Tariferhöhung: Wer bekommt mehr Geld?

Bild: Stockfotos-MG/stock.adobe.com

Die Tarifgehälter haben sich in fünfzehn Kammerbezirken ab dem 1. September 2018 um drei Prozent erhöht. Aber was gilt für Angestellte, die bereits ein übertarifliches Gehalt bekommen haben? Hier machen Formulierungen im Arbeitsvertrag den Unterschied. ADEXA-Rechtsanwältin Minou Hansen sorgt für Klarheit.

Die Tariferhöhung wird erstmals mit der Gehaltsabrechnung für den Monat September, also zum Monatsende, gezahlt. Hier lohnt sich also auf jeden Fall ein Blick auf die Gehaltsabrechnung.

Richtig formuliert?

Übertarifliche Gehälter sind bei PTA oder Approbierten nicht selten. Ob sie Anspruch auf eine Erhöhung haben, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt vielmehr von Formulierungen im Arbeitsvertrag ab.

Gut beraten sind Angestellte, die sich schon bei Abschluss ihres Arbeitsvertrages dazu Gedanken gemacht haben. Mit Passagen wie „Das Gehalt entspricht dem jeweils gültigen Tarifgehalt zuzüglich 10 Prozent“ ohne weitere Ergänzungen sind sie auf der sicheren Seite und können sich aktuell über mehr Geld freuen.

Anders sieht es beim Zusatz „Die Zulage kann auf zukünftige Tariferhöhungen angerechnet werden und mindert sich bei einer Erhöhung automatisch um deren vollen Betrag“ aus. Dann können Angestellte keinen Anspruch geltend machen.

Genauso ungünstig ist, wenn man sich bei den Vertragsverhandlungen zwar darauf geeinigt hat, ein übertarifliches Gehalt zu bekommen, dann aber im schriftlichen Vertrag nur eine feste Summe vereinbart ist. Auch damit bleibt trotz des neuen Abschlusses alles beim Alten – zumindest bis man in eine höhere Berufsjahresgruppe kommt oder bis es einen Abschluss gibt, der höher ist als der vereinbarte Betrag.

Keine betriebliche Übung

Auch wenn ein Arbeitgeber jahrelang Tariferhöhungen ohne Verpflichtung umgesetzt hat, lässt sich ohne weiter Anhaltspunkte nicht das Recht herleiten, auch an der nächsten Tariferhöhung teilzunehmen.

Achten Sie auf den Vertrag

ADEXA rät allen Apothekenangestellten deshalb, Passagen über das Gehalt präzise und korrekt zu formulieren. Außerdem bietet die Gewerkschaft ihren Mitgliedern an, neue oder bestehende Arbeitsverträge zeitnah zu überprüfen. Es gibt immer die Möglichkeit, einzelne Passagen neu auszuhandeln.

*Im Kammerbezirk Nordrhein gilt ein separater Gehaltstarifvertrag.
Für den Kammerbezirk Sachsen laufen Gespräche mit dem Ziel eines eigenen Tarifvertrages.