Selbstmedikation bei gastrointestinalen Erkrankungen

Sodbrennen, Obstipation & Diarrhö

Apothekerin Silke Laubscher brachte uns im zweiten Nachmittags-Vortrag auf den neuesten Stand in Sachen Selbstmedikation bei gastrointestinalen Erkrankungen. Magen-Darm-Beschwerden gehören zu den Volkskrankheiten, fast jeder kennt die Symptome. Sie sind häufig mit einer deutlichen Minderung der Lebensqualität verbunden, so dass viele Patienten den Rat in der Apotheke suchen.

Silke Laubscher gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen umfassenden Überblick über die Selbstmedikation bei gastrointestinalen Erkrankungen

Oft harmlos, aber beratungsbedürftig!

In den meisten Fällen sind Sodbrennen, Obstipation und Diarrhoe harmlos und für die Selbstmedikation geeignet. Es können jedoch auch ernstzunehmende Ursachen zugrunde liegen die den Arztbesuch unumgänglich machen. Hier müssen die Eigendiagnose hinterfragt und die Grenzen der Selbstmedikation erkannt werden.

Zunächst verschaffte die Referentin den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Überblick über das Krankheitsbild und die Behandlungsmöglichkeiten von Sodbrennen. Neben Antazida und H2-Antihistaminika stehen hier auch Protonenpumpenhemmer, sogenannte PPI, zur Verfügung. Leicht verständlich und anhand eindringlicher Beispiele wurden auch die Grenzen der Selbstmedikation, die Nebenwirkungen und Kontraindikationen erläutert.

Tipps bei Sodbrennen

  • 4 bis 5 kleine Mahlzeiten (gut kauen, langsam essen)
  • Keine großen Mahlzeiten mehr  nach 18 Uhr
  • Scharfe Gewürze, Fettes, Süßes und Kaffee meiden (leichte Vollkost)
  • Rauchen ist Gift für den Magen (Ösophagussphinkter wird geschwächt)
  • Vorsicht bei Alkohol (kein gebrannter Alkohol) – auch hier wird der Ösophagussphikter geschwächt
  • Übergewicht reduzieren
  • Stressabbau (Yoga, Autogenes Training)
  • Schweres Heben und einengende Kleidung / Gürtel meiden
  • Mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen (10 cm)
  • Auf der linken Seite schlafen (anatomisch bedingt haben Rechtsschläfer doppelt so häufig mit Sodbrennen zu tun, als Menschen, die auf der linken Seite schlafen)

Update: Verstopfung

Die Referentin erläuterte zunächst die Ursachen einer akuten Obstipation. Diese sind häufig ein zu ballaststoffarme Ernährung, mangelnde Flüssigkeitsaufnahme, zu wenig Bewegung, die Unterdrückung des Defäkationsreizes oder auch abrupte Änderungen der Lebensumstände. Hinzu kommt der Missbrauch von Laxanzien, der wiederum zu Obstipation führt. Auch systemische oder intestinale Erkrankungen können Verstopfung auslösen. Diese kann außerdem eine Nebenwirkung von Arzneimitteln sein oder im Rahmen einer Schwangerschaft auftreten.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei Obstipation

  • Ballaststoffreiche Ernährung kann Obstipationssymptome verbessern
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5 bis 2 Liter pro Tag)
  • Körperliche Aktivität steigern (im Rahmen der Möglichkeiten)
  • Toilettenhygiene (ausreichend Zeit für den Toilettengang, Stuhlgang nicht unterdrücken)
  • Stuhltagebuch führen

Reichen die nichtmedikamentösen Maßnahmen nicht aus, die Verstopfung zu beseitigen, kommen Quellstoffe, Macrogol, Natriumpicosulfat und Bisacodyl, Zuckerderivate und Anthranoide zum Einsatz. Rektal angewendet werden können Glycerol, Sorbitol und Natriumhydrogencarbonat, die allerdings eher zweite Wahl sind. Hier erläuterte Silke Laubscher ausführlich die Anwendungshinweise, Grenzen der Selbstmedikation und die Kontraindikationen.

Durchfallerkrankungen in der Selbstmedikation

Die Ursache einer Diarrhö kann eine gestörte Wasserresorption in den Darm oder eine gesteigerte Darmbewegung sein. Zur Behandlung von Durchfallerkrankungen werden orale Rehydratationslösungen in Kombination mit Wirkstoffen wie Loperamid, Racecadotril, Präparate mit Mikroorganismen oder Uzarawurzel eingesetzt, so die Referentin.

Cola oder Salzstangen?

Weit verbreitet sei – als Akutmaßnahme – der Konsum von Cola und Salzstangen. Kinder könnten so motiviert werden, überhaupt etwas zu sich zu nehmen. Nachteilig sei hier der hohe Zuckergehalt der Cola, der wiederum einen erhöhten osmotischen Druck im Darm provoziere und die Speicherung von Wasser im Darm begünstige. Außerdem könne die enthaltene Kohlensäure den Darm aufblähen was unter Umständen zu zusätzlichen Bauchschmerzen führen kann. Das in Cola enthaltene Coffein regt zusätzlich die Peristaltik an. Salzstangen enthalten – wie der Name schon sagt – außerdem zuviel Natriumsalze und zu wenig Kalium, was den Elektrolythaushalt ungünstig beeinflussen könne. Die Referentin stellte deutlich fest, dass die altbekannte „Cola-und-Salzstangen-Maßnahme“ im Großen und Ganzen keine wirklich gute diätetische Lösung ist. Gut geeignet hingegen sei eine sanfte Aufbaukost und der Verzicht auf Kaffee, Säfte, Limonaden und Alkohol sowie fettige, scharfe, stark gesalzene oder stark zuckerhaltige Speisen. Gemieden werden sollten außerdem blähende Nahrungsmittel und auch intensive sportliche Belastungen

Diätetische und Maßnahmen bei Diarrhö

  • Tee (getrocknete Heidelbeeren, Tormentillwurzelstock, Brombeerblätter, Gänsefingerkraut, Frauenmantelkraut, Eichenrinde)
  • Geriebener Apfel, Banane
  • Reis, Zwieback, Toast
  • Haferschleim, Grießbrei
  • Brühe, Kartoffel- und Möhrensuppe

Silke Laubscher bezog in ihrem Vortrag die aktuellen Leitlinien, die Sie unter www.abda.de sowie unter www.awmf.org/leitlinien.html online finden können. Sie befasste sich neben den Symptomen, Ursachen und Folgen der Erkrankungen mit den therapeutischen Behandlungsansätzen und verschaffte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen umfassenden Überblick über die Selbstmedikation bei gastrointestinalen Erkrankungen.