Trendfrucht mit Interaktionspotenzial: Was PTA über Pomelos wissen sollten

Viel Vitamin C, aber auch viele Wechselwirkungen: Pomelos haben es in sich! / Bild: Tamara Borgia / stock.adobe.com

Pomelos stammen aus Israel oder China und erfreuen sich seit einiger Zeit auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Die Kreuzung aus Grapefruit und Pampelmuse hat zwar viele gesundheitsfördernde Eigenschaften, ähnlich wie bei der Grapefruit wird aber auch bei der Pomelo vor Wechselwirkungen mit bestimmten Arzneimitteln gewarnt.

Sie sieht aus wie eine riesige Grapefruit und doch anders. Meist liegt sie in einem Netz verpackt in der Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt: die Pomelo. Sie ist eine Kreuzung aus Grapefruit und Pampelmuse. Ihre Schale ist hellgelb bis grünlich, sehr dick und – im Gegensatz zu der ihrer Verwandten – ungenießbar. Vor dem Essen muss die Schale der Pomelo ebenso wie die weiße Haut im Inneren der Frucht entfernt werden. Ist die Pomelo erst geschält, kann die Frucht roh verzehrt werden.

Viele positive Inhaltsstoffe

Die Pomelo enthält viel Vitamin C: 41 Milligramm auf 100 Gramm Frucht. Außerdem große Mengen an Kalium, Magnesium und Phosphat. Aber auch den Bitterstoff Naringin, der im Körper zu Naringenin umgewandelt wird. Naringenin wirkt in Kombination mit anderen Inhaltsstoffen blutdrucksenkend. Bei leicht erhöhtem Blutdruck wirkt sich der Verzehr einer Pomelo also zunächst positiv aus. In Verbindung mit blutdrucksenkenden Medikamenten kann der Verzehr der Frucht jedoch zu erheblichen Problemen führen, da es zu einem starken Blutdruckabfall kommen kann. Deswegen sollten Pomelos und Grapefruits nicht oder nur in geringen Mengen verspeist werden, wenn entsprechende Medikamente eingenommen werden.

Gesund – aber mit Wechselwirkungen

Schon Kinder wissen, dass Obst und Gemüse sehr gesund sind. Das lernen sie spätestens im Kindergarten. Auch die Pomelo gilt durch ihren hohen Vitamin-C-Gehalt und ihre vielen weiteren Inhaltsstoffe als gesund. Dass der Verzehr von Obst aber auch unerwünschte Folgen haben kann, ist vielen Menschen nicht bewusst, vor allem nicht im Zusammenhang mit der Einnahme von Arzneimitteln. Daher ist ein Hinweis in der Apotheke auf die entsprechenden Wirkungen verschiedener Obstsorten – gerade jetzt in der „Zitrusfrüchtezeit“ – äußerst wichtig. Warum also haben Pomelos – wie die verwandte Grapefruit – so viele Wechselwirkungen mit Arzneimitteln? Ursache hierfür ist der oben erwähnte Bitterstoff Naringin. Naringin ist medizinisch nur deshalb relevant, da es die Wirkung von Arzneistoffen verändern kann. Abgesehen davon ist es für den Menschen unschädlich.

Naringin bekannt als CYP3A4-Inhibitor

Naringin ist ein sogenanntes Glykosid. Im Gastrointestinaltrakt wird Naringin enzymatisch in Glucuronide und Naringenin gespalten. Diese beiden Metaboliten des Naringins sowie das ebenfalls in Grapefruits vorhandene Bergamottin hemmen das Cytochrom P450-Isoenzym CYP3A4. Dieses Enzym ist für den kontrollierten Abbau von Arzneistoffen in der Leber zuständig. Diese Hemmung von CYP3A4 verzögert die Metabolisierung bestimmter Arzneistoffe, was deren Wirkspiegel erhöht. Bei folgenden Wirkstoffen sollte der Genuss von Pomelos und Grapefruit bzw. deren Saft gemieden werden: Simvastatin, Lovastatin (HMG-CoA-Reduktasehemmer), Verapamil, Nifedipin, Amlodipin, Felodipin, Nisoldipin und Nitrendipin (Calciumantagonisten) sowie bei Terfenadin, Ciclosporin und Midazolam. Bei gleichzeitiger Einnahme mit dem Antikoagulans Phenprocoumon kann Naringin die Blutungsneigung erhöhen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Verzehr von Pomelos kann den Blutdruck senken.
  • Die Haut, welche das Fruchtfleisch umgibt, muss vor dem Verzehr entfernt werden.
  • Pomelos haben einen hohen Vitamin-C-Gehalt und enthalten außerdem viel Kalium, Magnesium und Phosphat.
  • Pomelo und Grapefruit können Wechselwirkungen mit bestimmten Arzneistoffen hervorrufen. Die Abbauprodukte des in beiden Früchten enthaltenen Naringins sorgen im Körper dafür, dass ein bestimmtes Enzym in der Leber blockiert wird. Deshalb werden einige Medikamente im Körper langsamer abgebaut als gewöhnlich. Dadurch kann es zu verstärkten Wirkungen beziehungsweise Nebenwirkungen dieser Medikamente kommen.