der Apotheke arbeitete, zu den Taten gekommen sein. Der Strafverteidiger der angeklagten PTA konnte dem nicht zustimmen: "Ich finde das alles gar nicht nachvollziehbar. Da fehlen handfeste Beweise. " Der Anwalt verwies auch darauf, dass wohl kaum jemand anderes unter dem Namen seiner Mandantin die Kasse manipulieren würde, wenn sie gar nicht da sei.

Beweislage noch unklar

Dem Amtsrichter reichte die Beweislage ebenfalls nicht aus. Er geht von einem längeren Prozess aus. Da er alle Auswertungen der Software-Firma für die Kasse sehen will, wurde ein weiterer Gerichtstermin für Januar angesetzt. Dann werden auch die Kolleginnen der Angeklagten vernommen.